Das Ziel im Nebel??

USS. Saratoga - der Mythos - so hatte ich sie mir immer vorgestellt. Natürlich wusste ich immer, dass die Saratoga ein ganz normales Schiff war, keine besondere Bauart, die übliche Bewaffnung - die Besatzung. Aber dennoch war sie in meiner Fantasie stets etwas Besonderes, sie sah anders aus, als die anderen Schiffe. Ich stellte sie mir vor, wie sie so durch das All glitt, von einem Nebel begleitet - geheimnisvoll. Sie benötigte sogar kein Antriebssystem. Sie schimmerte auch mehr bläulich als das standardschwarz und ich verband mit diesem Schiff immer ein Gefühl wie beim Cabrio-Fahren. Losgelöste Glückseligkeit - so könnte man es wohl nennen.

Und ich wusste auch, warum ich so empfand. Es lag an der Besatzung, genauer gesagt an einem bestimmte Geschwader - das 58te - die Wildcards.

Sie waren die Helden in diesem Krieg gegen die Chigs. Sie hatten die meisten Erfolge erzielt und waren mit Abstand die ungewöhnlichste Gruppe von allen Marines. Sie hatten den ersten Chig-Kontakt überhaupt. Sie waren meine Helden. Ich wollte nichts mehr, als Teil dieses Geschwaders sein und ich setzte alles daran.

Ich wurde ein Marine. Mein Name ist Salem Martin und vor dem Krieg war ich Tierpfleger. Ein seltsamer Wandel, ich weiß. Eigentlich hatte ich mich immer als Pazifist gesehen, aber der Krieg änderte vieles, auch mich. Aber das Ausbildungslager war dennoch die Hölle. Doch ich habe es überstanden, denn ich hatte ein Ziel und der Willen, dieses Ziel zu erreichen, ließ mich durchhalten. Und schließlich hatte ich es geschafft.

Endlich, nach soviel harter Arbeit wartete ich ganz nervös und angespannt auf meinen ersten Einsatzbefehl. Ich hatte natürlich das 58te Geschwader als Wunschposten angegeben. Sicher, mir war von vornherein klar, dass so ziemlich jeder als Pilot dorthin versetzt werden wollte, doch ich rechnete mir ernsthafte Chancen aus. Ich hatte als Bester des Jahrgangs die Grundausbildung und die Pilotenausbildung abgeschlossen, hatte Extrakurse in Strategie und Kampftechnik besucht und ich glaubte einfach fest daran, dass es funktionieren würde.

Schließlich hielt ich den Einsatzbefehl in Händen und als ich ihn mit zitternden Händen öffnete, brach eine Welt für mich zusammen.

Nicht nur, dass ich nicht zu den Wildcards versetzt worden war, ich würde auch nicht auf der Saratoga dienen. Genauer gesagt würde ich noch nicht mal an die Front kommen, noch nicht mal in die Nähe der Front. Nein, ich sollte Testpilot sein und zwar auf der Erde.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich 3 Möglichkeiten.

Nummer 1: Ich desertiere und bin den Rest meines Lebens auf der Flucht.

Das kam für mich nicht in Frage, auch wenn ich für eine logische Sekunde darüber nachdachte.

Nummer 2: Ich randaliere, ziehe die negative Aufmerksamkeit meiner Vorgesetzten auf mich in der Hoffnung, dass ich zur Front strafversetzt werde.

Dies Möglichkeit kam ebenfalls nicht ernsthaft in Betracht. Zwar wäre das der wahrscheinlich schnellste Weg zur Front, aber ich wäre sicherlich nie auf die Saratoga gekommen und ganz sicher nicht zum 58ten Geschwader.

Also blieb mir nur noch die letzte Möglichkeit:

Nummer 3: Ich musste meinen Dienst als Testpilot antreten und alles daran setzten, durch Schleimen und sonstige Taktiken meine Vorgesetzten davon zu überzeugen, dass ich Kampferfahrung mit den Besten der Besten sammeln muss, um weiterhin effektiv Prototypen zu testen.

Und genau das tat ich dann auch. Es war viel leichter, als ich anfänglich dachte. Ich glänzte durch überdurchschnittliche Leistungen und schon bald durfte ich die geheimsten Entwicklungen testen. Ich genoss hohes Ansehen bei meinen Vorgesetzten und bei meinen Kameraden.

Doch dauerte es noch mehr als 2 Jahre, bis mein Ziel in greifbare Nähe rückte. Die Testphase für einen neuen Kampfjet war endlich abgeschlossen und ich sollte ihn in einer realen Kampfsituation testen. Und ohne, dass ich etwas beantragen musste, wurde ich zu diesem Zwecke zu den Wildcards versetzt. Meine Gebete waren erhört worden.

Also machte ich mich auf den Weg mit einem Transportschiff, zusammen mit 150 Männern und Frauen, die zur Saratoga versetzt worden waren. Nach mehreren Wochen quer durch die Galaxie, so kam es mir zumindest vor, waren wir endlich in Sichtweite der Saratoga. Und sie war wunderschön. Nicht im Sinne, wie ich sie mir in meiner Fantasie vorgestellt hatte, aber auf eine sehr reale Weise - wunderschön. Ich war meinem Ziel so nahe. Zwar befand sich die Front noch ca. 3 Stunden entfernt, aber ich war nah dran.

Die Saratoga war ein gigantischer Anblick. Rund um das Schiff konnte man Reparaturarbeiten und Flugübungen beobachten - ein hektisches Treiben. Ich war endlich hier. Doch dieses Glück währte nicht lange. Noch während ich von meinem Quartier aus die Saratoga beobachtete, bemerkte ich die Veränderung. Aus der normalen Emsigkeit wurde plötzlich kontrollierte Panik. Ich suchte nach dem Grund für diese Veränderung, doch konnte ich zunächst nichts erkennen. Doch dann sah ich sie - Chigfighter und Kriegsschiffe. Gleichzeitig erklang der Alarm an Bord des Transporters.

Ich erkannte sofort, das war meine Chance. Ich rannte zum Landedeck und bereitete alles für den Start meines Prototypen vor. Die Entwickler hatten es mir überlassen, diesen Jet zu taufen - und ich wählte den Namen HOPE. Das klang zwar nicht sehr kriegerisch, noch nicht mal sehr männlich, aber das war mir egal. In dieses Flugzeug hatte ich all meine Hoffnungen und Träume gesetzt und daher war es der perfekte Name - HOPE.

Routiniert und schnell saß ich in meinem Cockpit, informierte den Captain und die Tore öffneten sich. Der Anblick war überwältigend. Mein Blick fiel auf die Wildcards, die in relativer Nähe zu dem Frachter gegen mehrere Chigfighter kämpften.

Ich startete meine Maschinen und flog los, ganz von dem Wunsch geleitet, mit meinen Helden Seite an Seite zu kämpfen.

Aber dazu kam es nicht mehr. Ich war noch nicht richtig aus dem Tor raus, da sah ich aus dem Augenwinkel, wie ein Chigfighter von meiner Rechten direkt auf mich zusteuerte. Ich versuchte noch auszuweichen, aber mir war klar, dass ich es nicht schaffen würde. Ich hatte keine Angst vor dem Tod oder beruhigte mich mit dem Gedanken, dass ich einen Chig mit in den Tod nehmen würde - nein - ich konnte nur daran denken, dass mein Ziel greifbar nahe war, aber ich es trotzdem nicht erreichen würde.

Dann sah ich wie in Zeitlupe, wie die Explosion in meinem rechten Tank begann und sich ausbreitet.....

"Hey, Shane!"
"Was ist Nathan? Brauchst du Hilfe?"
"Nein, die paar Chigs schaff‘ ich schon, aber hast du die Explosion bei dem Frachter dort gesehen?"
"Ja, armer Hund. Wer war das?"
"Keine Ahnung, der gehörte nicht zu uns, glaube ich."

Beverly

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