Geburtstag am Himmel

Heute war es wieder so weit. Der 21. April. McQueen wußte immer noch nicht, ob er diesen Tag feiern oder aber ihn verfluchen sollte. Eigentlich feierte er ihn nie. Außer als er noch verheiratet war. Seine Frau hatte ihm jedes Jahr dasselbe geschenkt. Ein paar graue Socken und einen passenden Schal dazu. Wozu eigentlich? McQueen hatte sich noch nie erkältet. Er brauchte so etwas nicht. Aber er bekam es. Jedes Jahr aufs neue. An so einem Tag kamen immer Erinnerungen in ihm hoch. An die vergangen Geburtstage und an die kommenden. Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellte sich McQueen schon lange nicht mehr. Jemand hatte für ihn die Antwort schon gefunden. Das Corps. Er war Lieutenant Colonel. Der Sinn seines Lebens bestand darin, dem Corps bis zum bitteren Ende zu dienen. Im Inneren war er froh, daß er diese Entscheidung getroffen hat. Was sollte er auch sonst tun? InVitros hatten doch nirgends eine Chance. Sie wurden "geboren" um im Kampf für ihr geliebtes Vaterland zu sterben. Ohne Verwandte kommen und ohne Verwandte gehen. Was blieb waren Freunde, Kameraden, wenn es gute waren.

Sein Geburtstag. McQueen hatte mit aller Macht versucht, es geheim zu halten. Aber bei Commodore Ross unmöglich. Vielleicht eine Überraschungsparty vom 58. Wenn man es eine Party nennen konnte. Immerhin gab es auf der Saratoga nicht viel, was zum Feiern taugt. Es war 6 Uhr. McQueen ging auf Umwegen zur Kantine, damit er ja niemanden vom 58. Traf oder gar den Commodore. Aber ihm begegnete niemand. Nicht ein laut war zu hören. Nicht einmal die Triebwerke der Saratoga, die sonst mir einem eintönigen Summen ihren Dienst taten. Absolut nichts. McQueens Nackenhaare richteten sich auf. Irgend etwas störte ihn ganz gewaltig an dieser Ruhe. Er ging zur Brücke. Nichts. Nur die Bildschirme und Kontrollanzeigen flackerten lautlos. Hier stimmte etwas nicht. Auch wenn die Saratoga vor Anker lag (Was McQueen nicht vermutete, sonst hätte es der Commodore ihm gesagt), müßten hier laut Vorschrift mindestens die Stammbesatzung anwesend sein.

McQueen blieb stehen und lauschte. Der Commodore hatte sich letztens eine Erkältung eingefangen uns so laut genießt, daß das ganze Schiff dadurch dröhnte. Und das alle 5 Minuten. Pünktlich wie ein Uhrwerk. McQueen wartete 10 bis 15 Minuten. Nichts. Nicht einmal ein Husten. Er ging weiter zur Fun Tavern. Ebenfalls nichts. Kein Barkeeper. Nicht einmal Lieutenant Wilson, der sonst um diese Zeit irgendwo betrunken auf einem Stuhl saß. Nicht einmal die Jukebox war an. Also weiter zu den Startrampen. Alle Raumfähren waren da. Auch von den Hammerheadcockpits fehlte keines.

Merkwürdig.

Weiter zum Quartier der Wild Cards. Nichts. Die Betten waren unberührt oder aber auch frisch gemacht. McQueen kämpfte lange mit sich, doch endlich öffnete er entschlossen den Schrank von Lieutenant Hawkes. Leer. Keine Uniform. War der Krieg zu Ende und es hatte ihm keiner gesagt? Er drehte sich zu dem Bett von West. Unmöglich! West würde niemals die Fotos von sich und Kylen auf der Saratoga zurück lassen. Also gut, dann auf zum Quartier des Commodore. Er klopfte an. Es antwortete niemand. Er öffnete die Tür und sah sich um. Die geliebte Gitarre von Ross war verschwunden. McQueens Gehirn arbeitete. >War gestern irgend etwas ungewöhnliches passiert? Soweit nur eine verschlüsselte Nachricht.< Und er erinnerte sich an eine riesige Kiste, die man in Frachtraum 4 untergebracht hatte. Sie war ohne Kennzeichnung gewesen. Nur an einen Lieutenant Knight adressiert, den es hier auf der Saratoga nicht gab. "Eine Falle" schoß es McQueen durch den Kopf. >Vielleicht Silikanten? Sie mußten die Kiste wie ein trojanisches Pferd benutzt haben. Und als alle schliefen...< Also auf zu Frachtraum 4. Auf dem Weg dorthin entdeckte McQueen eine dunkelrote Flüssigkeit, die dem Blut sehr ähnelte. Aber er hatte keine Zeit diese zu untersuchen. Direkt zum besagten Frachtraum führte die Spur. McQueen klinkte und... Verschlossen. Mist. Er gab seinen Sicherheitscode ein. Aber der Computer reagierte nicht. Also Sicherheitsstufe 3. Warum? Er hatte nur eine 2. Ihm war also der Zugang verwehrt. Er legte sein Ohr an das kalte Metall und lauschte. War da nicht etwas, ein Schleifen über den Boden? Vermutlich etwas ziemlich großes. Die Kiste! Er mußte für ihn doch eine Möglichkeit geben, dort hinein zu kommen. Nur eines hinderte ihn daran. Sein knurrender Magen. Zurück in der Kantine saß M grübelnd über dem schon kalten Rührei. >Wenn es ein Angriff der Silikanten war, warum wurde er dann verschont?< McQueen wurde langsam unruhig. So etwas hatte er noch nie erlebt. Eine komplett verschwundene Mannschaft, Blut auf der Frachtrampe und ein hoch gesicherter Frachtraum mit einer geheimnisvollen Kiste. Er stand auf und leerte seinen Teller über dem Müllverwerter. Zufällig schweifte sein Blick zum Fenster. Ein blauer

Planet. Der Erde sehr ähnlich, fast schon zu ähnlich. M hastete zur Brücke. Er drückte ein paar tasten und auf dem Bildschirm erschien die genaue Position der Saratoga. Tatsächlich. Aber wie war das möglich? Erdrückte wieder ein paar tasten um die Flugroute der Saratoga zurückzuverfolgen zu können. Doch der Bildschirm blieb schwarz. Was war jetzt wieder los? Natürlich. Sicherheitsstufe 3. M ging in sein Quartier zurück um seine Kampfausrüstung zu holen. Auf dem Bett stand ein Geschenk. Mit buntem Schleifenband umwickelt. Für M ein Rätsel. Man hörte hier jeden Schritt auf dem Metall. ES konnte niemand ungehört in sein Quartier gelangen. Es sein denn... M sah nach oben. Natürlich die Luftschächte. Aber zuvor kribbelte es ihm doch in den Fingern. Er mußte wissen, was in diesem Paket war. Eine Bombe? Er öffnete es vorsichtig. Und es war eine Bombe. Und was für eine. So etwas hatte er nur in einem Museum des Zwanzigsten Jahrhunderts gesehen. Doch nun lag sie direkt vor ihm. Eine Fliegermontur aus dem 2. WK. Ein Original und sie paßte. Plötzlich knallte eine Tür. M vermutete Frachtraum 4. Geduckt, die Waffe im Anschlag, immer noch in der alten Fliegermontur steckend, schlich er vorwärts. Bis an die geheimnisvolle, verschlossenen Tür. Wieder klinkte er und...

Diesmal ging sie auf. Der Raum dahinter lag im Dunkeln. Dann ein Kichern. War das Damphousse? Irgend etwas hing ihm ins Gesicht. >Kabel? Nein, viel zu leicht. Papierschlangen?< Plötzlich begann vor ihm leise eine Gitarre zu spielen. >Ross?!!!<

Plötzlich ging das Licht an. Ein ohrenbetäubendes "HAPPY BIRTHDAY COLONEL MCQUEEN" erklang von allen Seiten. Die gesamte Besatzung der Saratoga hatte sich in dem riesigen Frachtraum versammelt. Er stand unter einem mit riesigen, mit Tüchern behängten Etwas. Ein Flugzeug. Die vermeintliche Luftschlange entpuppte sich als eine Schnur, die von dem verhüllten etwas herunter hing. Vor ihm saß Commodore Ross auf einem Stuhl und grinste ihn verschmitzt an. "Happy Birthday, Ty. Du hättest mal dein Gesicht sehen sollen. Ich glaube mit dem bist du in die Geschichte eingegangen, he." Hinter ihm stand vollzählig das 58. Und grinste ihn an. "Ich wette das Gesicht macht ihnen so schnell keiner nach, Sir." "Das will ich hoffen, Wang." "Wie ich sehe, hast Du unser aller Geschenk schon gefunden. Ich wußte doch, daß du die Finger nicht davon lassen kannst, Ty." "Was hat das alles zu bedeuten Glen? Da draußen ist die Erde. Und was ist das hier?" M zeigte mit dem Finger nach oben. "Kannst Du dich noch an die Nachricht erinnern, Ty? Die von gestern??" "Ja, bei der Sie mich hinausgeschickt haben." "Genau die. Deren Inhalt war, daß sich das Wurmloch genau zur angegebenen Zeit öffnen würde und das wir die Erlaubnis haben, hindurch zu fliegen." "Aber wir können doch nicht einfach..." "Doch wir können, Ty. Helios ist gefallen. Die Saratoga hätte sowieso hierher gemußt. Wegen der Reparaturen an der Backbordseite. Da kam uns das Wurmloch gerade recht. Und das da erklärt dir am besten die Besitzerin. Lieutenant Knight?" "Ja, Sir." Eine hochgewachsenen Frau löst sich aus der Menge. "Herzlichen Glückwunsch, Sir.

Ähm... Worunter Sie gerade stehen ist eine Messerschmitt BF 109 aus dem 2. Weltkrieg. Sie gehörte meinem Großvater. Als Commodore Ross davon hörte, bat er mich, sie herzubringen. Ich hatte sie gerade von einer Ausstellung auf der MacArthur abgeholt. Und da sie die passenden Sachen schon anhaben, biete ich ihnen an, mit mir ein paar Runden zu drehen, auf der Erde natürlich." M Augen fingen an zu leuchten, wie bei einem kleinen Kind, das man ein Eis versprochen hat. Das einzige Wort, das über seinen Lippen kam, war "WANN"? "Nanana, Ty. Erst muß die Saratoga ins Trockendock. Dann verläßt dieses Flugzeug das Schiff. Bis dahin kannst Du dich ja an seinem Anblick erfreuen. Und nun zieh endlich am Schnürchen." M zog, es machte "Ritsch" und vor ihm stand ein dunkelgrünes Flugzeug aus dem Jahre 1941. Sehr gut erhalten und gepflegt wie er fand. Commodore Ross wandte sich an den Lieutenant und sagte: "Ich glaube, wir müssen hier sein Bettchen aufbauen. Ich wette er verläßt den Raum bis zum Flug nicht mehr."

Außerdem hatte der Lieutenant eine riesige Sahnetorte mitgebracht. Um die schlich der Colonel genauso wie um die BF 109.

Die Party dauerte bis spät in die Nacht. Alle amüsierten sich prächtig.

Jetzt hielten sich nur noch zwei Personen im Raum auf: Colonel McQueen und Lieutenant Knight. Sie war zwar müde, aber trotzdem erklärte sie McQueen jeden Knopf an dem Flugzeug mit Ausdauer und Begeisterung.

Endlich war der große Tag gekommen. Die BF 109 stand auf der Landebahn des berüchtigten Ausbildungsplatzes in Loxley, Alabama, wo alles begonnen hatte. Das Emblem der Angry Angels prangte noch immer an fast jeder Baracke. Aber der Colonel hatte nur noch Augen für das betagte Flugzeug.

Endlich stiegen sie ein. Man mußte sich regelrecht hinein quetschen. Es war nicht so geräumig, wie das Cockpit eines Hammerheads, aber dafür ein unbeschreibliches Gefühl. Man dachte, die Vergangenheit sein wieder zum Leben erwacht. M fühlte sich wie ein Soldat aus jener Zeit. Jung und unbesiegbar.

Lt. Knight zog den Starthebel und der Propeller sprang an. Es war laut und ungewohnt. Dennoch durchströmte M, angesichts der Motorgeräusche, ein Gefühl von Kraft und Stärke.

Es ging auf die Landebahn, den Motor voll aufdrehen, den Steuerknüppel nach hinten ziehen und schon hob das Flugzeug mühelos vom Boden ab.

Der Krieg mit den Chigs war vergessen, jetzt war man im 2. Weltkrieg. McQueen genoß die Aussicht.

Die Stimme des Lt. Riß ihn jedoch aus seinen Gedanken. "Colonel, Sie sind der ranghöchste Offizier an Bord. Ich übergebe das ihnen jetzt das Kommando." Damit ließ sie den Steuerknüppel los. Sofort sackte das Flugzeug mit der Nase zuerst nach unten. "Nehmen sie den Steuerknüppel in die Hand und ziehen sie ihn langsam, langsam nach hinten. Denken sie daran, dies hier ist keine F-14, sie reagiert nicht sofort. Sie brauchen mehr Kraft. Sie hat fast noch keine Hydraulik. Sir, Sie müßten sich beeilen, sonst pflügen wir den Stützpunkt. McQueen fühlte sich wie ein Flugschüler bei seiner ersten Flugstunde, aber was sollte er tun? Er kannte dieses Flugzeug nicht so gut wie einen Hammerhead.

McQueen griff den Steuerknüppel und spürte die Kraft des Motors. Er befolgte genau die Anweisungen. Kurz vor dem Boden zog das Flugzeug gerade noch die Kurve. Langsam stieg das Flugzeug wieder auf eine normale Höhe. Die Anstrengungen und Ängste der letzten Monate waren vergessen. McQueen fühlte sich frei.

"Na Colonel, wie gefällt es ihnen? Fühlen sie sich wie H. J. Marseille?" Aber McQueen hörte sie nicht mehr. Er war verbunden mit dem Flugzeug und so mit der Vergangenheit. Der Lt. Drehte sich um und sah in die verträumten Augen des Lt. Colonels. Sie sah lächelnd wieder nach vorne.

McQueen war weit weg. Am selben Ort, aber in einer anderen Zeit.

Die Maschine dröhnte und die Maschine flog majestätisch der untergehenden Sonne entgegen.

Nicole Lehmann

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Die Charaktere und Situationen der Serie "Space: Above & Beyond" wurden von Glen Morgan und James Wong, Fox Broadcasting und Hard Eight Productions kreiert und basieren auf ihren Ideen. Alle Handlungen in dieser Geschichte sind frei erfunden und nur die Charaktere stimmen mit "Space: Above & Beyond" von Glen Morgan und James Wong überein.

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