Die Dritte
Generation
by Christine Frieben
Teil 3
„Captain Crow bleibt bis auf weiteres auf der Saratoga. Es kommen noch zwei Leute von Aero Tech und ein Lt. Colonel, der den Platz von Morris einnimmt. Wie es dann weitergeht steht noch nicht fest.“
Der Commodore und McQueen befanden sich im Quartier von Ross und dieser unterrichtete ihn über die neuesten Stand der Dinge. Bei dem Namen Aero Tech verfinstere sich das Gesicht des In Vitros. Dies bemerkte Ross sofort.
„Das ist nicht die einzige schlechte Nachricht McQueen. Raten Sie mal, wer zu den Aero Tech Leuten gehört?“ „Sevall.“
McQueen stöhnte leise auf, ausgerechnet dieser Verlogene Mistkerl. „Ich bin auch alles andere als begeistert davon, aber damit müssen wir jetzt leben. Ich will, das Sie ihre Leute warnen, das er kommt.
Die Wildcards haben schon einiges wegen ihm durchmachen müssen. Ich will das sie ihm aus dem Weg gehen. Keinerlei Ärger, McQueen.“
„Ich werde es ihnen einhämmern, Commodore, darauf können Sie sich verlassen.“ „Das weiß ich, Ty.“ Ross legte die Unterlagen aus seiner Hand.
„Gut, das war‘s fürs erste.“ McQueen verabschiedete sich und verließ das Quartier. Sein Weg führte ihn schnurstracks zu den Wildcards. Warum musste ausgerechnet dieser Schweinehund hierher kommen? Sich ruhig zu verhalten würde nicht nur den Wildcards schwer fallen, sondern auch ihm. Was weder er noch Ross mitbekommen hatten, war das Crow die beiden beobachtet hatte und ihnen lautlos gefolgt war. Da schien etwas wichtiges im Busch zu sein. Und es passte McQueen anscheinend nicht sonderlich. Sie folgte McQueen nicht, wartete ab, bis Ross sein Quartier verließ. Er hatte die Unterlagen die er zuvor mitgebracht hatte nicht mehr dabei.
Ein Stück folgte sie Ross, sein Weg schien ihn zur Brücke zu führen und machte dann kehrt. Obwohl die Tür verschlossen war, dauerte es nicht lange, bis sie sich in dem Quartier befand. Eine weitere ihrer Fähigkeiten. Vorsichtig schlich sie zum Tisch. Mit flinken Fingern durchsuchte sie die Unterlagen. „Sevall.“ Alles in ihrem inneren begann zu jubeln. Das war großartig. Er kam zu ihr. Und sie musste ihn nicht aufspüren. Unbemerkt verließ sie das Quartier, verschloss alles wieder. Die nächste Runde in ihrem Spiel konnte beginnen.
Gedankenverloren blättere McQueen in alten Unterlagen. Er hatte diese seit dem Ende der Angry Angels nicht mehr hervorgeholt. Berichte, Test, Flugdaten und auch einige wenige Bilder waren es. Er sah sie genau durch.
Das letzte Bild zeigte die letzten vier Anwärter auf einen Platz bei den Angry Angels. Lt. Andrew William, Lt. Diane Carl, Lt. Elia Raven und Lt. John Smith. Und nur Raven hatte das Zeug zum Angry Angel. Vor ihr stand ein große Zukunft, aber sie starb noch am gleichen Tag, als sie es erfahren hatte, das sie dabei war, bei einem tragischem Autounfall.
Vielleicht war es besser so gewesen, den ob sie den ersten vernichtenden Schlag der Aliens überstanden hätte, bezweifelte er. Manchmal konnte das Schicksal einem schon einen grausamen Strich durch die Rechnung ziehen. Er hatte nur ein paar Mal mit ihr geredet, dienstliches, aber dabei war sie ihm bereits positiv aufgefallen. Sie hatte eine direkte Art, die ihm gefiel. Er mochte solche Leute.
Genau wie dieser Smith, aber dessen Testergebnisse waren ein Graus. Feinsäuberlich räumte der Colonel alles wieder zusammen, verstaute es in einer Stahltruhe, in der die restlichen Dinge aus seiner Angry Angel Zeit untergebracht waren. Er konnte sich keinen Reim darauf machen, warum er die Sachen jetzt hervorgezogen hatte. Seine Laune hob es nicht. Er musste sich abreagieren und das konnte er am besten, wenn er sich körperlich forderte. Der Fitnessraum war der Ideale Ort dafür.
Verstohlen blickte sich Cooper auf dem Gang um und drückte, als er niemanden ausmachen konnte, die Klinke herunter. Die Tür war nicht verschlossen. Schnell schlüpfte er in den Raum hinein. Crows Quartier. Das hier war keine gute Idee, aber es ging ihm nicht aus dem Kopf. Irgendwo in dem Raum, musste die Erkennungsmarke von Morris sein. Seine Hände zitterten, als er die Tür zu ihrem Schrank vorsichtig öffnete.
„Dort wirst Du sie nicht finden, Cooper.“ Erschrocken fuhr der junge Mann herum, stolperte einige Schritte zurück. Sein Gesicht war leichenblass und sein Atem ging stoßweise. Er hatte sie nicht gehört. Nicht den geringsten Ton. Crow musste gewusst haben, das er hierher wollte und auch warum. Sie konnte seine Gedanken lesen.
Ein schrecklicher Gedanke. Genau betrachtete sie den verstört dreinblickenden Mann, wandte sich ab und holte unter dem Bett die Stahlkassette hervor, öffnete das Schloss und reichte sie mit geschlossenem Deckel an Cooper weiter. Unsicher nahm er sie entgegen und öffnete behutsam den Deckel.
„Was...?“ „Alle diese Menschen waren an meiner Existenz beteiligt, doch es gab einige Komponenten, die nicht so wurden, wie von ihnen geplant.“
Dem In Vitro stach die Erkennungsmarke von Morris ins Auge. Er wusste was mit dem Mann passiert war und galt dies etwa auch für all die Anderen?
„Hast Du...?“ „Ja, größtenteils. Das kann ich sehr gut, das ist eigentlich das einzige was ich wirklich kann.“
Crow hatte alle diese Menschen ermordet. Kaltblütig und so verrückt es auch klang und eigentlich gegen alles sprach, was er bei den Wildcards gelernt hatte, machte es ihm nichts aus. Er ahnte, das jeder einzelne von ihnen es verdient hatte. Sie nahm ihm die Kassette ab, verschloss sie und stellte sie zurück. Cooper fühlte ein zittern in seinen Beinen und setzte sich kraftlos auf ihr Bett. Daneben setzte sie sich.
„Ich bin wie Du, Cooper Hawkes, Fehlerhaft. Nur wissen sie es noch nicht und die es gewusst haben, können niemand mehr davon erzählen. Und ich sorge auch dafür, das sie es nicht mehr tun können. Doch mein größtes Ziel ist es, das nicht noch mehr meiner Art erschaffen werden.“
„Fehlerhaft? Was soll an Dir den Fehlerhaft sein, Crow?“ Er blickte sie direkt an. Sie nahm ihre Brille ab. Dahinter kamen hellgraue Augen zum Vorschein, die ihn eingehend betrachteten. Keinerlei Gefühlsregungen waren dabei auszumachen. „Ich kenne meinen Namen, ich weiß, wer ich bin, ...falsch, wer ich einmal war ...First Lt. Elia Raven, Neuzugang bei den Angry Angels...“
Aua, verdammt, was war nur passiert? Elia kam nur langsam zu sich. Es dauerte geraume Zeit, bis sie endlich wieder alles registrierte. Das erste was sie wahrnahm, war ein ziemlich grelles Licht. Es schmerzte in den Augen. Über ihr war eine Lampe wie in einer Arztpraxis, das nächste was sie bemerkte, ließ ihren Atem stocken. Sie war gefesselt.
An einer Trage mit den Armen und Beinen fixiert. Sogar um den Hals hatte sie eine Manschette, die ihr das Umblicken unmöglich machte. Ihr war sofort klar, das dies kein Einführungsscherz der Angry Angels war.
OK, die waren ein verrückter Haufen, aber das hier war ganz und gar nicht ihr Stil. Colonel McQueen hätte dies auch nie zugelassen. Diese Erkenntnis ließ die Angst in ihr hoch kriechen. Plötzlich beugten sich zwei fremde Männer über sie. „Ramsey, geben Sie mir das Mittel.“ Der ein Mann verschwand aus ihrem Blickfeld und der andre starrte sie teilnahmslos an. Elia wollte sprechen, aber ihr Hals war wie ausgedorrt und es kam nur ein leises krächzen über ihre Lippen. Der Mann mit dem Namen Ramsey erschien wieder und reichte eine kleine Glasflasche mit einer roten Flüssigkeit an den Älteren weiter.
Dieser zog mit der Flüssigkeit eine große Spritze halbvoll auf.
„Ist das da ein In Vitro?“
Das da, er redete von ihr, wie von einer Sache. Panik erfasste nun ihren gesamten Körper. Sie zog an ihren Fesseln, wollte sich befreien, schnürte sich dabei aber nur selber die Luft ab. Bald musste sie aufhören, den es hatte keine Sinn.
Die Männer schienen dies gar nicht bemerkt zu haben, oder es interessierte sie einfach nicht, sie redeten einfach weiter.
„Nein, natürlich Geborene, zukünftige Dritte Generation.“ „Ich dachte, die wollten nur Männer dafür nehmen.“ „Keine Ahnung warum sie es geändert haben, das da haben sie uns gebracht.“ Der Ältere zuckte mit den Schultern und zog die Spritze ganz auf. „Gut, dann machen wir mit dem da weiter.“ Mit weit aufgerissenen Augen verfolgte Elia das Geschehen.
Der Angstschweiß stand ihr auf der Stirn. „Dann wollen wir mal beginnen, ich will heute mal früher nach Hause kommen, meine Frau meckert schon die ganze Zeit.“
Ruckartig, ohne jegliche Vorwarnung fuhr die Hand mit der Spritze herunter und die lange Nadel bohrte sich an in die Seite ihres Halses. Kaum steckte sie drinnen, wurde auch schon der Inhalt in ihren Körper gepresst.
Augenblicklich begannen die Schmerzen, sie erfassten ihren kompletten Körper. Es war der schlimmste, den sie je spüren musste, jedenfalls bis zu diesem Zeitpunkt. Ein langgezogener, gellender Schrei erfüllte den Raum.
Dann versankt sie in eine gnädige Ohnmacht. Und so ging es von nun an weiter. Jedes Mal wenn sie erwachte, rammte ihr dieser Dreckskerl aufs neue etwas in den Körper. Dieser schien nur noch aus Schmerzen zu bestehen, und sie wurden immer schlimmer.
Elia wünschte sich nur noch, das diese Schmerzen aufhören sollten. Sehnlichst wünschte sie sich ihren eigenen Tod herbei, damit sie endlich Ruhe haben würde. Und dann hörten die Schmerzen auf. Ihr kam es so vor, als ob das ganze Jahre gedauert hatte, doch als sie aufwachte und sich in dem Raum umsah, entdeckte sie einen digitalen Kalender. Nach diesem waren gerade mal drei Wochen vergangen.
Verwundert stellte sie fest, das dies ein anderer Raum war und sie war auch nicht mehr gefesselt. Das hier glich eher eine Zelle. Ein Bett, ein Waschbecken, ein großer Spiegel an der Wand, mehr nicht. Sie selber trug einen grauen Overall und feste Stiefel.
Behutsam stellte sie sich auf ihre noch wackeligen Beine. Die schlimmen Schmerzen waren weg, nur noch ein leichter, erträglicher, an ihrem Genick. Sie fuhr sich mit der Hand darüber, ertastete eine Narbe. Woher kam die?
Sie konnte sich an keine OP an der Stelle erinnern. Sie hatte nur eine kleine Narbe von einem komplizierten Bruch am rechten Bein, mehr nicht. Das war die einzige OP in ihrem Leben gewesen. Ihr Weg führte sie zum Spiegel. Sie blickte hinein und es blickte sie eine vollkommen fremde Person an.
Die Haare nicht mehr lang und hellbraun, sondern kurz und Pechschwarz. Die Haut nicht mehr natürlich gebräunt, sondern südländisch dunkel. Die Wangenknochen waren auch höher, die Augen leicht schräg. Und dann diese Augen. Nicht mehr hellgrau leuchtend, sondern Rabenschwarz, ohne Glanz, ohne Seele.
Schreiend schlug Elia auf den Spiegel ein, zertrümmerte ihn. In ihrem Schock und ihrer Wut schlug sie unkontrolliert um sich und zerschlug das Waschbecken ohne Mühe. Weinend brach sie zusammen. Sie war so geschockt, das sie nicht mal bemerkte, wie die bewaffneten Männer in den Raum stürmten und sie zu Boden drückten.
Ein Weißbekittelter Mann mit einer Spritze kam hinzu, als letzter betrat Mr. Sevall von Aero Tech den Raum. Er nickte dem Mann zu, der ging zu der Frau und führte langsam die Nadel direkt an der Narbe am Nacken ein. Elia wehrte sich nicht, ließ alles über sich ergehen. Ihr Blick fiel auf Sevall, dann versank sie in dunklen Schlaf.
Sevall betrachtete die Bewusstlose zu seinen Füßen und dann den Schaden den sie in dem kleinen Raum angerichtet hatte. „Sie ist phantastisch. Ich hätte nie gewagt davon zu träumen, wie gut sie ist.“
Der Blick aus den ungewöhnlichen Augen wanderte durch den kahlen, gekachelten Raum, blieb an einem Mann im weißem Kittel hängen. Dieser sprach sie an.
„Dein Name ist Crow.“ Sie nickte nur und ließ ihren Blick weiter schweifen. Doch der Weißkittel vor ihr, war noch das interessanteste in dem Raum.
„Wann beginnt das Training?“ Der Mann sortierte einige Untersuchungsgeräte auf dem rollbaren Wägelchen. „Das hat noch Zeit.“ Crow erhob sich von ihrem Stuhl und ging auf den Mann zu.
Dieser wurde unruhig und wich vor ihr zurück, bald stand er an der Wand. Vollkommen unerwartet fuhr ihre Faust vor, schnellte nur wenige Millimeter an seinem Kopf vorbei und krachte wuchtig in die Wand. Diese brach einige Millimeter ein. Sie zog ihre Faust zurück und betrachtete sie genau. Es waren nur leichte Hautabschürfungen auszumachen.
„Keine Schmerzen.“ Der Mann zog sich zitternd zurück, brauchte einige Minuten um sich zu fangen. „Bei solchen Dingen nicht, Crow. Aber Du kannst Schmerz fühlen, nur noch so stark, wie Du es zum überleben brauchst.“
„Kann ich damit Leben, wenn ich sie töte, Lasset?“
„Ja, das kannst Du. Du hast keine Schuldgefühle mehr und auch kein Mitleid. Das ist für einen Kämpfer nur hinderlich, unnötiger Ballast.“
„Gefühle, ich habe also gar keine?“
„Nein, die sind unnötig. Das sind nur Dinge, die Dich von Deiner Aufgabe abhalten.“
Crow schien mit den Antworten zufrieden zu sein, setzte sich wieder hin. „Wann beginnt das Training?“
Lasset zog scharf die Luft ein, manchmal waren diese Teile wie kleine nervige Kinder.
„Das habe ich bereits gesagt, das dies noch Zeit hat.“
Sie schwieg, schloss ihre Augen. Lasset wandte sich halb von ihr ab und ging die Akte von Crow durch.
Dabei murmelte er unverständliches vor sich hin. Währenddessen öffnete diese ihre Augen wieder und drehte sich zum Spiegel der an der Wand hing. Dieser Anblick war Crow irgendwie fremd. Sie konnte das Spiegelbild nur schwer als ihr eigenes zuordnen. Sie starte es weiterhin an, da passierte es. Für einen Bruchteil von einer Millisekunde waren ihre Augen hellgrau geworden. Im gleichem Augenblick blitzte das Wort ‚Raven‘ durch ihren Kopf. Ein komischen Gefühl breitete sich in ihr aus.
Verstohlen blickte sie zu Lasset, doch dieser hatte von all dem nichts bemerkt. Eigentlich müsste sie das melden, doch sie tat es nicht. Ihr ausgeprägter Überlebenswille hielt sie davon ab. Es war besser, wenn sie sich unauffällig benahm. Niemand durfte davon erfahren, sonst wäre es ihr Ende. Fehlerhaft, also eliminieren.
Das Training glich der schlimmsten Hölle. Tagelang ohne Schlaf, Essen oder Ruhe. Crow wurde von bis zu 15 Leuten gehetzt, gejagt. Jeder Fehler wurde mit starken Schmerzen geahndet.
Doch mit jedem Tag wurde sie besser, schneller, durchtriebener und hemmungsloser. Bald war Crow die Beste im Training. Sie hielt sich auch peinlich genau an die Regel, tat nur das was man ihr sagte und fragte nie nach.
Und doch kamen immer wieder Zweifel hoch, das dies hier nicht Richtig sein konnte, das dies nicht Natürlich war. Und das Wort ‚Raven‘ wurde sie nicht mehr los. Was bedeutete das nur?
Mit offenen Augen lag Crow auf ihrem Bett in dem kargen Raum, der ihr Zuhause war. Vor fünf Tagen war die Videoüberwachung abgebrochen worden. Sie wurde als unbedenklich eingestuft und seit diesem Tag verließ sie ihren Raum jede Nacht unbemerkt. Das Training war nur noch Tagsüber und es forderte sie kaum noch, zu meist langweilte es sie.
Nachts begann sie zu suchen, nach was, war ihr nicht bewusst. Diesmal nahm sie sich einen anderen Gang vor. Hier war sie bereits gewesen. Lag aber schon längere Zeit zurück. Im hinteren Bereich waren die Ärztezimmer und auch die Operationssäle. Ihre Hand tastete nach der Narbe am Genick. Sie spürte das sie die in einem der Operationssäle bekommen hatte. Was hatte Lasset mal gesagt? Dort wurden ihr die perfekten Gene eingepflanzt.
Die Frage war nur, wollte sie diese Gene überhaupt? Jedenfalls konnte sie sich nicht erinnern gefragt geworden zu sein. Geschickt schlich sie weiter, umging die Überwachungskameras. Immer weiter in den Gang hinein. Lang und vor allem Langweilig. Bald war sie am Ende angekommen. Eine Eisentür mit einem Verbotsschild. Dahinter befanden sich anscheinend technische Anlagen.
Crow wandte sich ab und wollte schon zurückgehen, als ihr einfiel, das es noch einen technischen Raum gab. Dieser befand sich in der Mitte des Komplexes und Lasset hatte auch mal erzählt, das dies die technische Zentrale war. Von einem zweiten Raum, war nie die Rede.
Wenn Lasset wüsste, wie genau sie alle die kleinen Informationen die er immer vor sich hin babbelte in ihrem Gedächtnis speicherte. Das würde ihn sicherlich nicht gefallen, genau wie ihre Ausflüge, ohne das jemand davon was ahnte. Nun machte sie kehrt und griff nach der Türklinke. Verschlossen.
Ein belustigtes Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. Sie betrachte die Öffnungseinheit daneben, zog ihren Ärmel über den Zeigefinger und tippte einen Code ein. Schon machte es Klick und die Tür öffnete sich. Wieder eines ihrer vielen kleinen Geheimnisse das sie vor ihren Schöpfern hatte. Sie kannte jeden einzelnen Code der Personen, mit denen sie zusammenarbeitete.
Ihre Wahl war auf den von Dr. Donen gefallen. Ihr Instinkt sagte ihr, das es nicht auffallen würde, wenn der Arzt hierher kam.
Lautlos schloss sie die Tür hinter sich. Als erstes fiel ihr ein seltsamer Geruch auf. Vor ihr lag wieder mal ein langer Gang, der nur schwach beleuchtet war. Sie ging los, bemerkte erst jetzt, das im Gang Fenster waren, zwanzig auf zwanzig Zentimeter. Crow blickte durch das erste. Der Raum dahinter war in schummriges rotes Licht getaucht. Keinerlei Möbel waren darin auszumachen. Auf dem Boden lag eine zusammengerollte Person, genaueres konnte man von ihr nicht ausmachen.
Vor allem nicht, ob sie noch lebte oder nicht. Sie erkannte nur, das die Gegenüberliegende Wand aus Glas bestand und durchsichtig war. Sie ging weiter zum nächsten Fenster. Das gleiche Bild, nur war da die Person in eine Ecke gekauert.
Crow sah noch durch drei weitere Fenster und immer das gleiche Bild. Sie wollte wissen, was da genau los war. Ihr Weg folgte dem Gang, der sich bald in drei Gänge teilte. Einer ging geradeaus, die beiden anderen gingen jeweils an den Zellen, an der Glasfront zurück. Crow entschied sich für den linken Gang und stand bald auf der anderen Seite der Zellen. Nun machte sie bei der Person leichte Bewegungen aus.
Eine Hand war zu erkennen, doch die hatte nichts menschliches an sich. Drei Finger und fast doppelt so lang, wie bei einer normalen Hand. Die Nägel wirkten wie die Krallen eines Raubvogels. Crow schritt weiter. Betrachtete die Person still. Diese saß gekrümmt da, man konnte das Gesicht erkennen.
Obwohl Gesicht war übertrieben. Kinn und Mund, ja das war von einem Gesicht, aber die Nase fehlte. Dort war nur Haut, statt Augen gab es nur leere dunkle Augenhöhlen, kreisrund und ca. 3 Zentimeter Radius. Aus den Zellen vernahm sie keinerlei Geräusche, sie schienen schallisoliert zu sein. Crow verließ den Gang und wandte sich dem geraden zu. Sie war sich sicher, das diese Kreaturen Menschen gewesen waren und das keiner von Geburt an so gewesen war.
Dieser Gang war von vielen Türen eingesäumt. Durch die runden Guckfenster erkannte sie, das es sich größtenteils Labors handelte und auch zwei Behandlungszimmer. Am Ende dieses Ganges, teilte er sich wiederum, Crow wollte gerade in den rechten einbiegen, als sie näherkommende Stimmen vernahm.
Schnell zog sie sich zurück, huschte in eines der leeren Labors. Die Tür ließ sie ein kleines Stück offen. Zwei Männer in den ihr so verhassten Weißen Kitteln kamen näher.
„O’Conner, wie gefällt Dir Crow?“ „Sie ist eines unserer Besten Stücke geworden, Hunt.“ Hunt schüttelte den Kopf. „Das habe ich nicht so gemeint. Ich finde sie auch optisch äußerst anregend.“
Der andere Mann lachte auf. „Man Hunt, lass Dich nicht dabei erwischen, wenn Du es bei ihr versuchst. Sevall macht Hackfleisch aus Dir, falls er das mitbekommen sollte.“ „Wenn ich es wollte, könnte ich es Crow befehlen und sie würde es tun.“
Zweifelnd verzog O’Connor das Gesicht. „Ich weiß nicht. Ihr altes ICH wäre mir lieber gewesen. Vielleicht kann sie es überhaupt nicht mehr. Es wurde doch alles auf Emotioneller Ebene entfernt.“
Die Männer waren an Crows Versteck vorbei gegangen und bald ganz verschwunden. Crow kam heraus. Ihr altes ICH, was bedeutete das nun wieder? Konzentriert lauschte sie, als sie nichts mehr als Gefahr ausmachen konnte, setzte sie ihren Weg fort, sie wählte den rechten Gang.
Auch hier gab es viele Räume, die als Labors genutzt wurden. Für was wurden nur diese vielen Labors gebraucht, sie schienen alle in Gebrauch zu sein. Sie hatte die letzte Tür am Ende des Ganges erreicht.
Hier gab es kein Fenster, durch das man spähen konnte. Behutsam öffnete die junge Frau die Tür und schlich sich hinein. Der Raum war ungewöhnlich groß und lag im Halbdunkel. Über sich machte sie eine Kuppel aus. Hier waren zwei große Zellen. In der einen befanden sich drei Personen. Ihre Augen waren starr und abwesend. Die Körper schaukelten bei allen in der Hocke hin und her. Sie schienen nicht bei Verstand zu sein. In der gegenüberliegenden Zelle schien sich niemand zu befinden. Crow kam langsam näher an die Gestalten.
Von ihnen schien keinerlei Gefahr auszugehen, sie veränderten ihr Verhalten nicht, auch nicht als sie bereits an dem Gitter stand. Crow ging in die Hocke und betrachtete sie verständnislos.
Unbewusst sprach sie laut aus, was ihr gerade durch den Kopf ging. „Was zum Teufel seit ihr nur für Typen?“ „In Vitros.“ Diese Antwort ließ sie ruckartig herumfahren. Ihre Muskeln spannten sich an, sofort waren alle ihre Sinne auf Kampf vorbereitet. Man hatte sie entdeckt, schoss es ihr durch den Kopf.
Doch dem war nicht so. In der anderen Zelle befand sich doch jemand. Langsam trat dieser aus dem Schatten nah an sein Gitter heran. Was Crow da sah, faszinierte sie sofort. Sie konnte ihren Blick nicht von ihm lassen.
Dieser Mann war das perfekteste Wesen, das sie je in ihrem Leben gesehen hatte. Er trug nur eine kurze, dunkle Hose, sonst war der Blick auf seinen makellosen, athletischen Körper freigegeben.
Das Gesicht war männlich mit wunderschönen Lippen und leuchtend blauen Augen. Die kurzen Haare glänzten blauschwarz. Seine Hände hatte er hinter seinem Rücken. Er lächelte Crow an. Das war wie er selbst ebenfalls einfach nur perfekt.
„So reagieren doch wirklich alle, wenn sie mich zum erstenmal sehen, das ändert sich aber ziemlich schnell.“ Er streckte seine Hände durchs Gitter. Diese passten so ganz und gar nicht in das Bild dieses Prachtexemplars.
Wie die Krallen von einem Raubvogel gekrümmt, mit einer Schuppigen, dicken Haut überzogen. Scharfe Krallen statt Fingernägel. Diese Hände hatten was vogelartiges an sich. Ganz gegen ihre Gewohnheit schrecke Crow bei diesem Anblick zurück, stieß gegen die Gitter der Zelle hinter sich.
Und nun kam unerwarteter Weise Leben in die Drei darin. Blitzschnell umfassten zwei ihre Arme und einer ihren Hals. Gnadenlos wurde ihr die Kehle zugedrückt. Ein irres Lachen drang an ihre Ohren.
Sie reagierte Blitzschnell und mit einer für die Angreifer unerwarteten Wucht zog sie ihre Anhängsel vor und schlug sie heftig gegen die Gitter. Benommen fielen sie auf den Boden zurück. Gleich darauf verfielen sie wieder in ihre vorherigen Bewegungen. Erschrocken hatte der Mann die ganze Aktion gesehen, fühlte sich hilflos, weil er nicht helfen konnte.
Doch dann erkannte er gleich, das sie keinerlei Probleme haben würde, mit der Situation fertig zu werden. Crow sah sich die Drei genau an und wandte sich ihm zu.
„Das sind In Vitros? Was ist den mit denen los?“ „Experimente.“ „Was für Experimente?“
Er blickte sie nur an und atmete dann tief durch. „Ich heiße Jacob Nemoi und Du?“ „Crow.“ Scharf zog er die Luft ein, sein Blick wurde durchdringend.
„Du bist auch ein In Vitro?!“
Ein zweifelnder Tonfall begleite den Satz, der Frage oder Feststellung sein konnte.
„Nein.“
Crow trat näher heran, fast bis zum Gitter und sah ihn direkt an. Jacob blickte in ihre Augen und erschrak. Das hatte er zuvor nicht erkannt, das Licht war einfach zu schlecht gewesen. Ein leises stöhnen rutschte über seine Lippen.
„Crow, Du hast eine Narbe am Genick.“ Automatisch fuhr sie sich über diese. Jacob schüttelte bestürzt den Kopf. Nun wurde es Crow zu bunt, so wollte endlich wissen, was hier los war. „Jacob, sprich Klartext.“ Alles in Jacob wehrte sich gegen die Erkenntnis und er wollte sich am liebsten sofort zurückziehen und sie sofort wieder vergessen, doch das konnte er nicht.
„Spukt Dir nicht manchmal für Sekunden ein Wort durch den Kopf?“ Genervt seufzte Crow. Sie bevorzugte klare direkte Antworten und diese Ausschweifungen kotzten sie an, aber sie antwortete trotzdem.
„Ja.“ „Welches?“ „Raven, aber das hat keinerlei Bedeutung.“ Er schüttelte den Kopf. „Doch, es hat eine sehr große Bedeutung und ich ahne auch schon welche, das wirst Du noch selber herausbekommen und so wie ich das beurteile, wird es nicht mehr lange dauern. Aber nun zu Deiner Frage, was mit den In Vitros los ist.
Sie sind durch Experimente so geworden.“ „Das hast Du bereits gesagt. Geht es auch genauer?“
Geduld war bei Gesprächen nicht eine ihrer Stärken. „Sie wurden durch genetische Manipulationen so. verschiedene Menschliche und auch manchmal tierische Gene wurden mit denen von In Vitros gekreuzt. Das Ergebnis siehst Du ja selbst.“ Jacob hob seine Hände vor ihr Gesicht.
„Du bist auch ein In Vitro. Aber wieso hast Du noch einen Verstand?“ „Andere Gene, mein Gehirn wurde nicht so in Mitleidenschaft gezogen. Ich bin jetzt sieben Jahre alt. Das ganze Projekt dient dazu, den perfekten Kämpfer zu erschaffen. Es hat etliche Jahre gedauert, bis sie dahinter gekommen sind, das ihre Fehltritte mit der Genetik der In Vitros zusammenhingen.
Für die weiteren Experimente haben sie sich dann natürlich Geborene geholt. Dort erzielten sie dann schnelle Erfolge. Mehr Kraft als In Vitros, keine Schmerzempfindlichkeit, gute Augen, gutes Gehör. Unglaubliche Belastbarkeit und Gehorsam. Das war die erste Generation, doch diese hatte einen frappierenden Hang zum Selbstmord.“ Sein Blick schweifte in die Ferne, dann sprach er weiter.
„Die zweite Generation hatte diesen Hang nicht mehr so ausgeprägt, aber sie entwickelte eine Vorliebe zum quälen und töten. Auch nicht sonderlich geeignet, aber wurde trotz alledem vermehrt eingesetzt.
Du gehörst der Dritten Generation genetisch manipulierter Killer an. Die Kraft wurde nochmals erhöht. Kein Gewissen, kein Mitleid, vollkommen Emotionslos. Vorhandene Fähigkeiten wurden gesteigert. Und das wichtigste, bei allen Generationen wurde die Erinnerung an die Person, die man zuvor einmal war, gelöscht.
Manchmal funktionierte dies aber nicht vollständig, einige erinnerten sich noch an unzusammenhängende Bruchteile. Zu meist an das Wort, das sie in der letzten Zeit am häufigsten gehört hatten. Diese wurden dann aus dem Projekt herausgenommen. Entweder getötet oder...“ Sein Blick fiel auf seine Hände. „Hast Du die Deformierten gesehen?“ Crow nickte leicht. In ihrem Kopf schwirrten die gerade erhaltenen Informationen umher. Wortlos ließ sie Jacob stehen und verließ den Raum.
Dieser sah ihr traurig nach. „Es tut mir so leid, Kleines.“
Er kannte die Leute hier zu gut, daher wusste er ganz genau, das man sie um eine gutes Leben betrogen hatte. Hoffentlich wurde sie durch die Erkenntnisse nicht verrückt. Das wäre nicht das erstemal.
Die Möglichkeit in ihr altes Leben zurückzukehren gab es nicht. Sie konnte nicht mal in ein halbwegs normales Leben zurückkehren, den es fehlte ihr dazu einfach zu viel. Er zog sich in die Ecke seiner Zelle zurück und stellte sich in eine schmale Nische. Dort schloss er die Augen. Dies war die einzige Schlafposition, die er seit bereits fünf Jahren einnehmen konnte.
Unbemerkt kehrte Crow in ihr Quartier zurück. Dort schob sie den Stuhl vor den Spiegel, setzte sich darauf und erkundete konzentriert die Frau, die ihr Gegenüber saß. Genetisch manipulierter Killer, anderes Ich, Raven. Das sie anders war wusste sie, aber langsam wurde ein Bild daraus. Begriff sie, das es nicht immer so gewesen war.
Das es da was anderes mal gegeben hat. Waren diese Veränderungen daran Schuld, das ihr eigenes Spiegelbild so fremd war? Ihre Gedanken waren noch ein ungeordneter Haufen von Worten. Am besten vergaß sie das Ganze. Alles was sie gesehen und gehört hatte.
Das gehörte nicht zu ihrem Leben, also war es nicht wichtig. Sie starrte ihrem Spiegelbild in die Augen. Diese nahmen die hellgraue Farbe an. „Lügnerin.“ Crow wusste, das sie es nicht ignorieren konnte. Nicht nachdem was immer wieder mit ihren Augen geschah. Jacob hatte etwas in ihrem Kopf freigesetzt, das nun versuchte, geordnete Bahnen einzugehen.
Mit einem mal kamen ihre Glieder ihr unglaublich schwer vor. Mühevoll schleppte sie sich zu ihrer Pritsche, ließ sich darauf nieder. Kaum schloss sie die Augen, tauchten Bilder auf. Zu schnell, zu kurz um Einzelheiten zu erkennen. Bald versank sie in tiefen Schlaf. Ein Schlaf ohne Träume, den Träumen konnte keiner ihrer Art.
Jacob wanderte in seiner Zelle auf und ab, sein Blick war abwesend. Diese Crow schien sich dazu entschlossen zu haben, alles zu verdrängen. Das taten sie oft und es führte zumeist, zu schlimmen Schäden in ihrem Nervensystem und auch ihr Geist litt darunter. War es ein Fehler darüber zu sprechen? Wenn ja, war es sowieso egal, den nun war es bereits passiert. Ein Geräusch ließ ihn sich umdrehen.
Lasset stand am Zellengitter. In seiner Hand hielt er eine Waffe, diese zielte auf Jacob. Dieser wirkte bei dem Anblick kein bisschen erstaunt oder verunsichert, eher gelangweilt. Dieses Spiel kannte er nur zu gut, vielleicht war es auch diesmal kein Spiel, sondern endlich soweit. Er wäre alles andere als traurig, dieses ‚Leben‘ zu verlassen. Lasset ahnte die Gedanken von Jacob. „Du freust Dich zu früh, Jacob. Ich werde Dich nicht töten, sondern einen Versuch starten.
In dieser Waffe ist ein neu entwickeltes Gift. Es wirkt bei jedem anders, ich möchte wissen, wie es bei Dir wirkt. Diese Idioten aus Deiner Nachbarzelle haben mich enttäuscht und nicht sonderlich lange durchgehalten, keiner von ihnen. Aber die waren auch nur noch genetischer Müll. Ich habe die berechtigte Hoffnung, das Du mich nicht enttäuscht und länger durchhältst, Du hast bis jetzt soviel überstanden.
Es könnte natürlich sein, das sich Deine Optik verändert. Diese Zeug hat den Nebeneffekt, einen von vielen, das es Zellen angreift und zu unkontrollierten Wucherungen führen kann.“
„Weiß Sevall von diesen Test, Lasset?“ „Sevall...“ Lasset machte eine wegwerfende Handbewegung. „Sevall hat hier nichts zu sagen. Das hier ist mein Spiel, nicht seines. Du gehörst mir.“ „Gut zu wissen.“ Für beide unerwartet ließ sich Crow von einer Verstrebung der Decke, hinter der sie sich versteckt hatte, fallen.
Leichtfüßig kam sie auf dem Boden auf. Noch bevor Lasset etwas sagen konnte, umschloss ihre linke Hand bereits seinen Mund und der anderen drückte sie den Lauf der Waffe gegen seinen Körper und löste einen Schuss. Es war nur ein zischender Laut auszumachen, der Körper des Mannes bäumte sich kurz auf und wurde dann erschlaffte er in ihren Armen. Achtlos ließ sie ihn zu Boden fallen.
Ihr Blick haftete die ganze Aktion an auf Jacob. „Wer ist Sevall?“ „Du erinnerst Dich wieder.“ Sie schüttelte den Kopf. „Nicht richtig. Ich weiß nur eines ganz genau, ich bin nicht freiwillig Crow geworden. Man hat das hier...“ Sie deutete an sich herunter. „...gegen meinen Willen getan. Und ich will nun alles wissen.
Und Du, Jacob, wirst es mir erzählen, jedes Detail.“ Jacob trat an die Gitter. „Es wird Dir nicht gefallen und Du kannst nie wieder zurück.“
„Das ist mir klar, aber ich habe keine andere Wahl.“ „Weißt Du nun was ‚Raven‘ bedeutet?“ „Nein.“ „Du sahst früher anders aus.“ „Ich hatte wohl mal graue Augen.“ „Woher weißt Du das?“ „Manchmal, ohne das ich es will, kommen sie für kurze Zeit zum Vorschein.“
Jacob schluckte. „Das ist zuvor noch nie passiert. Pass auf, das dies keiner von ihnen sieht. Wenn die das raus bekommen, dann bist Du nichts mehr wert und endest entweder so wie die Unförmigen oder wirst eliminiert.“ „Wer ist Sevall?“ „Er gehört zu den wichtigsten Leuten bei Aero Tech und das hier ist sein Projekt. Er entscheidet, wer für die Test geholt wird.“ „Erzähl mir genau was passiert.“ Jacob atmete tief ein und aus. Sie begriff ganz genau was er ihr erzählte. Ihr Verstand funktionierte einwandfrei und sie war noch in der Lage, selbständige Entscheidungen zu treffen. Viele von ihnen waren wie dressierte Tiere. Crow war etwas besonderes, das spürte er ganz genau.
„OK. Sevall sucht einen Kandidaten aus. Meistens Militärangehörige, die durch hervorragende Leistungen aufgefallen sind. Dann werden sie geschnappt und offiziell für Tod erklärt, damit das verschwinden nicht auffällt, oder sie werden versetzt, wohin keiner kommt. Die Kandidaten kommen dann hierher.
Hier bekommen sie ca. zwei Wochen lang ein Mittel gespritzt, das den Körper auf die genetischen Veränderungen vorbereiten soll.“
„Drei Wochen.“ Warf Crow ein.“
Drei Wochen, das konnte doch nicht wahr sein. Die wurden immer schlimmer und hemmungsloser. „Drei Wochen, das ist Wahnsinn. So etwas überlebt doch kaum einer, die zwei Wochen überstehen ja nur gerade mal 27 %. Dieser Prozedur ist äußerst Schmerzhaft.“ Crow nickte.
An schlimme Schmerzen konnte sie sich noch erinnern. Sie konnte sie nicht mehr fühlen, aber die Erinnerung war noch da.
„Dann kommt die Implantation der fremden Gene. Es ist eine Mischung aus menschlichen und tierischen Genen. Die wurden in Labors gezüchtet und bereits verändert. Diese werden über das Genick in Deinen Körper transferiert. Daher habt ihr alle dort hinten eine kleine Narbe. Ist auch eine Art Erkennungszeichen. Dann beginnt die Wandlung des Körpers. Das geschieht äußerst schnell. Die Optik ändert sich rapide. Das einzige was alle gleich haben, sind die pechschwarzen Augen, viele sagen auch die seelenlosen Augen.
Zu diesem Zeitpunkt, haben die Kandidaten bereits ein erhöhtes Kraftpotential und die Sinne sind auch geschärft. Und sie besitzen noch Emotionen. Der letzte Schritt senkt die Schmerzempfindlichkeit extrem, löscht Emotionen, wie Angst, Zuneigung, Trauer usw. man hat kein Mitleid mehr oder ein Gewissen. Die Erinnerungen werden gelöscht. Das was übrig bleibt, ist ein gehorsamer, perfekter Killer.“
Crow wandte sich nach dem Jacob geendet hatte Lasset zu. Seine Augen waren unnatürlich geweitet und aus seinem Mund quoll grünlicher Schaum, aber er lebte noch. Sie bückte sich und riss die Erkennungsmarke ab, steckte sie ein. Warum sie das, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, es war eine reine Reflexhandlung. Jacob beobachtete sie genau dabei. „Was machst Du mit Lasset?“
Seine Stimme hatte einen freudigen Unterton angenommen. Lasset würde ihn nie wieder quälen können und er hatte die Hoffnung, das Crow ihm einen schmerzhaften Tod bereiten würde. „In der Nähe ist der Verbrennungsofen, da fällt einer mehr nicht auf.“ Jacob sah Lasset an, dieser konnte sich nicht bewegen, doch an der Panik in den Augen erkannte er, das dieser alles genauestens verstand.
„Er lebt noch, Crow.“ Ein unwirkliches Lächeln umspielte ihren Mund. „Lasset hat einmal gesagt, das ein Gewissen und Schuldgefühle absolut unnötig sind.“ Ohne große Mühe warf sie ihn sich über die Schulter. „Crow, ich habe einige der zweiten Generation gesehen, wie es ihnen ging, als sie sich wieder Bruchstückhaft erinnerten. Es wird hart werden, Crow, verdammt hart.“ „Raven.“ Irritiert blickte sie der In Vitro an. „Mein richtiger Name ist Raven.“ Sie machte sich auf den Weg zur Tür und wandte sich um. „Ich muss mich korrigieren, mein richtiger Name war mal Raven.“ Dann verließ sie fast geräuschlos den Raum.
Der In Vitro sah ihr nach und konnte es sich nicht verkneifen Lasset hinterher zu winken. Er würde ihn nicht vermissen, diesen Mistkerl. Das letzte mal, das er diesen Sadisten gesehen hatte. In ihm kam das Gefühl hoch, das dieses Wesen für gewisse Leute noch ganz schönen Ärger bringen würde. Ein lächeln wanderte auf sein makelloses Gesicht. Mitleid hatte er keines mit Lasset, den dieses hatte man ihm auch genommen. Brenne wohl, mein lieber Lasset.
Vielleicht konnte sie für ihn die Rache nehmen, für alles was sie ihm und allen anderen angetan hatten. Raven. Das hatte er vermutet, das es ihr Namen war. Sie musste beim Militär oder Marine gewesen sein, eine der Besten. Dort hörte man am meisten seinen Nachnamen. Sie hatte eine schlimme Zeit vor sich, noch viel schlimmer, als die Zeit der Umwandlung. Doch er würde sie leiten, bis sie soweit war. Sevall, hier war eine kleine Überraschung für ihn.
Lasset hatte das Gefühl, alleine schon vor Angst gleich zu sterben. Das Mittel hatte seinen Körper vollkommen gelähmt. Und fühlte, das es weiter in ihm arbeitete und mit jeder Sekunde mehr Schaden in seinen Systemen anrichtete. Für Notfälle hatte er immer das Gegenmittel dabei, aber wie sollte er daran kommen, er konnte noch nicht mal seinen kleinen Finger bewegen, Geschweige den mit der Hand in seine Jackentasche greifen, eine kleine Flasche rausnehmen, aufschrauben und dann es zu trinken.
Und dann das Gespräch zwischen Jacob und Crow. Lasset hatte nicht mal andeutungsweise geahnt, wie viel Jacob über das ganze Projekt wusste. Da waren Details dabei, die er nicht kannte. Er hatte Jacob unterschätzt, ebenso Crow.
Sie erinnerte sich wieder und zwar zu gut, das deutete darauf hin, das die OP, die genau dies unterbinden sollte, ein kompletter Fehlschlag gewesen war. Es würde nicht mehr lange dauern und sie konnte sich an alles erinnern.
Und ihm wurde nun auch bewusst, das ihn Crow schon seit geraumer Zeit was vorgemacht hatte, ohne das es ihm aufgefallen war. Lasset notierte sich dies in Gedanken, das musste er genauer untersuchen und nach eine Lösung schauen. Lösung! Crow war mit ihm auf den Weg zum Verbrennungsofen und das Gift arbeite weiter unaufhörlich in seinem Körper.
Er hatte gerade wirklich ganz andere Probleme zu lösen. Es ging hier um sein nacktes Leben. Die kurz vergessene Angst nahm wieder von ihm Besitz. Niemals würde ihn Crow am Leben lassen. Das war gegen ihren Überlebenswillen. Er, Lasset, war eine Gefahr und musste beseitigt werden, so, das niemand auf sie kommen würde. Sie kannte sich zu gut aus in den Gängen, als das sie zum erstenmal hier gewesen wäre.
Geheimnisse über Geheimnisse und er hatte gedacht, er kannte alles über Crow, das sie ein einfach gestricktes Wesen wäre. Im wurde bewusst, da an seinen Beinen erhöhte wärme zu spüren war. Mit Schrecken wurde ihm klar, das sie bereits ihr Ziel erreicht hatten. Der Verbrennungsofen war Riesen groß. Sein Zugang war oben und eine kleine Brücke erleichtere den Weg dorthin. Er erzeugte so eine große Hitze, das von einem Menschen nur noch Staub übrig blieb.
Sein Zweck war, alle unnötigen und unsinnigen Testergebnisse und Personen schnell und effektiv zu beseitigen. Alles in Lasset werte sich gegen den bevorstehenden Tod, doch er konnte keinen Muskel rühren. Der Schweiß stand im auf der Stirn. Ruckartig wurde sein Körper nach vorne geworfen. Sie ging nicht zimperlich mit ihm um, aber er bemerkte das nicht mal. Die Panik hatte ihn nun erfasst. Kein Hoffnung mehr darauf, es zu überleben. Entweder besorgte es ihm das Feuer oder das Gift.
Ein natürlich Geborener Mensch, hielt noch weniger durch, als genetisch manipulierte, irrsinnige In Vitros. Die Öffnung des Ofens war nun nur noch knapp einen Meter von ihm entfernt. Sie war zwei auf zwei Meter, und es ging sicherlich gut sechs Meter in die Tiefe. Immer stärker fühlte er die Hitze und dann wurde er schon hinein geschoben. Das glühende Feuer umgab sofort seinen Körper und löschte den Rest leben aus ihm aus.
„Verdammt, was machst Du da Crow?“ Hunt stand direkt, kaum zwei Meter hinter ihr. Langsam drehte diese sich um und sah ihn unbeteiligt an. Man könnte meinen, als ob gerade kein Mensch durch sie den Feuertod erlitten hätte. Hunt konnte dies auch nicht fassen, was er da gerade gesehen hatte.
Und dadurch vergaß er auch, wer vor ihm stand. Er bemerkte nicht mal, das sie ein gutes Stück näher gekommen war. Blitzschnell riss sie ihm seine Erkennungsmarke ab und griff in der nächsten Sekunde nach seine Kragen. Crow ließ sich nach hinten fallen und zog Hunt mit Schwung über sich. Er flog genau in den Ofen. Zielsicher war sie ja schon immer gewesen. Hunt hatte nicht mal die Chance zu schreien. Kaum war dies geschehen, verschwand Crow schnell aus dem Bereich.
In ihrem Quartier versteckte sie die Erkennungsmarken unter dem Waschbecken. Dann legte sie sich auf ihr Bett. Sie fühlte sich so entspannt, wie schon seit langem nicht mehr. Anscheinend hatte auch die Dritte Generation den Hang zum töten oder war es ihr Überlebenswille gewesen, der sie dazu trieb? Oder hatte es ihr einfach nur Vergnügen bereitet? Crow war es egal, es hatte ihr gut getan, das war das einzige was zählte.
Das verschwinden von Hunt und Lasset wurde am nächsten Tag, gleich in der Früh bemerkt. Doch die Suche im Komplex ergab keinerlei Spuren von den beiden Männern. Bald verlagerte man die Suche nach außerhalb. Crow verfolgte die Sache mit großem Interesse, aber für alle Beteiligten wirkte sie desinteressiert wie immer.
Alle ihre Sinne waren angespannt, ob jemand etwas ahnte, doch nichts deutete darauf. Fünf Tage wartete sie ab, bis sie wieder zu Jacob ging. Und von da ab, jede Nacht. Ein Vorteil ihres neuen Körpers war, das sie nicht sonderlich viel Schlaf benötigte. In diesen Wochen kehrte Stück für Stück die Erinnerungen zurück.
Erinnerungen die nicht angenehm waren, manchmal hatte sie das Gefühl, die Schmerzen körperlich zu fühlen. Und dann war alles wieder da. Jedes Stück ihres Lebens und die grausame Zerstörung jenes. Sie musste sich oft beherrschen, das sie nicht auf diejenigen losging, die es ihr angetan hatten. Töten, das wollte sie, aber sie musste warten, auf eine bessere Gelegenheit.
Denn in ihr war ein Gedanke beherrschend vorhanden. Sie wollte sich bei jedem dieser Schweine persönlich für das ‚Geschenk‘ bedanken. Ein große Hilfe dabei war ihr Jacob. Er wollte auch wie sie Rache. Das einzige Gefühl, das sie nicht hatten löschen können. Und das Ende dieses Projektes und er wusste hervorragend darüber Bescheid, kannte jedes noch so grausame Detail.
Woher er seine Kenntnisse aber hatte, erzählte er Crow nie. Diese ahnte, das man ihm viel mehr angetan hatte, als ‚nur‘ verstümmelt. Irgendwann würde er es ihr schon erzählen, oder auch nicht. Den auch wenn er es ihr anvertrauen würde, was sollte sie ihm den darauf hin erwidern. Sie könnte ihn nicht trösten, den sie wusste gar nicht, was überhaupt dieses Wort bedeutete. Mit Emotionen konnte Crow nichts anfangen. So was gab es in ihrer Existenz nicht mehr.
Jacob war beunruhigt. Seit zwei Tagen schlich Baker verdächtig oft um ihn herum. Sie war die Assistentin und Geliebte von Lasset gewesen. Anscheinend brachte sie ihn mit dem Verschwinden von Lasset in Verbindung. Das war nicht gut. Konnte Probleme bedeuten. Probleme die weder er noch Crow jetzt gebrauchen konnten. Sie waren ein gutes Stück in ihrem persönlichem Kampf weitergekommen. Also entschied er sich, anzugreifen. Wieder mal schwänzelte sie um ihn herum, beobachte ihn genau. „Baker, was führt Sie so oft zu mir? Das bin ich ja gar nicht gewöhnt.
Wollen Sie da weiter quälen, wo Ihr widerlicher Freund Lasset aufgehört hat?“ Die Frau funkelte ihn Böse an. „Lasset ist Wissenschaftler und Forscher.“ „Er WAR ein Sadist.“ Die Vergangenheitsform betonte Jacob mit Genuss. Baker reagierte auch gleich so, wie von ihm erwartet. „Was meinst Du mit war?“ Sie trat einige Schritte näher an Jacob heran. „Asche.“ Verwirrt noch näher. „Asche?“ Kam es leise über ihre Lippen.
„Ja, er ist wie Hunt nur noch ein Häufchen Asche.“
Kalkweiß wurde ihr Gesicht. „Er... ist tot?“
Jacob nickte, packte sie und zog hart zum Gitter. Seine Stimme wurde weich und schmeichelhaft. „Genau wie Du, Baker, genau wie Du.“ Mit der einen Hand hielt er sie fest mit der anderen umschloss er ihren Hals und drückte zu.
Die Frau versuchte noch sich zu wehren, aber da hatte er ihr schon den Kehlkopf zerdrückt und auch das Genick gebrochen. Bevor er sie zu Boden gleiten ließ, riss er ihr noch ihre Erkennungsmarke ab.
„Wie wenig ihr natürlich Geborenen aushaltet, es ist doch immer wieder erstaunlich. Kein Wunder, das ihr soviel Angst vor uns dann habt. Vor unserer Stärke.“
Er beschäftige sich noch einige Zeit mit der Erkennungsmarke der Toten und steckte sie dann in seine Hosentasche. Die Leiche lag gegen das Gitter gelehnt.
Jacob ergriff ihre Haare und zog sie daran hoch. Nun begann er mit der einen Hand, Knochen in ihrem Körper zu brechen. Bald konnte er ihn durch das Gitter ziehen. Achtlos verstaute er Baker in einer dunklen Ecke. Vorerst würde sie da bleiben, später konnte sie Crow entsorgen.
Würde sie zu ihrem Geliebten Lasset bringen. Dann waren sie wieder vereint, wie sich Baker das immer gewünscht hatte. Na ja, vielleicht nicht ganz so, wie es nun gelaufen war. Ein verächtliches Grinsen überzog Jacobs Gesicht. Töten konnte wirklich richtig angenehm sein. Mal nicht das Opfer sondern der Täter sein. Eine ungewöhnliche Erfahrung, die er schon lange nicht mehr gemacht hatte. Es gab ihm ein erhebendes Gefühl.
Crow brachte die Leiche weg, ohne Fragen zu stellen. Bevor sie die diese auf die gleiche Weise aus dem Weg schaffte wie zuvor Hunt und Lasset, gab ihr Jacob die Erkennungsmarke. Er wusste, das sie diese sammelte.
„Ein kleines Andenken an unsere gemeinsame Freundin. Leg sie zu den Anderen.“
Nachdem sie die Spuren beseitigt hatte, kehrte Crow in ihr Quartier zurück. Dort erwartete sie bereits Ramsey. Seine Haltung war angespannt und er schien wütend zu sein.
„Crow, wo warst Du?“
„Trainieren.“
Er schnaubte verächtlich. „Du warst in keinem Übungsraum.“
„Mentales Training.“ Von ihm und seiner unfreundlichen Art unbeeindruckt ließ sie sich auf ihrem Bett nieder. Dabei verlor sie ohne es zu bemerken die Erkennungsmarke von Baker.
Diese fiel lautlos auf den dicken Bettvorleger, den sie für ihre gute Arbeit vor zwei Tagen als Belohnung bekommen hatte. Ramsey bekam es mit, doch er schwieg. Wie durch Zufall ließ er seinen Schlüssel fallen und hob beides unauffällig auf.
Schnell steckte er die Sachen in seine Hosentasche und verließ ohne weitere Worte den Raum. Für Crow war das nicht ungewöhnlich. Mit etwas wie ihr gingen sie nicht höflich um, warum auch, das gehörte nicht zu ihren Job.
Erst ein gutes Stück von ihrem Quartier entfernt, zog er die Marke hervor. Erstaunt lass er den Namen ‚Baker Natalie‘. Wieso besaß das Projekt Crow die Erkennungsmarke von Lassets Assistentin. Das letzte mal als er sie gesehen hatte, war sie gerade zu Jacob, Lassets Lieblingsprojekt, gegangen. Seit dem nicht mehr. Da war was nicht in Ordnung. Er lenkte seine Schritte in einen abgesperrten Raum, den er aufschloss und bald darauf wieder verließ. Dann schlug er die Richtung zu Jacobs Gefängnis ein.
Jacob schleckte sich genüsslich die schuppigen Finger ab. Seine Lippen waren unnatürlich rot. Er wusste ganz genau, das Crow bekannt war, was er mit einem Teil der Leiche von Baker getan hatte, doch sie reagierte nicht im geringsten darauf. Es schien ihr vollkommen egal zu sein.
Uninteressant. Meistens hatte er ja auch seine Gelüste unter Kontrolle, aber als die Leiche so in der Ecke lag, die Knochen zu Brei, da strömte dieser spezielle Geruch aus ihr. Und dann musste er einfach zu beißen.
Bei ihm gab es neben der körperlichen Veränderung, noch eine weitere. Er wurde zum Kannibalen. Dieser Effekt wurde häufiger bei den Kandidaten festgestellt. Hier konnte er seiner Leidenschaft nicht nachgehen.
Wie auch, eingesperrt, abgeschottet. Er registrierte die Türe, wie sie geöffnet und wieder geschlossen wurde. Das war auf keinen Fall Crow. Sie machte keinerlei Lärm, wenn sie ihn besuchte. Doch den Besucher hatte er nun wirklich nicht erwartet. Der kam eigentlich nie vorbei. Ramsey, der gehorsame Schüler von Lasset. Äußerst intelligent und vor allem viel vorsichtiger als sein jetzt Toter Lehrer.
„Du hast gefressen, Jacob. Was? Es ist noch keine Fütterungszeit.“ Ramsey gehörte zu den wenigen, die den genauen Hintergrund von Jacob kannten, mit allen Nebeneffekten. Der Angesprochene zuckte nur mit den Schultern. Langsam zog Ramsey die Erkennungsmarke hervor und warf sie Jacob zu.
Dieser fing sie geschickt auf. „Hast Du sie gefressen?“ Jacob betrachtete die Marke genau. Sie hatten also Crows Geheimnis entdeckt. Nun war alles aus und vorbei. Der In Vitro fiel innerlich in sich zusammen.
Das einzige, was ihn in den letzten Wochen noch am Leben erhalten hatte, das ihn wieder etwas Leben ließ, war Crow. Er hatte es sich zum Ziel gemacht, ihr alles zu erzählen, was er über die Projekte wusste. Jedes einzelne Detail sollte sie erfahren, um vorbereitet zu sein für den Gegenschlag. Das war nun vorbei.
Noch bevor sie richtig zuschlagen konnten, war es vorbei. Also wollte er auch nicht mehr leben. Seit fünf Jahren lebte er in der schlimmsten Hölle und nun wollte er nicht mehr. Es war genug. Es war an der Zeit zu gehen, für immer.
„Ja.“ Obwohl Ramsey dies bereits geahnt hatte, rechnete er nicht mit dieser direkten Antwort. Sie schockte ihn. „Warum?“ „Ich hatte Hunger.“ Innerlich würgte Ramsey. Er wusste nicht was ihn mehr anekelte, die Tatsache, das er einen Menschen angefressen hatte oder dieser abgebrühte Tonfall, mit der Jacob sprach. In ihm stieg unbändige Wut auf.
Er zog eine verborgene Waffe und schoss sofort. Die Kugel traf Jacob in den Bauch, er zeigte nur eine leichte Reaktion, blieb aber standhaft stehen. Doch vier Kugeln später kippte er um, wie ein gefällter Baum. Blutüberströmt lag er da.
Ramsey war ein verdammt guter Schütze und er wusste nur zu genau, wohin er bei diesen Wesen zielen musste. Er öffnete das Gitter zu Zelle und trat zu Jacob. Dieser grinste ihn abschätzend an. Fluchtartig verließ Ramsey den Raum. Er ahnte, das Baker nicht das einzige Opfer von Jacob und Crow war. Das bedeutete Crow war Fehlerhaft und diesen Fehler musste er beheben und zwar sofort. Und auch Rache nehmen, für den Tod dieser drei Menschen.
Fortsetzung folgt
Autor: Christine
Copyright © 2002 Alle Rechte beim Autor. Nachdruck, aus Auszugsweise, Veröffentlichung oder Vervielfältigung jeglicher Natur ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors erlaubt.
Die Charaktere
und Situationen der Serie "Space: Above & Beyond" wurden von Glen
Morgan und James Wong, Fox Broadcasting und Hard Eight Productions kreiert und
basieren auf ihren Ideen. Alle Handlungen in dieser Geschichte sind frei
erfunden und nur die Charaktere stimmen mit "Space: Above & Beyond"
von Glen Morgan und James Wong überein.
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