Private William F. Cody
Ich hatte es geschafft. Endlich war ich fertig mit meiner Ausbildung zum Marine. Mein Vater und mein kleiner Bruder waren fast geplatzt vor Stolz, als sie mich dabei sahen, wie ich meine Uniform das erstemal ausführte. Ich wusste, auch meine liebe, leider schon so früh gegangene Mutter, wäre unglaublich stolz auf mich gewesen.
Ich machte schon immer sehr viel Sport, das half mir während meiner Ausbildung ungemein. Ich hatte aber nicht nur da die besten Noten erhalten. Ich mochte sicherlich nicht perfekt sein, aber wenn ich mir etwas vorgenommen hatte, dann zog ich es auch durch. Und ich wollte ein Marine werden und nun bin ich einer.
Ich war kein Feigling und ich wusste, ich musste meinen Weg gehen, um meine Erde vor den Feinden zu retten. Es dauerte nicht mehr lange und ich kam endlich auf der Saratoga an. Dort war meine erste Station als Marine.
Ziemliche Hektik auf dem Landedeck. Meine Kameraden und ich standen alle etwas verloren da und warteten, was nun auf uns zukam. Und dann hatte ich sie gesehen. Sie kamen gerade von einem Einsatz zurück. Die ‚Wildcards‘. Verdammt, ich hatte mir die Mitglieder nicht so jung vorgestellt. Es durchzog mich ein kribbeliges Gefühl, als ich diese fünf Frauen und Männer an uns vorbei gehen sah. Und da ist auch dieser InVitro First Lt. Cooper Hawkes. Die InVitros, die ich kannte, waren allesamt nicht sonderlich vertrauenerweckend, aber dieser Mann riskierte Tag für Tag sein Leben für uns. Und er gehörte zu den besten Schützen auf der Saratoga. Vielleicht konnte ich was von ihm lernen. Ich hatte ihn freundlich angelächelt und dann blickte ich in seine Augen. Sie waren so - abgebrüht. Mir lief es in der Sekunde eiskalt den Rücken hinunter. In diesem Moment machte sich tief in mir ein bedrückendes Gefühl frei. Ich hatte, ohne es zu ahnen, dem Krieg in die Augen gesehen. Noch bevor ich auf einem Schlachtfeld war, spürte ich das Grauen. Schnell schob ich das zur Seite. Hey, ich war ein Marines, ich war hier, um meine Welt gegen das Böse zu schützen.
Puh. Colonel McQueen konnte einen ganz schön einschüchtern. Dieser Mann war einfach unglaublich. Ich hoffte nur, dass ich irgendwann einmal nur halb so gut wie er sein konnte. Und er war auch kein Natürlichgeborener, sondern wie Lt. Cooper Hawkes, ein InVitro. Ich musste wirklich mal mit meinen Vorurteilen aufräumen, dass alle In Vitros gleich waren. Vorurteile waren ein Übel, das hatte meine Mutter früher auch immer gesagt. Und sie hatte wie so oft recht. Danke Mum, ich werde mich bessern.
Wir hatten bis jetzt schon drei Einsätze, aber waren durchwegs langweilig und sinnlos. Ich verstand nicht, was das sollte, warum hingen wir an solchen Plätzen rum, wo nicht gekämpft wurde? Jeder einzelne von uns war zu den Marines gegangen, um zu kämpfen, nicht Schützengräben auszubuddeln. Mir tat schon alles von der Schaufelei weh. Die Blasen an meinen Händen waren auch nicht ohne. Ich bemerkte, dass nicht nur ich mit unseren Einsätzen unzufrieden war, sondern auch die anderen. Jedenfalls waren wir uns auf diesem Gebiet einig. Wir alle wollten kämpfen und wir alle waren dazu bereit.
Manchmal musste der Mensch auch Glück haben. Zusammen mit einem Kameraden saß ich an einem Tisch und wir hatten uns unterhalten. Alles war voll und nur noch an unserem Tisch war Platz. Und dann kamen die Wildcards. Ich war schon seit einiger Zeit auf der Saratoga, aber es war erst das dritte Mal, dass ich sie gesehen hatte. Erst sahen sie sich um und kamen dann direkt zu unserem Tisch. Wir beide wollten natürlich sofort aufstehen und ihn räumen, aber sie sagten, dass es genug Platz für uns alle sei. Oh man, ich saß zusammen mit den Wildcards am Tisch. Sie beachteten uns kaum, sondern starrten nur in ihre Gläser. Alle wirkten sehr müde und auch erschlagen. Kein Wunder, sie waren fast vier Tage im Einsatz gewesen. Musste eine ziemlich harte Gegend gewesen sein, anders wie bei uns. Der InVitro saß direkt neben mir. Ein komisches Gefühl. Ich war noch nie so nah bei einem gewesen. Ich wusste, ich wollte mit den Vorurteilen aufhören, aber es ging manchmal nicht so schnell. Hawkes, ein großer, durchtrainierter Mann, hatte ein sehr interessantes Gesicht. Er kam sicherlich gut bei den Frauen an. Was man von mir ja nicht behaupten konnte. Dafür wirkte ich noch zu jung und zu schlacksig. Ich sah aus wie gerade mal 18 Jahre, aber ich war schon 25 Jahre. Manchmal nervte mich das gehörig, aber egal. Neben dem InVitro, jetzt hatte ich es schon wieder getan. Neben Lt. Hawkes saß First Lt. Nathan West. Ihn hatte ich mir auch total anders vorgestellt. Er wirkte so ruhig und harmlos, aber was man so von den Einsätzen hörte, war er ein sehr guter Marine. Dann kam First Lt. Vanessa Damphousse. Eine hübsche junge Frau. Ich mochte Afroamerikanerinnen sowieso sehr gerne. Meine erste Freundin Louis war auch eine. Vanessa musste sich im technischen Bereich sehr gut auskennen. Daneben saß Captain Shane Vansen. Auch eine hübsche Frau, aber nicht ganz mein Fall. Wenn schon hellhäutig, dann blond. Captain, ob ich diesen Rang jemals erreichte? Und nun zum letzten der Wildcards: First Lt. Paul Wang. Er war so klein. Ja, Asiaten waren meistens nicht so groß, aber ich hatte mir halt die Mitglieder der Wildcards alle anders vorgestellt. Hörte sich albern an, aber war so. Nun war ich mit meiner Betrachtung fertig und nun kam das nächste Problem. Wie konnte ich es nur anstellen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen? Doch noch bevor ich etwas Idiotisches über die Lippen bringen konnte, standen sie schon auf und verließen den Raum. Shit, ich war zu langsam gewesen. Mist. Aber vielleicht beim nächsten Mal.
Was würde ich dafür geben, jetzt in meinem Quartier zu sein und in meinem engen, harten Bett zu liegen. Doch statt dessen saß ich hier im Dreck und überall gab es Explosionen. Sie waren zu weit weg, um uns zu verletzten, aber leider von Lärmpegel her nahe genug. Ich verstand schon kein Wort mehr. Es war wie nach einem zu lauten Konzert, da hörte man alles nur noch eingeschränkt. Und mein Schädel brummte auch noch wie blöd. Lieber würde ich Gräben ausbuddeln, als mir noch viel länger, diesen Krach anzuhören. Aber daraus wurde so schnell nichts. Wir wurden erst in fünf Stunden abgeholt. Fünf gottverdammte Stunden. Hoffentlich konnte ich danach noch was hören.
Es hatte ewig gedauert, bis ich wieder richtig hören konnte. Deshalb hatte ich auch nicht gehört wie Colonel McQueen nach mir rief. Aber seinen Anschiss, der auf meiner Ignorierung folgte, den verstand ich einfach hervorragend. Danach war ich zur Krankenstation geschlichen. Ich brauchte endlich was für meinen Brummschädel, sonst wurde ich noch total plemplem.
Lagebesprechung. Wir hatten unseren ersten richtigen Kampfeinsatz und was für eine Ehre zusammen mit den Wildcards. In nur einer halben Stunde ging es los.
Captain Vansen hatte uns im Frachter nochmals eingewiesen, was unsere Aufgabe war. Natürlich würden wir noch nicht den direkten Angriff machen, aber unsere Aufgabe war trotzdem sehr wichtig. Wir sollten eine Funkkonsole suchen und vernichten. Damphousse hatte uns noch einige Tips für die Sprengung gegeben und uns auf Besonderheiten hingewiesen. Und auch der... Lt. Hawkes hatte was gesagt. Er klärte uns über die Wetterverhältnisse auf dem Planeten auf. Er kannte ihn noch von einem früheren Auftrag her. Dann machten sich die Wildcards daran, untereinander den Einsatz zu besprechen. Josy, die direkt neben mir saß, rammte mir schmerzhaft ihren Ellbogen in die Seite. Dann fing sie an, von dem gutaussehenden Lt. Hawkes zu schwärmen. Ich fand ihn ja auch toll, wenn auch nicht so. Aber das war eine Wirkung, die ich auf Frauen hatte, jedes Mal, wenn sie einen Typen sahen, der ihnen gefiel, dann mussten sie es sofort mir erzählen. Manchmal war es ja ganz lustig, aber bei Josy war es immer mit Schmerzen verbunden. Sie war eine ziemlich robuste Person und wenn sie wo hinlangte, spürte man es geraume Zeit. Und ich hatte jedes Mal das Pech dann in ihrer Nähe zu sein.
So einen Planeten hatte ich noch nie zuvor gesehen. Er war von einem rötlichbraunen Licht umgeben. Sein Boden war harter Fels oder ganz feinkörniger Sand. Die Temperaturen waren angenehm warm, nur der Wind wehte ganz schön kräftig. Auf felsigem Gebiet war das ja nicht so schlimm, aber im sandigen Bereich war es alles andere als ein Vergnügen. Mir war nie zuvor bewusst gewesen, wo überall Sand hinkommen konnte. Ich glaubte, ich hatte keine Stelle an meinem Körper und an den Klamotten wo er nicht war. Und es scheuerte so auf der Haut. Ich schätzte mal, wenn wir nach Hause kamen, hatte ich mir meinen Hintern wundgescheuert. Aber ich konnte diesen Sand nicht aus meiner Hose rausholen, wie sah das denn aus, außerdem hatten wir dafür auch keine Zeit.
Sand. Sand. Sand. Überall Sand. Warum konnte die Funkstation nicht beim felsigem Bereich sein? Wäre ja sonst viel zu einfach und angenehm für uns gewesen. Der sandige Boden war ein Alptraum, teilweise sank man beim Gehen bis zu den Knien ein. Mir lief der Schweiß in Strömen vom Körper und meine Klamotten waren auch schon ganz feucht. Was natürlich die Reibfunktion noch erhöhte. Leider würde mein Hintern nicht das einzige Wundgescheuerte nach diesem Einsatz sein. Mein bester Freund hatte auch schon mehr als genügend Sand um sich herum. Mir war das jetzt egal, ich holte den Sand da vorne raus. Shit, natürlich musste mich Josy dabei beobachten. Ihr Blick war verwundert, aber keine dumme Bemerkung kam von ihr und auch kein Lachen. Sie nickte nur. Gut zu wissen, dass ich nicht der einzige mit diesem Sandproblem war.
Dass ich den Sand aus meiner Hose geholt hatte, hatte einiges gebracht. Jedenfalls so gut zwei Minuten, dann war alles wieder beim Alten. Ich nahm mir vor, es einfach zu ignorieren und damit zu leben. Hoffentlich hatten die auf der Saratoga eine gute Wundheilcreme für meine geschundenen Körperteile. Innerlich stöhnte ich schon auf. Wie sollte ich dem Arzt nur mein Problem rüber bringen, ohne mich gleich zum kompletten Idioten zu machen?
Nicht nur mein Körper hatte Probleme mit dem Sand, nein auch die Technik. Endlich hatten wir diesen dämlichen Sender gefunden und dann hatte der Sand alles verstopft und nun klemmte die Tür. Aber wir mussten sie öffnen, sonst brachte die Sprengung rein gar nichts. Käme gleich, als ob man eine Knallerbse daneben hochjagen würde. Mit vereinten Kräften und gepflegten Kraftausdrücken hatten wir es endlich erreicht. Die Vorbereitung der Sprengung selber war dann nur noch ein Kinderspiel, wenn nicht jetzt auch noch ein Sandsturm anfangen würde. ‚Super‘ nun fraß ich auch noch diesen mistigen Sand. Nach diesem Auftrag konnte ich sicherlich kein Sandkörnchen mehr sehen. Oh man, manchmal war ich ein echter Jammerlappen. Ich riss mich ja schon zusammen. Und, oh Wunder, der Sturm war schon wieder vorbei und wir konnten endlich unsere Arbeit beenden. Nachdem die Sprengsätze fertig waren, machten wir uns gutgelaunt auf den Rückweg. Erst wenn wir wieder in der Luft waren, wurde die Ladung gezündet. Jeder einzelne von uns war stolz auf sich und seine Kameraden. Endlich hatten wir mal was richtig Sinnvolles und auch einem Marine Würdiges erledigt.
Mir war langweilig. Wir hatten keinen Einsatz, nur Übungen. Man, ich hatte gedacht, dass dies nach der Ausbildung vorbei war. Falsch gedacht. Ich beherrschte meine Waffe im Schlaf, dass hatte mir auch der Sergeant bestätigt. Und auch, dass ich in perfekter körperlicher Verfassung war (mein kleines Problem, das ich von unserem Sandplaneten noch hatte, konnte ich gut überspielen, wäre ja auch megapeinlich). Und wenn ich schon so gut war, dann sollte ich auch nicht aus der Übung kommen. Also wieder alles von vorne, wie öde.
Ich liebte Übungen. Jedenfalls wenn wir zusammen mit den Wildcards üben durften oder besser gesagt, sie brachten uns einige ihrer Tricks aus den Kämpfen bei. Wow. Die waren alle mein Alter, hatten aber wesentlich mehr Erfahrung als jeder einzelne von uns. Wir hatten die Aufgabe bekommen, sie anzugreifen und ich konnte sagen, wir hatten uns als absolut jämmerliche Marines erwiesen. Hawkes hatte aus mir fast Hackfleisch gemacht und West hatte mir im Vertrauen erzählt, dass er noch viel besser zuschlagen konnte. Er hatte sich zurückgehalten. Man, hatte ich ein ‚Glück‘. Liebend gern kämpfte ich neben dem Mann, aber nie wieder ein Zweikampf. Aber ich wollte es ja nicht anders und hatte mich freiwillig gemeldet. Memo an Hirn, Freiwillig melden = Bäh. Doch ich musste gestehen, dass, obwohl er mich so hart rangenommen hatte, ich froh darüber war. Ich hatte dadurch etwas gelernt. Und das hatte ich ihm auch gesagt. Hawkes hatte mich ganz komisch angesehen, ich glaubte, er war der Meinung gewesen, dass ich ihn veralbern wollte, doch das war ehrlich gemeint. Dann war die Stunde vorbei. Ich musste nochmals mit Hawkes sprechen. Ich wollte ihm nochmals danken. Ich glaubte, dass war ich ihm und meinem Vorsatz schuldig, endlich meine Vorurteile abzustreifen. Bei der nächsten Gelegenheit.
Wenn ich eine Frau gewesen wäre, dann würde mir dieser Cooper Hawkes auch gefallen. Aber ich war ein Mann, doch als Freund würde ich ihn gern haben. Ich wusste nicht genau warum, vielleicht weil er so anders war als ich, schon so viel in seinem noch so jungen Leben aushalten musste. Ich hatte meinen Vorsatz wahr gemacht und ihn im Aufenthaltsraum abgefangen. Neben diesem Mann kam ich mir einfach mickrig vor. Ich hatte mich aufrecht hingestellt (doch es fehlten noch etliche Zentimeter) und hatte mich nochmals für die Trainingsstunde bedankt und dass ich durch ihn viel gelernt hatte. Wieder dieser ungläubige Blick. Verdammt, ich meinte es wirklich ernst. Ehrlich. Und das hatte er mir dann auch geglaubt. Und dann hatte mich seine Frage, warum ich ihm das sagte, total aus dem Konzept gebracht. Ich konnte nur eins sagen, weil es so war und ich ihm danken wollte. Hawkes hatte mir zugenickt und war dann gegangen. Ein dummer Kommentar kam aus der Richtung einer anderen jungen Marinesgruppe. Da kam mir mein Ruf, einer der besten Fighter zu sein, zugunsten. Ich hatte nur herablassend auf sie geschaut und da hatten diese Idioten Ruhe gegeben. In der Sekunde war mir klar geworden, dass ich eigentlich keinen Deut besser war als sie, denn ich hatte früher ja auch nichts von InVitros gehalten. Nur hatte ich es nie laut ausgesprochen, aber das war genauso mies wie diese dummen Sprüche. Ich hatte da noch einiges ins Reine mit mir zu bringen, aber ich glaubte, ich war auf dem richtigen Weg.
Mir ging es ja so gut. Das Essen war zwar ziemlich bescheiden, aber heute war ich den Wildcards begegnet und alle hatten mich gegrüßt. Nicht so förmlich, sondern richtig locker und vor allem Hawkes hatte mich mit Namen angesprochen. Ich hatte Eindruck hinterlassen. Man, ging es mir gut.
In der einen Sekunde war alles toll und in der nächsten ein Alptraum. Wir hatten einen Routineauftrag gehabt und das hatten wir schon so oft getan. Doch diesmal ging was schief dabei. Von unserem Trupp hatte es keinen erwischt, aber dafür gleich den gesamten Begleittrupp von uns, sieben Marines auf einen Schlag. Ich hatte keinen von ihnen persönlich gekannt, noch nicht mal ihre Namen, nicht mal, wie sie ausgesehen hatten. Als es sie erwischt hatte, sahen sie nicht mehr menschlich aus. Es fehlte einfach zu viel. Mein Vater war Pathologe, ich kannte mich mit dem Tod aus, aber trotzdem, so was konnte man nicht so einfach wegstecken. Es war das zweite Mal, das ich bewusst den Krieg erkannte. War das gut so oder sollte es ganz anders sein?
Es war gar nicht so einfach, einen Ort auf der Saratoga zu finden, an dem man alleine sein konnte. Aber ich hatte ihn gefunden und ich brauchte ihn auch. Jeder von uns war geschockt wegen dem Einsatz und den Toten, aber ich wollte jetzt mit keinem meiner Einheit reden, ich wollte nur ruhig dasitzen und am besten an gar nichts denken. Das war schwierig, nein, unmöglich. Ich sah die Leichen vor mir und versuchte daraus, menschliche Gesichter zu machen, hoffnungslos. Es gelang mir nicht.
Nächster Einsatz. Jeder von uns verdrängte den Gedanken an die andere Einheit. Und dann sah ich den ersten. Ich hatte noch nie einen lebenden Chig gesehen. Sehr groß und überall dieser dunkle Panzer. Er erinnerte mich an ein Monster, das ich früher gerne im Fernsehen gesehen hatte. Er? Vielleicht war es auch eine sie. Konnte ja sein, bei uns war das ja auch möglich. Aber egal, ob es ein Mann oder eine Frau oder soll man lieber ein Männchen oder ein Weibchen sagen war, jedenfalls war ein Chig mein Feind und der Feind musste eliminiert werden. Shit, in der Ausbildung hörte sich das so einfach an, aber wenn es Wirklichkeit wurde, war es alles andere als einfach. Alles an mir zitterte und war angespannt. Mir lief der Schweiß von der Stirn, mein Atem ging nur noch stoßweise. Reiß‘ dich zusammen und mach deinen Job - und ich tat es. Er (sie) hatte nicht damit gerechnet. War ein Volltreffer. Hart krachte er zu Boden und aus seinem Brustbereich quoll das Grüne, ich nenne es Blut, hervor. Meine Kameraden kamen hinzu. Die Umgebung war gesichert und dann sahen sie den toten Chig. Sie überstürzten sich mit Lob auf meine Leistung. Ich war der erste meiner Einheit, der einen Chig erwischt hat. Alle waren unglaublich stolz auf mich und ich, ich wollte am liebsten kotzen. Ich hatte getötet. Das erste Mal, aber sicherlich nicht das letzte Mal. Der Krieg und alles was dazu gehörte, war nun endlich bei mir angekommen.
Ich war nun seit drei Monaten auf der Saratoga. Seit meiner ersten Begegnung mit dem Chig hatten wir dauernd Einsätze mit Feindkontakt gehabt. Harte Einsätze, die leider auch einige meiner Kameraden nicht überlebt hatten. Jeden einzelnen hatte ich gemocht, aber am schlimmsten war es, als Josy starb. Wir dachten, die Gefahr wäre vorbei, aber das war nicht so. Das Geschoss durchschlug ihren Körper und zerfetze alles. Sie konnte nicht mal schreien. Von jedem hätte ich gedacht, dass es ihn erwischte, nur nicht von Josy. Sie wirkte auf mich irgendwie unsterblich. Ihr Generve fehlte mir ungemein. Nun stand ich im Quartier und machte mich bereit für die heute kommenden Neuzugänge, denn ich sollte sie empfangen und dann zu Colonel McQueen bringen. Mein Blick fiel in den Spiegel. Dort sah ich einen jungen Mann. Er sah nicht mehr aus wie gerade 18, sondern wie 25. Und seine Augen, darin sah man... Abgebrühtheit. Wenn ich mich so ansah, konnte ich es gar nicht glauben, dass ich erst seit drei Monaten hier war. Ich hatte in dieser Zeit nur zwei Dinge gelernt. Zu leben und zu töten. Das einzige was im Krieg zählte. Ich fragte mich, ob meine Mutter jetzt noch auf mich stolz wäre. Ich denke teilweise, denn ich hatte einen neuen Freund gefunden: First Lt. Cooper Hawkes, einen InVitro.
Christine
Copyright © 1999 Alle Rechte beim Autor. Nachdruck, aus Auszugsweise, Veröffentlichung oder Vervielfältigung jeglicher Natur ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors erlaubt.
Die Charaktere
und Situationen der Serie "Space: Above & Beyond" wurden von Glen
Morgan und James Wong, Fox Broadcasting und Hard Eight Productions kreiert und
basieren auf ihren Ideen. Alle Handlungen in dieser Geschichte sind frei
erfunden und nur die Charaktere stimmen mit "Space: Above & Beyond"
von Glen Morgan und James Wong überein.
Erklärung: Diese Seite ist nicht von FOX
Television Broadcasting Corporation, Hard Eight Productions, Glen Morgan oder
James Wong autorisiert. Copyright Verletzung ist in keinster Weise
beabsichtigt !