Brief von Nathan West an Kylen Celina

Liebe Kylen,

Kylen, dieser Name hat so lange mein Leben, mein Handeln bestimmt. Mut, Hoffnung und Glauben gegeben. Solange war er ein maßgeblicher Teil meines Lebens. Mein Lebensinhalt. Doch ist es noch immer so? Es kommt mir so unwirklich vor, als ob alles schon so viele Jahre her wäre. Die Zeit des Glücks, der Zukunftspläne. Aber es waren keine Jahre, sondern Monate. In diesen hat sich mein Leben drastisch geändert. Es hat mich zu einem anderen Menschen werden lassen. Nichts und niemand kann den alten Nathan West zurückholen. Und ich frage mich, ob ich ihn je wieder sehen will?

Am Anfang wollte ich nur eins. In Deiner Nähe sein. Also ging ich zu den Marines. Voller Tatendrang, mein Ziel vor Augen. Dann die schreckliche Nachricht vom Angriff auf Tellus.

Es ist noch nicht lange her, da habe ich Dich endlich wieder gefunden und gleich wieder hergeben müssen. Du warst nur kurz auf der Saratoga. Duschen, Essen und schon wieder musstest Du weg. Doch es war besser so, hier bist Du einfach nicht in Sicherheit.

Irgendwie war ich froh, als Du in den Transporter stiegst und weg warst. Obwohl Du nichts dafür konntest, gab ich Dir ganz tief in meiner Seele die Schuld an allem, was nun geschehen war. Ich konnte nicht mal für eine Sekunde Freude empfinden. Vielleicht so etwas wie, ich habe ja gewusst, dass Du noch lebst, aber da war keine Freude. Es war nicht so, wie ich es mir so oft erträumt habe.

Meine Gedanken waren bei Cooper, ich muss mich um ihn kümmern. Er hat doch niemanden mehr außer mir. Und er ist der einzige von den Wildcards, der mir geblieben ist. Ich will ihn nicht auch noch verlieren. Das würde ich nicht überstehen.

Ich klammere mich an Dich oder denke ich, damit die Leere in mir zu füllen? Es klappt nicht. Ich kann Dich noch so fest an mich drücken und auch küssen. Es hilft nicht dagegen. Ich fühle mich dazu verpflichtet, dass zu tun und komme mir dabei so falsch vor.

Seit diesem Tag komme ich nicht mehr zur Ruhe. Zu viel in meinem Kopf.
Ich kann nicht mehr. Alles ist so verwirrend. Was ist nur los mit mir?

Meine Gedanken sind bei den Menschen, die mir wichtig sind. Shane, Vanessa, Paul, McQueen, Neil, Cooper, doch sind sie noch bei Dir?

Der Abschied von McQueen. Ich habe ihn noch nie so hilflos gesehen. Er gab mir den Anhänger von uns beiden zurück, den wir ihm letztes Weihnachten geschenkt haben. Wir, die Wildcards.

‚Ich glaube fest an euch‘. Das hast Du gesagt.
Doch glaube ich noch an uns?

Tiefe Blicke, ohne Tiefe. Leidenschaftlicher Kuss, ohne Leidenschaft. Der letzte Blick, Trauer? Wo sind meine Gedanken? Shane, Vanessa, Paul, McQueen, nicht Kylen.

War das zwischen uns noch echt oder einfach nur Gewohnheit? Wir waren so lange ein Paar, doch sind wir es wirklich noch? Sind wir noch verliebt oder nur dankbar, uns nach dieser langen Zeit lebend zu sehen? Ich bin kein verliebter Junge mehr, sondern ein Marine, der seine besten Freunde verloren hat. Der nicht weiß, wie er damit fertig werden soll. Dieser Verlust ist noch schlimmer, als die Nachricht vom Angriff auf Tellus.

War es das ganze auch tatsächlich Wert? Kann ich je wieder so wie früher für Dich empfinden? Ich erkenne meine Kylen nicht mehr? Erkennst Du mich wieder? Haben wir uns zu sehr verändert? Haben wir einfach zu viel durchgemacht? Sind wir neue Menschen geworden? Andere Menschen? Ich spüre tief in mir den Schmerz des Verlustes, aber nicht wegen Kylen, sondern wegen Shane, Vanessa, Paul.

Ich fühle und fühle doch nichts.

Das Leben muss weitergehen, der Kampf muss weitergehen. Ich muss nach meinen Freunden suchen. Sie leben noch oder bilde ich mir das ein? Warum kann ich nicht mehr so fühlen wir zuvor? Warum kann ich nicht einfach sagen ‚Ich liebe Dich‘? Tue ich es nicht mehr? Wenn ja, seit wann? Warum?

Nur Fragen Fragen Fragen.

Ich versuche meine Gedanken zu ordnen, an Dich zu denken, aber sie sind nur beim 58ten. Meine Gedanken, mein Herz, mein Verstand gehören ihnen.

Doch was gehört noch Dir, Kylen? Shane hat einmal gesagt, Du bist mein Glaube. Glaube gleich Liebe? Tausende Fragen gehen mir durch den Kopf.

Kann eine so tiefe Liebe wie unsere überhaupt enden?

Meine schmerzliche Erkenntnis ist. JA!!

Werde ich Dir diesen Brief jemals schicken?
Ich weiß es nicht.

Dein
Nathan

Christine Frieben

Copyright © 1999 Alle Rechte beim Autor. Nachdruck, aus Auszugsweise, Veröffentlichung oder Vervielfältigung jeglicher Natur  ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors erlaubt.  

Die Charaktere und Situationen der Serie "Space: Above & Beyond" wurden von Glen Morgan und James Wong, Fox Broadcasting und Hard Eight Productions kreiert und basieren auf ihren Ideen. Alle Handlungen in dieser Geschichte sind frei erfunden und nur die Charaktere stimmen mit "Space: Above & Beyond" von Glen Morgan und James Wong überein.

Erklärung: Diese Seite ist nicht von FOX Television Broadcasting Corporation, Hard Eight Productions, Glen Morgan oder James Wong autorisiert. Copyright Verletzung ist in keinster Weise beabsichtigt !