Ein Marine wird geboren
Er haßte Streit, als Kind hatte er immer versucht zu schlichten.
Er haßte Gewalt. Als Kind kam er oft mit blauen Flecken nach hause, da er sich nicht
wehrte, wenn die anderen auf ihn einschlugen.
Vor allem aber haßte er Krieg. Krieg war ein Extrem geboren aus Streit und Gewalt,
deswegen war Krieg am schlimmsten für ihn.
John ging oft auf Demos gegen den Krieg zwischen Menschen und Chigs. Er war der Meinung, würde die Menschheit den ersten Schritt tun und aufhören die Chigs anzugreifen, könnte man bald friedliche Kompromisse schließen. Schließlich war dieser Krieg ja nur entflammt, da die Menschen den Raum der Chigs verletzt hatten, also mußten wir auch den ersten Schritt tun.
"Die Chigs sind bestimmt auch nur Wesen, die wie wir Menschen
Frieden wollen, und nur angriffen, als sie sich bedroht fühlten." so sagte er oft,
wenn man ihn fragte warum er ständig auf Demos ging und etliche Friedensbewegungen
unterstützte und leitete. Auch mit seinem Bruder, einem Marine mit Haut und Haaren,
diskutierte er oft über dieses Thema. Eine dieser Diskussionen lief einmal
folgendermaßen ab.
"John, sieh es endlich ein. Die Chigs sind bösartig. Sie töten, nur um zu töten,
nicht um ihr Territorium zu schützen."
"Aber wir Menschen sind in ihr Territorium eingedrungen, also im Prinzip selbst
Schuld daran, daß sie uns angreifen mußten."
"Das ist Quatsch! Wir haben über ein Jahrhundert versucht Kontakt zu fremden Rassen
zu bekommen, und die Chigs haben uns bestimmt bemerkt. Sie hätten nur was sagen brauchen
und wir hätten die Finger von ihrem Gebiet gelassen. Aber nein, sie ließen uns ins
Messer laufen und haben hunderte von unbewaffneten Zivilisten getötet. Und dann sag du
mir, sie sind liebe Wesen, die nur ihr Land verteidigen wollen. Warum glaubst du arbeiten
die mit den A.I.s zusammen? Weil sie uns vernichten wollen, ganz einfach! Du
riskierst nicht da draußen dein Leben und siehst deine Kameraden neben dir zu hunderten
sterben!"
John haßte diese Ausbrüche seines Bruders. Es war ihm klar, daß dieser auf den Schlachtfeldern schreckliches durchmachen mußte, aber John war der Meinung, er sei es selber schuld. Erstens hätte er nicht zum Militär gehen müssen, und zum zweitens könnte er ja versuchen ohne Waffen Frieden zu schaffen, so wie John selbst.
Eines Tages nun war John mit seiner kleinen Schwester Lydia unterwegs zum Mond. Sie wollten dort eine Woche Urlaub machen, und auch an ein paar Friedensdemos teilnehmen. John liebte seine Schwester abgöttisch. Seit seine Eltern gestorben war kümmerte er sich um die sechs Jahre Jüngere. Gerade dreizehn geworden hatte diese den Kopf noch voller Träume, und John wollte auf seine Art dafür kämpfen, daß sie in einer sicheren friedlichen Welt die Möglichkeiten finden würde, diese auch zu verwirklichen.
Auf einmal kam über den Lautsprecher die Durchsage die Passagiere sollen sich bitte hin- setzen und anschnallen, man hätte einige technische Schwierigkeiten, und im selben Moment wurde John durch die Explosion, mit Lydia im Arm, in eine tiefe Ohnmacht gerissen.
Als er die Augen wieder öffnete befand er sich nicht mehr auf dem
Frachtschiff, das war ihm klar, aber wo er war, daß konnte er auch nicht sagen. Als er
sich umsah erkannte er einige Gesichter wieder, die auch auf dem Schiff waren, aber es
waren auch einige Marines darunter, wie er an den Uniformen erkennen konnte. Auf allen
Gesichtern jedoch stand das Gleiche geschrieben: Schmerz und Angst.
Er erkannte auch bald den Grund dafür. Vor den Gitterstäben der Kerkerzelle, in der er
sich befand, ging ein A.I. auf und ab. Plötzlich spürte er eine Bewegung an seinem Arm,
offensichtlich war auch Lydia aufgewacht. Durch die Geste, daß er immer noch mit Lydia
zusammen war, fühlte er sich voll und ganz bestätigt; die Chigs hatten ein Herz, sonst
hätten sie sie ja schon voneinander getrennt, ohne irgendeine Rücksicht zu nehmen.
Lydia fing an zu weinen, das einzige Geräusch, das man hörte.
"Sei still Kleine oder willst du uns alle umbringen?" hörte John von irgendwo
hinter sich.
"Ja, halt endlich die Klappe" bekam die Stimme von irgendwoher Zustimmung.
"Mein Gott, sie hat Angst, regt euch nicht so auf, man wird euch schon nicht
umbringen deswegen" schaltete sich John jetzt ein.
"Na, daß werden wir ja sehen, da kommt der Oberaufseher" wurde jetzt John noch
zugeraunt und dann war wieder bis auf Lydias Schluchzen nichts zu hören.
John sah daraufhin zum Gitter und seinen ersten Chig. Er war von der Größe erstaunt und
gleichzeitig fasziniert von der schwarzen Rüstung, die den Chig richtig majestätisch
aussehen ließ.
Der Chig und A.I. tauschten sich offensichtlich über irgend etwas aus,
was, das konnte John aber nicht verstehen konnte. Der A.I. drehte sich auf einmal um und
blickte auf Lydia. Dann sagte er, wobei auf sie mit dem Finger, deutete:
"Du, sei still oder du wirst eliminiert"
Lydia bekam nur noch mehr Angst und weinte um so schlimmer.
"Sie kann doch nichts dafür" schrie John.
"Schweig, mit dir hat keiner geredet" sagte der A.I. noch, während er schon mit
einem zweiten dabei war die, sich heftig wehrende und schreiende, Lydia aus dem Kerker zu
ziehen. Als John versuchte die A.I.s von seiner Schwester zu trennen, wurde er nur
unsanft gegen eine Wand geschleudert. Er rappelte sich wieder auf und schrie die anderen
um Hilfe an, doch alle schauten nur zu Boden und taten nichts. Als John endlich die
Gittertür erreicht hatte, war es zu spät, sie war schon hinter seiner Schwester ins
Schloß gefallen. John schrie und die Tränen rannen ihm von den Wangen, als er jetzt sah
wie man Lydia zwang sich mit dem Gesicht zur Wand hinzuknien. Alles zerren und rütteln an
der Tür half nicht, der Chig drückte jetzt trotzdem den Lauf seiner Waffe an Lydias
Hinterkopf.
In dem Moment als John den Schuß hörte und seine Schwester auf den Boden sinken sah, starb jedes Gefühl in ihm ab, außer einem unendlichen Schmerz. Er hörte auf zu schreien und zu weinen; er fiel nur auf die Knie und beobachtete wie die Blutlache um den Körper seiner geliebten Schwester immer größer wurde.
Eine halbe Stunde später wurde das Lager von Marines befreit.
Er haßte das Leben. Als Marine ging er immer größere Risiken ein, weil er keinen Grund zum Leben hatte. Er haßte den Schmerz, der ihn immer wieder daran erinnerte, daß er noch lebte. Aber vor allem haßte er die Chigs. Die Chigs, die für seinen Schmerz verantwortlich waren. Jetzt war es das Schlimmste für ihn, noch einen Chig am Leben zu wissen.
Gabriele Hofmann
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Die Charaktere
und Situationen der Serie "Space: Above & Beyond" wurden von Glen
Morgan und James Wong, Fox Broadcasting und Hard Eight Productions kreiert und
basieren auf ihren Ideen. Alle Handlungen in dieser Geschichte sind frei
erfunden und nur die Charaktere stimmen mit "Space: Above & Beyond"
von Glen Morgan und James Wong überein.
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