Krieg, Gefühle und andere Kleinigkeiten

(1.Teil)

Col. McQueen und Commodore Ross waren mal wieder voll in eine Debatte vertieft. Die Crew sollte ein neues Mitglied bekommen. Wäre ja im Krieg nichts ungewöhnliches, aber ausgerechnet McQueen war alles andere als begeistert.

"Ty, ich bin genauso wenig wie du begeistert über das neue Besatzungsmitglied, aber Befehl ist nun mal Befehl. Zudem kam der Befehl von ganz oben."
"Sir, für was brauchen wir einen Bordcounselor?" Ty, schaute seinen Vorgesetzten ungläubig an.
"Damit das ein für allemal klar ist Col. McQueen, der Befehl kam von ganz oben und er lautet, das jedes Trägerschiff einen Bordcounselor bekommt. Er untersteht den kommandierenden Offizier des jeweiligen Schiffes."
Der Commodore hasste diese Grundsatzdebatten mit Ty. Warum in aller Welt führt er sich nur so auf? Das Verhalten legte er eigentlich nur an den Tag, wenn es um seine Wildcards ging.

Ty McQueen ging langsam wieder zurück zur Brücke. Seine Gedanken wollten nicht zur Ruhe kommen. Er hatte die Personalakte des Counselors gelesen. Er hatte wahrlich schon genug Scherereien mit Hawkes und West. Die beiden gerieten öfters aneinander als ihm lieb war. Auch wenn sich die beiden langsam akzeptierten und das nicht mehr so oft vorkam, im reichte es aus. Er hatte so eine Vorahnung und keine gute.

Zwei Tage später waren Ross und McQueen auf den Weg zur Landebucht, da der Transporter, der den Counselor zur Saratoga brachte, gerade landete. Mit einem lauten Zischen ging die Ladeluke auf und als erstes sprangen zwei Soldaten aus dem Transporter. Danach folgte eine Person, eigenartiger Weise in Handschellen und wenig gepflegt. Links und rechts standen dann ebenfalls zwei Soldaten.

"Lt. warum ist diese Person in Handschellen und wo ist der Counselor?" Glen van Ross schaute nicht gerade freundlich und er fragte sich, was das alles zu bedeuten hatte.
"Sir, das ist der Bordcounselor!" Bevor der Lt. weiter redete, schluckte er noch mal. Er schien sich nicht unbedingt wohl in seiner Haut zu fühlen.
"Col. Jenkins meinte, wir sollten zur unser aller Sicherheit den Counselor in Handschellen abliefern."
Der Commodore sah McQueen an und sah seinen "ich hatte sie ja gewarnt" Blick. "Nehmen Sie den Counselor sofort die Handschellen ab, Lt. das ist ein Befehl!"

Jetzt kam auch langsam Leben in die Gestalt und Valerie Malone hob den Kopf. Blaue Augen schauten trotzig Col. T. C. McQueen an. Der Lt. nahm die Schlüssel und machte die Handschellen auf. Ein Klicken und die Frau war nicht länger eine Gefangene. Was danach kam, ging so schnell dass die Anwesenden es erst registrierten, als es schon fast zu spät war.

Eine Furie konnte nicht schlimmer sein, dachte noch McQueen als die Frau die Soldaten schon ausgeschaltet hatte und sich dran machte den Commodore und ihn auf das Korn zu nehmen. Sie war eine Nahkampfexpertin und jetzt bekam er es zu spüren. Erst ein gezielter Tritt in die Magengegend und ein linker Haken reichten aus, um ihn in das Reich der Träume zu schicken.

Der Commodore hatte inzwischen einen Sicherheitstrupp verständigt. Aber bis dahin musste er die Frau in Schach halten. Aus den Augenwinkeln bekam er noch mit wie Ty zu Boden ging. Katzengleich kam Valerie Malone auf Ross zu. Sie hatte das Messer von Ty und attackierte ihn damit.

"Geben Sie auf Valerie, Sie haben keine Chance!" Valerie sah das anders und war auch schon auf dem Weg aus der Ladebucht. Sekunden später traf der Sicherheitstrupp ein. Mittlerweile war Eindringlingsalarm am Bord der Saratoga gegeben worden, aber es dauerte eine Stunde bis die Sicherheitstrupps sie aufgestöbert hatten. "Keine Gewaltanwendung, wenn möglich hatte der Commodore gesagt." McQueen war wieder auf dem Damm, zwar mit einen Brummschädel und Magenschmerzen aber das Biest würde dafür bezahlen, das hatte er sich geschworen. So ist noch keine Frau mit ihm umgegangen.

Valerie war langsam am Ende, sie hetzten sie wie ein wildes Tier. Sie kam bei den Flugdecks auf dem die Hammerheads standen raus. Eine Fliegerkombi brauchte sie jetzt noch und dann nichts wie runter von diesen Schiff.
Sie hatte aber die Rechnung ohne den Col. gemacht. Eine dunkle Gestalt schälte sich aus der Ecke und versperrte ihr den Weg.

"Wohin so schnell Mrs. Malone?" Sie stoppte im Lauf und schaute ihn an. Panik und Angst aber auch Trotz waren in ihren Augen zu sehen. "Sie sind seit heute auf diesem Träger stationiert, ob es Ihnen gefällt oder nicht! Haben Sie vor, Fahnenflucht zu begehen?"

Sein Gesicht war wie Eis und seine Stimme duldete keinen Widerspruch. Das wusste Valerie. Aber aufgeben so kurz vor dem Ziel? Die Sicherheitstrupps waren schon auf dem Flugdeck postiert. An die kam sie, die nur mit einen Messer bewaffnet war, nicht vorbei. Valerie war keine Selbstmörderin.

Commodore Ross wurde verständigt und befand sich auf dem Weg zum Flugdeck.

"Mrs. Malone, Sie sind uns eine Erklärung schuldig!" Sie dachte gar nicht daran, ihm was zu sagen. Aber auf der anderen Seite hätten die Sicherheitstrupps sie schon längst überwältigen können.
Der Col. wartete auf eine Antwort.
"Ich wollte den Job nicht und das wissen Sie genau! Warum ich, es gibt genügend Counselors, die für diesen Job dankbar wären." Ihre Haltung wurde etwas gelöster, aber sie war immer noch auf der Hut.

"Das sollten Sie den Admiral fragen, Mrs. Malone und nicht den Col." Glen van Ross stand an der Luke und hatte das Gespräch der beiden verfolgt.

Ein Schuss löste sich aus einer Pistole, die ein Fähnrich in Anschlag hatte und traf Valerie am Hals. Sie versuchte noch, in Deckung zu gehen, aber McQueen war schneller und nahm das Messer wieder an sich.
"Fähnrich, was sollte das!" Der Commodore war stinksauer und wenn Blicke töten könnten, wäre der Fähnrich auf der Stelle umgefallen. "Sie melden sich in einer halben Stunde zum Report, habe ich mich klar ausgedrückt, Fähnrich?"
"Ja, sir!"

Auf der Krankenstation wurde zur fast der gleichen Zeit Valerie verarztet und untersucht. McQueen wartete draußen auf den Arzt. Zum Glück war das 58th für eine Woche auf einer Mission. Die Lady scheint nicht gerade leicht umgänglich zu sein.

Dr. Lane kam mit einer Sorgenmiene aus dem Behandlungszimmer. "Col. McQueen wissen Sie etwas über die Verletzungen, die man der Frau beigebracht hat?" Der Col. stutzte. "Sie wurde von einer Kugel am Hals getroffen, Doc."
"Davon rede ich nicht Col. Ich rede von den anderen Wunden, denn anscheinend wurde sie ‚befragt‘ und man hat dabei etwas ‚nachgeholfen.‘"
"Allein konnte sie sich die Wunden nicht zufügen, solche Verhörmethoden sind laut Gesetz verboten."
McQueen war langsam mehr als besorgt, was für ein Kuckucksei hatte man ihnen untergeschoben?

"Der Counselor ist in der kommenden Woche noch nicht einsatzfähig, ich werde auch den Commodore davon unterrichten, Col. McQueen."
"Ist Mrs. Malone ansprechbar, Doc?" "Nur einige Minuten, ich habe ihr ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben, denn sie hat sehr starke Schmerzen."
T. C. ging in das Krankenzimmer und näherte sich dem Bett, in dem Valerie lag. Das Mittel, das man ihr verabreicht hatte, fing schon an zu wirken.
Das einzige, was über ihre Lippen kam, war das Wort "Warum" und resignierte Augen sahen ihn an. Er wusste auch keine Antwort.
Fragen über Fragen, das dürfte noch eine sehr interessante Woche werden.
"Ruhen Sie sich aus Valerie, wir sprechen morgen darüber, okay?"
Als er aus dem Raum ging, waren nur noch die regelmäßigen Atemzüge von ihr zu hören. Er machte sich auf zum Büro des Commodores. Vielleicht hatte er einige Antworten parat.

Ross war wie meistens in seiner freien Zeit mit Rosslyn beschäftigt, seiner Gitarre als es klopfte. "Kommen Sie rein, Col. McQueen, ich habe Sie schon erwartet."
"Setzen Sie sich Ty, ich glaube wir haben einiges zu bereden." McQueen sah seinen vorgesetzten Offizier verwundert an.

"Glen, Sie wissen mehr über diese Frau als der offizielle Bericht, der uns geschickt wurde, verlauten lässt oder?" Glen van Ross legte seine Gitarre weg und schaute seinen Offizier an.
"Ja, aber das, was ich Ihnen jetzt sage, bleibt unter uns, ist das klar Col. McQueen?" Ty nickte und wartete bis der Commodore endlich anfangen würde, etwas mehr über diese Frau zu erzählen.

"Valerie Malone ist eine Waise, sie wurde von Admiral Malone im Silikantenkrieg in einen kleinen Dorf gefunden und mitgenommen. Er lieferte sie in einem Waisenhaus ab, aber die Kleine ging ihm nicht mehr aus dem Sinn. Als der Krieg beendet war, besuchte er Valerie und nahm sie mit, sie ist seine Adoptivtochter, Ty! Nur sehr wenige wissen das und so sollte es auch bleiben!"
McQueen schaute seinem Freund in die Augen und merkte, dass dies mit Sicherheit noch nicht alles war, was Valerie Malone betraf.

"Die Kleine hat der Admiral ausgebildet, aber sie ist stur und sehr eigensinnig. Zudem ist sie im Nahkampf so gut wie unbesiegbar, eine Ausbildung als Ranger und Psychologin hat sie hinter sich gebracht als sie vor knapp einen halben Jahr verschwand. Der Admiral hat sie aber trotz allem aufgespürt, im Dschungel vom Vietkongdelta. Was genau dort passiert ist, wissen wir nicht, außer dass sie auf jeden Mann losgegangen ist, der ihr auch nur zu nahe kam. Mit der Einheit, zu der sie gehörte, hatte sie einen Auftrag bekommen, allerdings ist sie bisher die einzige, die anscheinend überlebt hat, alle anderen wurden mittlerweile für Tod erklärt. Über diesen Auftrag steht in keiner Akte etwas noch rücken die Verantwortlichen eine Auskunft raus. Der Admiral bat mich auch als Freund Valerie als Bordcounselor auf die Saratoga zu bringen, da er glaubt, sie sei auf der Erde in Gefahr."

"Soweit zu Valerie Malone. Hat sich Captain Vansen schon gemeldet, Ty?" Ty schaute von seinem Glas Rum auf. "Der Auftrag, die Mannschaftstransporter zu begleiten, geht bisher reibungslos vonstatten, laut Captain Vansens Bericht, sir. Ihre Ankunft wird bisher planmäßig in 5-7 Tagen sein."
"Sir, haben Sie schon mit Dr. Lane gesprochen?"
Der Commodore schaute ihn verwundert an. "Nein, bisher nicht, die Berichte von der Krankenstation kommen erst morgen auf meinen Schreibtisch, Ty. Ist denn etwas vorgefallen, was ich nicht weiß?"

McQueen hielt es für das beste, den Commodore gleich alles zu sagen. "Dr. Lane stellte mehr Verletzungen als nur die Fleischwunde an Mrs. Malone fest. Der Doc hat durch die Verursachung der Wunden festgestellt, dass Mrs. Malone die sich nicht selbst zugefügt hat."
Glen dachte an Admiral Malones letzten Worte. "Glen, ich glaube, solange Val hier auf der Erde ist, ist sie in Gefahr!"
"Ist sich Dr. Lane sicher, Ty?" "Ja sir, absolut sicher!"

Das ungute Gefühl bei Ross wuchs immer mehr. Wer steckte hinter dem Ganzen? "Ich werde via Space Net mit Col. Jenkins reden, er hatte bis zu ihrem Abflug die Verantwortung für Valerie Malone!"
Der Col. verabschiedete sich von seinem Freund und machte sich zu seinem Quartier auf. Es war schon fast 23.00 Uhr als er dort ankam und die Luke hinter sich schloss. Er war müde, aber auch aufgekratzt und das alles wegen einer Frau. Die vorwurfsvollen Augen verfolgten ihn bis er eingeschlafen war.

Mitten in der Nacht hatte er wieder mal wie fast jede Nacht denselben Alptraum. InVitros, die mit ihm Munition geschleppt hatten und nach einen "Unfall" tot waren. Aber der Alptraum blieb.
Er stand auf, schlafen konnte er jetzt eh nicht mehr. Also beschloss er, ein Buch zu lesen. Nach knapp einer halben Stunde war er auf dem Weg zur Krankenstation.

Bis auf die Notbeleuchtung war soweit alles dunkel. Ein Arzt und einige Schwestern kamen ihm entgegen. Doch er beachtete sie nicht.
Als er vor Valerie Malones Krankenzimmer stand, zögerte er noch, reinzugehen. Er gab sich einen Ruck und ging leise in das Zimmer.
Sie schlief, dank den Beruhigungsmitteln und er fragte sich, was er zum Teufel hier suchte, er kannte die Frau nicht, die dort im Bett lag.
Das schulterlange braune Haar schimmerte im Licht der Notbeleuchtung über dem Bett. Was hatte die Frau wohl erlebt, dass sie derart reagierte? McQueen nahm sich einen Stuhl und klappte sein mitgebrachtes Buch auf, um zu lesen. Es sollte noch eine lange Nacht werden.

Irgendwann in der Nacht musste er eingenickt sein. Leises Schreien weckte ihn aber sehr schnell auf. Bis er merkte, dass es Valerie Malone war, sie hatte einen Alptraum.
"Wachen Sie auf Valerie, es ist nur ein Traum." Sie war schweißgebadet als sie die Augen aufschlug und ihn ungläubig anschaute.
"Wo bin ich und wer sind sie?" Ty staunte nicht schlecht als sie die Fragen stellte.
"Sie sind auf der Krankenstation der Saratoga und ich bin Col. T. C. McQueen. An was können Sie sich denn erinnern Mrs. Malone?"
"Das letzte, an das ich mich erinnern kann, ist die Szene auf dem Flugdeck und an den Schuss aus der Pistole, dann wurde es dunkel. Nein, Moment mal, ich wachte, glaub‘ ich, zumindest kurz mal auf und habe schemenhaft Ihr Gesicht gesehen."
"Schön, dass das Gedächtnis wieder da ist Mrs. Malone." Sein Tonfall war ziemlich sarkastisch. Was sollte er von dieser Frau halten? Sie stand ab heute unter dem direkten Befehl vom Commodore und auch er musste mit ihr auskommen.

"Versuchen Sie noch ein bisschen zu schlafen Mrs. Malone." Valerie wusste nicht wie sie auf diesen Mann reagieren sollte. Er war irgendwie anderes als die normalen Soldaten, die sie kannte. Seit dem Zwischenfall auf dem Flugdeck wusste sie, mit dem Mann war nicht gut Kirschen essen. Widerspruch duldete er nicht. Aber etwas sagte ihr auch, das von ihm keine Gefahr für sie ausging, also entspannte sie sich und versuchte, doch noch etwas zu schlafen.

McQueen wartete bis sie eingeschlafen war und verließ dann die Krankenstation in Richtung Brücke.

Es war mittlerweile 05.30 Uhr und die Saratoga erwachte so langsam zum Leben. Auf dem Weg zur Brücke traf er dann auch Commodore Ross, der den gleichen Weg hatte.

"Guten Morgen, Col. McQueen, Sie hatten nicht unbedingt eine gute Nacht, wenn ich Ihren Gesichtsausdruck richtig deute."
Dem Commodore machte McQueen nichts vor. Er versuchte es zwar immer wieder, einen neutralen Gesichtsausdruck zu haben, aber sein Freund kannte ihn leider zu gut als das er ihm was vormachen könnte.

"Sir, ich bin voll einsatzfähig!" "Col. das hätte ich auch nicht anders von Ihnen erwartet." Ross grinste mal wieder wie ein Honigkuchenpferd. Manchmal nahm Ty solche Aussagen immer noch recht persönlich. Für einen InVitro ist es nun mal nicht leicht, zwischen harmlosem Geplänkel und ernst gemeinten Äußerungen zu unterscheiden.

"Guten Morgen. Hat sich in der Nacht etwas ereignet, das besonders wichtig ist, Lt. Yates?" Lt. Yates war gerade dabei, den kompletten Schichtbericht von letzter Nacht zusammenzustellen.
"Nein sir, wir sind bisher von den Chigs nicht bemerkt worden. Die Chigs haben sich aber auch nicht jenseits der von Braun Linie aufgehalten."
"Keine besonderen Vorkommnisse in der letzten Nacht, sir."
Commodore Ross hörte das gern. Die letzten Schlachten hatten die Saratoga ganz schön mitgenommen. Die Reparaturteams waren noch mindestens 2-3 Tage beschäftigt, die Schäden zu beseitigen.

"Col. McQueen, Sie haben das Kommando, ich muss noch einige Sachen erledigen und bin in meinem Quartier, wenn was sein sollte."

Der Col. nickte Ross zu und widmete sich wieder dem Bericht von der letzten Nacht.
Ross drehte sich um und war Sekunden später schon auf dem Weg zu seinem Quartier. Allerdings hielt er inne und machte sich dann doch auf dem Weg zur Krankenstation.

Mal schauen wie es Admiral Malones Tochter heute geht. Hoffentlich versucht sie nicht gerade, die Krankenstation auseinanderzunehmen wie gestern den Sicherheitstrupp. Er hatte gestern noch eine Weile über ihr eigenartiges Verhalten nachgedacht. Zum Schluss erinnerte er sich, wie sich ein verwundetes Tier verhält. Eine gewisse Ähnlichkeit war nicht zu leugnen. Aber sie war kein wildes Tier, sondern ein ausgebildeter Ranger und eine gute Psychologin. Er brauchte Antworten und er hoffte doch, er würde welche von ihr bekommen.

Auf der Krankenstation war der übliche Betrieb als Dr. Lane auf Commodore Ross zuging. "Sir, haben Sie einige Minuten Zeit, es geht um Mrs. Malone."
"Col. McQueen sagte mir gestern schon, dass es einige Ungereimtheiten gäbe, Dr. Lane." "Da kann ich nur zustimmen, solche Verletzungen, wie die von Mrs. Malone kommen nicht von ungefähr, sir." "Mein Verdacht geht dahin, dass man sie verhört hat und sie nicht geredet hat, somit hat man etwas nachgeholfen." "Hat sie schon was dazu gesagt, Doc?"
"Nein sir, bisher hat sie sich geweigert, uns irgendetwas zu sagen." "Vielleicht haben Sie mehr Erfolg als ich, sir."
Glen van Ross sah die Ärztin an und hoffte innerlich, dass sie recht hatte. Fragen und noch mehr Fragen. Er brauchte endlich Antworten darauf.
"Dr. Lane machen Sie den Bericht fertig und sorgen Sie dafür, dass er sofort in mein Büro gebracht wird!"
"Wird sofort erledigt, sir!" Damit ging Dr. Lane weiter, denn sie hatte ja noch mehr Patienten zu versorgen.

Ross betrat das Krankenzimmer von Valerie Malone, sie schien schon wieder zu schlafen, was bei ihrem Gesundheitszustand wahrscheinlich das beste war, aber darauf konnte er keine Rücksicht nehmen.
Als er am Bett stand und auf seinen Counselor runtersah, musste sie was bemerkt haben und machte die Augen auf.
"Wie geht es Ihnen heute, Mrs. Malone?" Da war doch schon wieder der Trotz in ihren blauen Augen zu sehen. Diesmal reagierte Ross etwas härter.
"Versuchen Sie erst gar nicht, dort weiterzumachen, wo Sie gestern angefangen haben! Ich würde Sie eigenhändig vors Kriegsgericht schleifen und selbst der Admiral könnte nichts dagegen tun."
Seine Stimme war dabei gefährlich leise und Valerie überlegte sehr wohl, was sie als nächstes machen sollte.

"Sie müssen Commodore Glen van Ross sein, Col. Jenkins sagte mir das jedenfalls. Wenn ich für Sie arbeiten soll, dann vergessen Sie es ganz schnell wieder!Ich habe nicht um den Job gebeten, auch wenn Admiral Malone dahinter steckt. Am besten suchen Sie sich sehr schnell einen anderen Counselor, denn mit mir können Sie nicht rechnen."
Ross hatte gut zugehört und ihm platzte langsam der Kragen. "Hören Sie mir jetzt mal gut zu, Sie gehören immer noch zu den Streitkräften der Erde, auch wenn ich Sie hier auf diesem Schiff als Counselor einsetze. Sie unterstehen meinem direkten Befehl, ob Sie nun wollen oder nicht, Major!"

"Valerie, Ihr Vater hat mich auch als Freund darum gebeten, er macht sich sehr große Sorgen um Sie. Ist Ihnen das eigentlich klar?"
Valerie sah ihn an und wusste, dass da ein kleines Stück Wahrheit war, was der Commodore sagte. Aber sie wurde schon so oft verraten und verkauft als das sie jemandem vertrauen könnte. Die Wunden waren einfach zu frisch. Vergessen, wenn sie nur das alles vergessen könnte. Leider sah die Realität anders aus.
"Was wollen Sie? Sie sind garantiert nicht nur so mal vorbei gekommen oder?"
Glen van Ross wusste nicht so recht wie er anfangen sollte, also entschied er sich für die direkte Art.
"Woher haben Sie die Wunden an Ihrem Körper und bitte die Wahrheit, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit für ein Frage- und Antwortspiel!"
Die Frau im Bett wurde kalkweiß und ihre Augen bekamen einen Ausdruck von Angst – Todesangst!
"Das geht Sie nichts an, ich hatte eine kleine Meinungsverschiedenheit in einer Bar mit einigen Männern, sir!" Der Ton war patzig gegenüber dem Commodore. Er schwieg und überlegte.
"Soll ich Ihnen diese Geschichte wirklich abnehmen, Major? Das ist nicht ihr Ernst oder?" Ross versuchte, sie aus der Reserve zu locken, was alles andere als leicht war.

Aus Valerie Malone war im Moment nichts rauszubringen, nach einer halben Stunde gab der Commodore auf und ging in sein Quartier.

Währendessen machte sich auf den Mannschaftstransportern langsam Langeweile breit . "Nicht mal ein paar Chigs auf Patrolienflug zum Abschießen kommen vorbei." Hawkes war es langsam leid, nur herumzusitzen und nichts zu tun.
Nathan konnte ihn gut verstehen, aber das gehörte nunmal zu ihren Aufgaben, ob sie wollten oder nicht.
"Shane, was ist das auf dem Schirm!" Nathan wurde unruhig, denn Chigs waren da nicht und er hoffte, dass es ist nicht schon wieder ein Prototyp wie Chiggi von Richthofen war.
"Versuch‘ auszuweichen, der Typ schießt aus allen Rohren."

Aber der Feind war nicht alleine, aus einem angrenzenden Asteroidenfeld kamen noch mehr von diesen Fliegern und nahmen die drei Mannschaftstransporter unter Beschuss. Der Feind hatte einige Schiffe mehr und auch eine neue Waffe. Wie bei den Chigminen erhellte ein gleißendes Licht den Weltraum und der Kampf war schneller vorbei als er angefangen hatte.
Die Transporter wurden in eine Art Traktorstrahl genommen und über die von Braun Linie gebracht. Davon bekamen die Wildcards nichts mehr mit. Sie schlummerten wie die anderen in ihren Transportern.

Commodore Ross hatte sich gerade mit Admiral Malone unterhalten und ihm erklärt, was bisher vorgefallen war. Er war nicht sonderlich begeistert, aber auch er wusste keine Antworten auf die Fragen des Commodores.
"Glen, es ist wie verhext, egal, wen ich frage, nach dieser Mission, ich bekomme keine Antworten. Ich überlege schon, auf die Saratoga zu kommen und Val selbst zu befragen. Sie ist so stur, Glen!"
Ross lächelte, als er das hörte. "Die Idee ist nicht mal so schlecht, vielleicht bekommst du mehr raus als wir. Du kannst jederzeit an Bord kommen, Harry." "Gut, ich mache mich auf den Weg und komme mit dem nächsten Transporter, der zur Saratoga fliegt, okay?"

Commodore Ross beendete das Gespräch mit dem Admiral und machte sich über den Stapel Berichte und Anforderungen her, die auf seinem Tisch lagen. Eine weniger angenehme Arbeit wie Ross immer wieder feststellte.

Col. McQueen lief wie ein nervöser Tiger auf der Brücke herum. Sein 58th war seit einer Stunde überfällig und vom 59th war auch nichts zu hören. Er machte sich langsam Sorgen. Aber die sollten noch mehr werden. Er wusste es nur noch nicht.

Die Saratoga schnurrte wie ein Kätzchen und alles lief seinen gewohnten Gang. McQueen ging Richtung Quartier des Commodores als er fast von einer Frau umgerannt wurde. Wie sich herausstellte, war es Valerie Malone. Beide rappelten sich wieder auf. T. C. war langsam mehr als sauer auf diese Frau. Das erkannte sogar Valerie an seinem Gesichtsausdruck.

"Was suchen Sie hier, sollten Sie nicht auf der Krankenstation sein, Major?" Valerie zuckte zusammen als er sie mit ihrem Rang ansprach.
"Ich gehe, wohin ich will, Lt. Col.!" Damit hatte sie den Bogen überspannt. Das wurde ihr auch sehr schnell klar.
T. C. hatte sich im Laufe der Jahre eine eiserne Selbstbeherrschung angeeignet, die jetzt aber platzte wie ein Luftballon. Er packte sie an den Armen und drückte sie gegen die Wand.
"Was bilden Sie sich eigentlich ein, Major? Ich sollte Sie eigentlich einsperren lassen, vielleicht kommen Sie dann wieder zu Vernunft. Soll ich Ihre Liste der Vergehen in den letzten 48 Stunden aufzählen?"
Valerie bekam es langsam mit der Angst zu tun. Panik, sie wand sich mit aller Kraft aus seinem Griff und fuhr die Krallen aus. Allerdings war McQueen auf der Hut. Eine zweite Gelegenheit sollte sie nicht bekommen.

Der Commodore war durch den Lärm neugierig geworden und ging zwischen die beiden Streithähne.
"Was ist hier los, Col. und was in aller Welt haben Sie auf den Fluren der Saratoga zu suchen, Major? Ich will sie beide umgehend in meinen Quartier sehen, sofort!"
"Ja, sir", kam es fast gleichzeitig von den Offizieren.

Im Quartier des Commodores ging ein übelgelaunter Vorgesetzter auf und ab. "Ich will eine Erklärung von Ihnen beiden und eine glaubwürdige!"

Col. McQueen war bereit, die Schuld auf sich zu nehmen, allerdings hatte er die Rechnung ohne den Major gemacht.
Eine geraume Weile hörte sich Ross das an. "Schluss, alle beide! Sie, Major, gehen sofort wieder auf die Krankenstation und melden sich bei Dr. Lane. Sofort, Major, das ist ein Befehl!"
Von Valerie Malone kam als Reaktion ein trotziges "Ja, sir!". Aber sie zog den Rückzug vor. Man sollte wissen, wenn man verloren hat. Das wusste auch der Major und ging zurück auf die Krankenstation.
"Col. McQueen, was ist in Sie gefahren und wie konnten Sie sich als Offizier derart gehen lassen?" Ross schaute seinen Freund an. Ty wusste nicht, was er darauf antworten sollte.
"Sir, ich habe die Beherrschung verloren und es tut mir leid."
Glen schaute resigniert seine Familienbilder an. "Ty, setz dich bitte." Ty setzte sich, aber mehr aus Verblüffung.
"Ich weiß, die Frau ist nicht leicht zu handhaben, aber du bist mit den Wildcards auch zurecht gekommen und das war ebenfalls ein hartes Stück Arbeit. Gib ihr Zeit, sich ein wenig einzugewöhnen, zudem ist ihr Vater unterwegs zur Saratoga."
McQueen schaute seinen Freund an, er hatte Recht. Er wusste auch nicht, warum er in ihrer Gegenwart so reagierte. Das hatte bisher so gut wie keiner geschafft. Selbst als seine erste Frau die Scheidung einreichte.
"Was hältst du von einen Glas Rum, Ty?"

McQueen nickte und nahm das Glas dankbar an. Ein einziger Höllentag für T. C. McQueen. Sie saßen noch einige Stunden zusammen. Glen spielte auf seiner Rosslyn und Ty war der Zuhörer.
Irgendwann machte sich der Col. auf den Weg in sein Quartier.

Es war ruhig auf der Saratoga, die Nacht hatte auf dem Trägerraumschiff angefangen. Ob McQueen gleich einschlafen könnte, wusste er nicht. Wahrscheinlich nicht. Seine Wildcards waren da draußen und brauchten vielleicht seine Hilfe. Doch er konnte im Moment für sie nichts tun. Das tat mehr weh als er zugeben würde gegenüber seinen Leuten. Er hoffte immer, dass alle zurück kommen würden und er hatte schon vor dem Tag Angst, an dem dies nicht mehr so sein würde.

 

McQueen

 

Fortsetzung folgt...

Margit Köhler

Copyright © 1999 Alle Rechte beim Autor. Nachdruck, aus Auszugsweise, Veröffentlichung oder Vervielfältigung jeglicher Natur  ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors erlaubt.  

Die Charaktere und Situationen der Serie "Space: Above & Beyond" wurden von Glen Morgan und James Wong, Fox Broadcasting und Hard Eight Productions kreiert und basieren auf ihren Ideen. Alle Handlungen in dieser Geschichte sind frei erfunden und nur die Charaktere stimmen mit "Space: Above & Beyond" von Glen Morgan und James Wong überein.

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