Wen juckt’s, es ist ein Film
(Teil 1)

In der Welt der Filme scheinen in vielen Dingen die Gesetze der Logik nicht zu greifen. Vielmehr bauen Filme oft auf völlig hirnrissigen Voraussetzungen auf, die in der Realität undenkbar wären, an die man sich aber so sehr gewöhnt hat, daß man sie direkt vermissen würde. Hier ein kleines Lexikon dieser ungeschriebenen "Regeln":

Computer und elektronische Geräte

  • Textverarbeitungsprogramme zeigen nie einen Cursor.
  • eim Schreiben langer Sätze muß man nie die Leertaste betätigen.
  • Filmhelden machen nie Tippfehler
  • HighTech-Computer, wie die der NASA oder des CIA oder einer anderen Einrichtung der Regierung haben leicht verständliche Graphik-Interfaces.
  • Die wenigen anderen besitzen unglaublich leistungsfähige Textbefehl-Oberflächen, die in der Lage sind, Kommandos in ganz normalem Englisch zu verstehen und auszuführen.
  • Zusatz: Man bekommt jede erdenkliche Information, indem man einfach auf irgendeiner Tastatur die Worte "ACCESS ALL OF THE SECRET FILES" eintippt.
  • Ebenso kann man jeden Computer mit einem zerstörerischen Virus infizieren, indem man einfach "UPLOAD VIRUS" eintippt. (siehe "Fortress", "Independence Day")
  • Alle Computer sind miteinander verbunden. Man bekommt alle gewünschten Daten über den Schreibtischcomputer des Bösewichts, selbst wenn er abgeschaltet ist.
  • Teuere Computer piepen, wenn man eine Taste drückt oder der Bildschirm wechselt. Einige Computer verlangsamen sogar die Bildschirmausgabe, so daß der Text niemals schneller scrollt, als man lesen kann. Die ganz teuren geben dabei sogar den Sound eines Nadeldruckers von sich.
  • Alle Computerschalttafeln haben eine Spannung von mehreren Tausend Volt unter der Verkleidung. Funktionsstörungen machen sich durch helle Blitze, Rauchwolken, sprühende Funken und Explosionen, die einen zurückweichen lassen, bemerkbar.
  • Wenn Leute, die am Computer gearbeitet haben, weggehen, schalten sie ihn aus ohne vorher abzuspeichern.
  • Hacker können in die sensibelsten Computersysteme der Welt eindringen, ohne unterbrochen zu werden. Das Paßwort erraten sie in höchsten zwei Versuchen.
  • Jede Zugriffsverweigerung kann sofort umgangen werden (siehe "Demolition Man" und unzählige andere).
  • Komplexe Berechnungen oder das Laden großer Datenmengen dauert weniger als 2 Sekunden. Modems in Filmen übertragen Daten in der Regel mit einer Geschwindigkeit von 2 Gigabyte in der Sekunde.
  • Wenn das Kraftwerk/die Raketenbasis (oder was auch immer) überhitzt wird, explodieren alle Kontrollpulte und kurz darauf das ganze Gebäude.
  • Wird eine Datei, die man gerade auf dem Bildschirm betrachtet, gelöscht, so verschwindet sie auch vom Bildschirm (siehe z.B. "Das Kartell", "Enthüllung", "Ferris macht blau")
  • Enthält eine Diskette codierte Dateien, so wird man automatisch nach dem Paßwort gefragt, wenn man darauf zugreifen will.
  • Alle Computersysteme sind hundertprozentig kompatibel, so daß man nie Probleme hat, wenn man eine fremde Diskette laden will.
  • Je fortgeschrittener das Equipment ist, desto mehr Knöpfe hat es (siehe "Aliens"). Wie dem auch sei: Die Benutzer solche Systeme brauchen eine gute Ausbildung, da keiner der Knöpfe beschriftet ist.
  • Die meisten Computer, so klein sie auch sein mögen, enthalten echtzeitbezogene, fotografisch genaue Aktivanimation.

Licht

  • Wenn das Licht nicht funktioniert, dann versteckt sich mit Sicherheit irgend jemand in dem Zimmer, der im nächsten Moment den Held oder die Heldin angreift, während er/damit beschäftigt ist, mit der Glühbirne zu wackeln oder wie verrückt den Lichtschalter zu drücken.
  • Wenn man in einem dunklen alten Haus ein Streichholz anzündet, leuchtet es so hell wie eine 1000 Watt-Birne! Manchmal zünden sie damit auch eine Öllampe an, die die Lichtstärke eine Supernova besitzt.
  • Wenn man das Licht ausschaltet, kann man immer noch jedes einzelne Detail in dem Zimmer erkennen, nur daß es jetzt in leicht gedämpften, bläulichen Farben erscheint.
  • Glühbirnen explodieren, wenn:
    - etwas unheimliches passiert;
    - jemand den Sicherungskasten öffnet, das größte Kabel herauszieht und es mit dem übrigen Zeug darin in Kontakt bringt.
  • Wenn mehrere Birnen in eine Reihe geschraubt sind, explodieren sie nacheinander.

Monster

  • Wenn du von einem Monster davonläufst, willst du bestimmt von einem öffentlichen Telefon aus um Hilfe rufen, das keine 5 Meter von dem Ort entfernt ist, an dem du das Monster das letzte Mal gesehen hast.

Alpträume

  • Jede Person, die in einem Film aus einem Alptraum erwacht, setzt sich sofort im Bett auf ("plong!"). Normale Leute wie wir würden wohl eher liegen bleiben und "Puhhh" stöhnen oder sowas.

Medizin

  • Nicht selten ist die beste Methode zur Wiederbelebung, nachdem das Herz zu schlagen aufgehört hat, - vorausgesetzt es wurden schon eine gewisse Zeit ein CPR eingesetzt (diese Elektroschock-Bügeleisen) - folgendes ins Ohr des Patienten zu brüllen:

    "Du bist nie in deinem Leben vor etwas zurückgewichen. Jetzt kämpfe! KÄÄÄÄMPFE!" oder "Das kannst du mir nicht antun! Ich liebe dich doch, gottverdammt!"
  • Vermeide es als Filmfigur unter allen Umständen zu husten! Tust du es doch, stirbst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an Krebs.

Telefone

  • Alle Telefonnummern beginnen mit den Ziffern 555.
  • Leute nennen nie ihren Namen am Telefon und sagen auch nie "Auf Wiederhören!", wenn sie auflegen.
  • Ein läutendes Telefon wird innerhalb von drei Sekunden abgenommen.
  • Laß der Person am anderen Ende der Leitung niemals Zeit, um zu sagen, was sie will.
  • Du mußt niemals eine Telefonnummer nachschlagen.
  • Wenn die Verbindung abreißt oder jemand unerwartet auflegt, kann das Gespräch wiederhergestellt werden, indem man wie verrückt die Gabel drückt und "Hallo? Haaallo?" ruft.
  • Wenn du nachts von einem Anruf aufgeweckt wirst, vergiß nicht, den Hörer ohne hinzusehen runterzuwerfen. Wenn du also auf einen Anruf wartest, vergewissere dich, die Decke ganz über den Kopf zu ziehen, damit das Runterwerfen leichter wird.
  • Zusatz: In jedem Haus steht ein Telefon direkt neben dem Bett.
  • Wenn B aufgelegt hat, hört A sofort das Freizeichen und nicht etwa das Belegtsignal.

Martin Schowanek

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