Ein Weihnachtsgeschenk

Was ist das ?" fragte der junge Navy-Lieutenant und sah den Commodore verwirrt an.
"Ich höre überhaupt nichts. Was meinen Sie, Lieutenant ?"
"Entschuldigung, sir." Der Lieutenant schloß seinen Kommunikator an den Lautsprecher der Kommandobrücke an.
"Hört sich an wie ein Morsecode, aber unvollständig!"
"Das hatten wir doch schon letztes Jahr. Es war, glaube ich, ein Satellit, der uns dieNachricht übermittelt hat, dass das 58te noch am Leben ist und wo es sich befindet."

Colonel McQueen war auf der Brücke erschienen.
"Aber wir vermissen keine Staffel und es haben auch keine Kämpfe in dieser Region stattgefunden, sir." McQueen sah den Commodore an.
"Vielleicht wollen uns die Chigs Frohe Weihnachten wünschen. Könnten Sie es entziffern, Lieutenant ?"
"Nein, sir. Aber es muß sich in zehn Minuten wiederholen."
'Was macht Sie da so sicher, Lieutenant?" Der Commodore sah ihn fragend an.
"Nun ja. Ich hatte vor zehn Minuten schon einmal so eine Störung, sir."
'Warum haben Sie das nicht gemeldet?"
"Ich war mir nicht sicher, sir."
"Sie waren sich nicht sicher? Sie wissen doch, dass Sie jede Anomalie zu meiden haben, wir sind im Krieg. Das heißt, dass jedes nicht beachtete Ereignis verheerende Folgen haben kann!"
"Tut mit leid, sir."
"Da ist es wieder." McQueen griff nach einem Stift und kritzelte Buchstaben auf ein Blatt Papier.
"Also, Colonel, was ist es ?"
"Ich weiß es nicht. Die Worte ergeben keinen Sinn."
"Haben Sie das gehört, sir? Klang wie der Rhythmus eines Liedes!"
"Vielleicht singen uns die Chigs ja Weihnachtslieder."
"Kommt mir auch so vor." Colonel McQueen starrte auf das Blatt, das vor ihm lag.
"Ich habe es."
"Na los, Ty. Was ist es?"
"Der Lieutenant hat vielleicht Recht. Es ist ein Weihnachtslied, eins von uns. 'Jingle Bells' oder so. Aber da war noch irgendwas anderes, mehr im Hintergrund. Wie zwei Funksprüche, die sich überlagern. Lieutenant, versuchen Sie beim nächsten Mal, den Hintergrund herauszufiltern!" "Da ist es wieder."
"Haben Sie was, Colonel?"
Der Commodore lief nervös hin und her. McQueen drehte sich langsam zu ihm um. "Es ist ein Angebot von den Chigs, sir."
'Was denn für eins, Colonel. Spannen Sie mich nicht auf die Folter. Raus mit der Sprache!"
"Sie bieten die Siedler von Tellus, sir."
"Eine Art Friedensangebot? Von den Chigs ?"
"Nein, Commodore. Sie verlangen keine Gegenleistungen. Nur die Siedler."
"Ein Weihnachtsgeschenk von den Chigs wie letztes Jahr? Sicherlich eine Falle."
"Glen, das haben Sie damals auch gesagt und es war keine."
'Ty, wie können Sie sicher sein, dass es jetzt keine ist ?"
"Sir, ich schlage vor, eine Nachricht zurückzusenden. Ebenfalls verschlüsselt in einem Lied."
"Ach ja und in weichem? Leise rieselt der Schnee vielleicht? McQueen, seien Sie nicht so leichtgläubig!"
"Sir, es ist doch einen Versuch wert. Was haben wir denn zu verlieren?"
"Colonel, warum glauben Sie so fest daran, dass es keine Falle ist ?"
"Es ist wegen einer Siedlerin. Kylen Celina, sir."
"West, hm. Schon gut. Versuchen wir es. Aber warum schicken die Chigs ihre Nachricht verschlüsselt?"
"Sir," der Lieutenant trat näher an den Commodore heran, "vielleicht ist es ein abtrünniger Chig ?"
"Das glauben Sie ja wohl selbst nicht!" Der Commodore sah ihn ungläubig an.
"Das wäre aber gut möglich. Im zweiten Weltkrieg hat ein deutscher"
"Schon gut, Colonel. Sie haben mich überzeugt. Machen Sie die Nachricht fertig und senden Sie sie alle zehn Minuten! Und achten Sie auf Antwort! Ich bin in meinem Quartier. Ich bin müde."
"Aye, aye, sir." McQueen sah ihm schmunzelnd nach. Er wußte genau, dass der Commodore sich nicht hinlegen würde, dafür war die Sache viel zu spannend. Nein, er würde sich mit einem Glas Scotch ans Fenster stellen und darauf warten, dass McQueen ihm eine gute Nachricht übermittelte. Seit kurzem lehnte es der Commodore ab, bei nervenaufreibenden Sachen dabei zu sein. Obwohl der ganze Krieg so war. Vielleicht hatte der Commodore Angst, ein Magengeschwür zu kriegen.

 

Eine Stunde später kam die Antwort. Sie enthielt die Namen der Siedler, einen Treffpunkt, wo man sie abholen konnte und die Zusicherung, dass es keinen Angriff der Chigs geben wird.
"Und was machen wir jetzt, Ty?" So schnell war der Commodore noch nie auf der Brücke gewesen. "Ich glaube immer noch, dass es eine Falle ist."
"Commodore, der Planet ist neutral. Er liegt außerhalb des Chigterritoriums. Außer dem meldet der Geheimdienst, dass es in letzter Zeit keine Truppenbewegungen dorthin gegeben hat. Schicken Sie eine Staffel und eine Raumfähre hin, sir."
"Ty .."
"Sir, ich bin mir ganz sicher."
"In Ordnung, nur eine. Und sollten sie auf feindliche Jäger treffen, machen sie sofort kehrt. Haben Sie mich verstanden?"
"Aye, aye, sir. Danke, Glen."

Colonel McQueen stand am Aussichtsfenster und sah der davonfliegenden Raumfähre nach. Er sah sich die Liste an. Ein Name fiel ihm auf, den er kannte: Kylen Celina.

Nathan lag auf seinem Bett und starrte an die Decke. Wieder war es Weihnachten und wieder würde er es ohne Kylen verbringen. Sie war irgendwo da draußen. Irgendwo in Gefangenschaft der Chigs.

Colonel McQueen, der soeben das Quartier betrat, riß ihn aus einen Gedanken. 'West, ich möchte Ihnen keine Hoffnung machen, nicht direkt. Seit zwei Stunden haben wir Kontakt zu einem Chig. Er bietet uns die Siedler von Tellus an. Wir wissen nicht, ob es sich dabei um eine Falle handelt oder ob er es ernst meint. Der Commodore hat eine Fahre und eine Staffel losgeschickt, um das zu überprüfen. West, ich hoffe sehr für Sie, dass es keine ist. Denn ich habe in den letzten zwei Jahren gesehen, wie sehr Sie diese Frau lieben und dafür bewundere ich Sie."

'Wir nähern uns dem Planeten. Bis jetzt keine Anzeichen von Chigs. Hoffentlich bleibt das so." In Ordnung. Bleiben Sie trotzdem weiter wachsam."

Commodore Ross sah besorgt auf den Radarschirm. "Ich traue dem nicht. Aber vielleicht ist es schon zu lange her und man ist es nicht mehr gewohnt."
'Wir landen jetzt. Noch immer kein Feindkontakt. Scheint alles so zu sein, wie der Chig es gesagt hat."
"Okay, wir bleiben in der Umlaufbahn und geben euch Rückendeckung."

Zehn Minuten später entfernten sich die Hammerheads und die Raumfähre von dem Planeten.
"Hier Santa Claus. Haben Geschenke an Bord und kehren zur Saratoga zurück.Ankunft in 30 Minuten."

Nathan konnte schon seit drei Stunden nicht mehr ruhig sitzen. "Mensch, Nathan, du rennst ja noch den Metallboden durch."
Shane sah ihn freundlich an und lächelte.
1ch weiß, du hast jetzt andere Dinge im Kopf, aber was ist, wenn Kylen wirklich dabei ist und sie es schaffen, sie herauszubringen? Hast du ein Weihnachtsgeschenk für sie ?"

Nathan drehte sich langsam um. In seinen Augen schimmerte die Hoffnung.
"Ja, ich habe ein Geschenk für sie." Er holte eine kleine Schachtel aus seiner Hosentasche. "Ich wollte es ihr eigentlich auf Tellus geben, wenn wir die Sonne von Minerva untergehen sehen. Es ist ein Verlobungsring." Nathan gab Shane das Kästchen.
"Nathan, der ist ja wunderschön."
Wenn ich daran denke, dass sie ihn jetzt tragen würde. Hätte ich doch"
"Nathan, du kannst es nicht mehr ändern. Es ist vorbei. Aber du hast jetzt die Chance, ihn ihr zu geben und nur das ist jetzt wichtig. Hör' auf, dir Schuldgefühle einzureden. Sieh'es doch mal so, nun wißt ihr, dass eure Liebe ein Leben lang halten wird."
Nathan lächelte und schaute nervös aus dem Fenster.

"Landeplattform vier ist frei. Sie können dort landen."
"Danke, Saratoga."
"McQueen an Wildcards. West, sie sind da. Plattform vier. - Und, West - viel Glück."

Nathan betrat aufgeregt die Luftschleuse. Ihm kamen Menschen in stinkenden, zerrissenen Kleidern und dreckigen Gesichtern entgegen. Aber ihre Augen leuchteten und man sah ihnen an, dass sie wieder Hoffnung hatten. Nathan drängte sich an ihnen vorbei, wollte so schnell wie nur möglich ins Innere der Fähre gelangen.

Und dann kam der Augenblick, auf den er so lange und sehnsüchtig gewartet hatte. Am Ende des Raumes saßen zwei Frauen und hielten sich aneinander fest. Sie sahen so aus, als würden sie es nicht glauben, dass jetzt alles vorbei war. Nathan trat langsam zu ihnen und hob den Kopf der einen Frau sanft an. Er erkannte sie sofort, trotz des vielen Drecks und der Schnittwunden im Gesicht. Leise und liebevoll flüsterte er, "Kylen." Sie sah ihn ungläubig an. Doch dann wurden ihre Augen groß. Mit schwacher Stimme fragte sie.- "Nathan, bist du das7' Er zog sie an sich. "Ja, Kylen. Ich bin es... Ich liebe dich." Für Nathan war heute, an Weihnachten, dem Fest der Liebe und der Hoffnung ein Traum in Erfüllung gegangen, den er seit zwei Jahren tagtäglich träumte: Seine Kylen im Arm zu halten.

Nicole Lehmann

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