Die Dritte Generation
by Christine Frieben  

Teil 4

Weder Jacob noch Crow durften am Leben bleiben. Vor ihrem Quartier holte er noch einmal tief Luft und trat ein. Diese lag noch immer auf ihrem Bett. Ramsey schloss hinter sich die Tür. Crow setzte sich auf und blickte ihn gelangweilt an. 

„Du hast Jacob geholfen, Baker verschwinden zu lassen.“ Crow zog nur die Augenbraue hoch, ihr Blick fiel auf die Schuhe von Ramsey, da entdeckte sie das Blut daran. Ruckartig stand sie auf. Ramsey richtete die Waffe auf ihren Kopf. „Ich habe hier die Marke von Baker gefunden, sie ist Dir aus der Tasche gerutscht.“ 

Ihr Blick war noch immer auf das Blut geheftet. Seine Worte interessierten sie nicht, nur woher das Blut kam. „Was hast Du mit Jacob gemacht?“ 

„Er hat gezahlt, genau wie Du zahlen wirst. Fehlerhaft, Du weißt was das bedeutet.“ Sein Finger wollte sich gerade krümmen, er musste zwischen die Augen treffen. Doch er hatte Crow unterschätzt. 

Blitzschnell zuckte ihr Arm vor und sie packte die Waffe, drehte sich schnell um ihre eigene Achse, dabei brach sie Ramsey einige Finger. Zu letzt drehte sie ihm den Arm mit der Waffe auf den Rücken. Crow trat etwas seitlicher neben ihn und drehte seinen Kopf zu sich. Sie rückte näher und beide starten sich an. Der Mann sah zum erstenmal, wie sich ihre Augen veränderten. „Fehlerhaft...“ Ihre Stimme war kalt. „...das ist wohl untertrieben. 

Ich kann mich an alles erinnern, an wirklich alles. Schöne Grüße von Elia Raven. First Lt. des Space Marine Corps, Angry Angel.“ Mit der freien Hand riss sie seine Marke vom Hals. „Die kommt zu der von Lasset, Hunt und Baker. Und ihr werden noch viele Andere folgen. Ich bin erst am Anfang meines kleinen Krieges.“ 

Er war so baff, das er nicht in der Lage war, die Situation mit allen Konsequenzen für sich zu erfassen. Ein unheilvolles Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Das habe ich von Jacob abgeschaut. Ich finde es gut, die Leute werden davon nervös. 

Und sie haben allen Grund dazu.“ Sekundenlang ließ sie ihn los, nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände und zack, war das Genick gebrochen. Diesmal brachte sie die Leiche nicht zum Ofen, sondern warf sie eine steile Treppe hinunter. Danach lud sie seine Waffe nach und brachte sie zurück in die Waffenkammer. 
Nachdem sie alles erledigt hatte, schlug sie zum letzten mal den Weg zu Jacob ein. Er würde nicht mehr am Leben sein, aber sie wollte ihn doch noch einmal sehen. Es war ihr Krieg. Jacobs und Crows. 

Kein Schmerz war zu spüren, das war ausnahmsweise mal was angenehmes, seit seiner Umwandlung. Doch dieser blutige Geschmack im Mund. Es quoll ihm nicht nur aus der Bauchwunde, sondern auch über die Lippen. Darauf hätte er verzichten können. Sein Blick haftete an der Decke. Verdammt, eine kalte dunkelgraue Betondecke war nicht gerade das, was er sich als letzten Anblick in seinem Leben gewünscht hatte. Da tauchte über ihm Crows Gesicht auf. Sie beugte sich gerade über ihn. Dieses Miststück lebte noch. Eigentlich hätte er sich das denken können. 

„Ramsey...“ Seine Stimme hatte an Kraft verloren. Crow hob zwei Erkennungsmarken an ihren Ketten hoch. „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, das er einen bedauerlichen Unfall hatte. Ich wollte mal etwas anderes machen, als nur immer den Hochofen.“ Jacob wurde bewusst, das er sich davor geirrt hatte, sein Lebensinhalt lebte noch, aber es war zu spät. Und auch wenn er sie sah, er wollte einfach nicht mehr. 

Seine Zeit hatte viel zu lange gedauert. Eigentlich hätte er am besten nie leben sollen. Er freute sich nur, zu sehen, das es jemanden gab, der gegen sie antreten konnte und das ganze unsägliche Grauen beenden konnte. 

„Nimm Dich vor Sevall in acht.“ „Das werde ich, Jacob. Ich werde das beenden, was wir angefangen haben.“ Jacob nickte leicht. Sie konnte tun, was er sich so oft ausgemalt hatte. „Pass auf Dich auf, Elia Raven...“ Die Augen brachen. Crow ging neben ihm in die Hocke. „Elia Raven lebt nicht mehr, die braucht sich nicht mehr in Acht zu nehmen. Und Crow wird sich in Acht nehmen und sich jeden holen, zuletzt Sevall.“ 

„Danach verschwand ich aus Jacobs Bereich. Es war das letzte mal, das ich mich dort aufgehalten hatte. Zwei Tage später kam ich auf einen geheimen Militärstützpunkt gekommen. Man brachte mich nie mit dem verschwinden von Lasset, Hunt und Baker in Verbindung. Auch der Tod von Ramsey, wurde schnell als Unfall eingestuft. 

So etwas gab es dort häufiger. Ich kam alle paar Wochen auf andere Stationen. Immer waren welche meiner Schöpfer dabei. Und wenn ich die Chance hatte, nutzte ich sie und es kam zu unangenehmen Unfällen. Mein Training zeigte mir genau, wie ich es am besten anstellen konnte, ohne dabei erwischt zu werden. Auf dem Gebiet, ist meine Ausbildung einmalig gut gewesen.“ „
Sie haben Dir alles genommen.“ Cooper konnte das gehörte kaum erfassen. Dann sah er sie an. Crow grinste leicht.

Wie konnte sie das nach dieser Erzählung nur? Doch dann fiel es ihm wieder ein, keinerlei Emotionen. Das war nicht mal ein richtiges Grinsen, sondern eine Imitation. Da kam nichts von innen. 
„Also Cooper, jetzt will ich aber endlich wissen, wie Du von meiner Art erfahren hast.“ Genau das wollte er ihr gerade erzählen. „Kannst Du Gedanken lesen?“ 
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, aber bei In Vitros fällt es mir besonders leicht, das Verhalten einzuschätzen. Euch habe ich so gut wie möglich studiert, weil ihr die einzigen Wesen seit, die mir nie etwas getan haben.“ 

Der junge Mann fuhr sich durch seine Haare. „Ich bin aus der In Vitro Anstalt abgehauen, weil man mich umbringen wollte. Ich war in ihren Augen Fehlerhaft. Danach habe ich mich mit einigen miesen Jobs über Wasser gehalten. Fünf Monate nach meiner Flucht hatte ich mal wieder kein Geld und auch keinen Schlafplatz. Ich fand einen in einer Ruine. Dort befanden sich schon vier Typen, In Vitros. Sie waren alle Deformiert und hatten auch schlimme Verletzungen. 

Sie erzählten mir von der ultimativen Killer-Züchtung von Aero Tech. Diese sollten eine spezielle Abneigung gegen In Vitros haben. Diese wurden für diese neue Rasse als Übungsobjekte für die Ausbildung benutzt. Eines Abends suchte ich mir einen höheren Schlafplatz. Ich wollte ihre grausamen Geschichten nicht mehr hören. Ich glaubte auch nicht daran, hielt sie für verrückt, bis...bis... mitten in der Nacht wachte ich auf und sah sie...“ Vor Coopers inneren Auge tauchten die grausamen Bilder auf. 

„Sie haben die armen Kerle in Stücke gerissen und das mit bloßen Händen. Ganze Organe raus gerissen.“ Crow schien von der Geschichte unbeeindruckt zu sein. 
„Jäger. Die metzeln alles nieder, was ihnen in die Quere kommt, die zweite Generation.“ Hawkes fühlte sich in ihrer Gegenwart plötzlich unwohl. Doch er riss sich zusammen. 

„Ich konnte durch das Mondlicht die Augen erkennen, ich hatte nur noch Angst...“ „Kann ich verstehen. Ich bin dazu auch ohne weiteres in der Lage. Jeder von uns kann das. 
Wir sind um einiges kräftiger als In Vitros und Menschen. Aber keine Sorge, ich tue Dir nichts.“ Hawkes stand auf. „Ich muss gehen, das ganze erst mal verarbeiten. Was hast Du als nächstes vor, Crow?“ 

Sie erhob sich ebenfalls, ihre Augen waren wieder schwarz. „Cooper Hawkes, das willst Du gar nicht wissen.“ Da war sich der junge Mann sicher. 
Fast fluchtartig verließ er ihr Quartier. Sie stand einige Zeit regungslos da und dachte nach. Das war das erstemal, das sie jemanden alles erzählt hatte. Sie fühlte genauso wie zuvor. Nämlich gar nichts. Hatte sie das Gefühl der Erleichterung erwartet? Aber was genau war eigentlich Erleichterung gewesen? 
Für sie war es nur noch ein Wort, ohne Bedeutung, da sie es nicht zustande brachte, dieses oder irgendein Gefühl zustande zu bringen. Warum auch, sie brauchte sie nicht mehr. Aber Hunger hatte sie bekommen. 

Cooper machte sich auf den Weg ins Quartier. Dort waren die anderen Wildcards und diskutierten über den nächsten Erkundungsflug. Shane stand von ihrem Bett auf und ging auf ihn zu. „Coop, morgen um 7 geht es los. Wir sollen uns im Remonsektor umsehen. Es ist ein Erkundungsflug. Deck 14.“ 
Ein kurzes Nicken kam als Antwort von dem jungen Mann vor ihr, dann schnappte er sich schon seinen Discman und verschwand aus dem Raum. Er musste alleine sein, nachdenken, sich vollkommen abschotten. Vanessa schüttelte den Kopf. „Dieses neue Interaktivspiel hat es Coop ganz schön angetan. Ist es wirklich so gut Paul?“ „Ich weiß nicht, mir hat das erste besser gefallen, aber wenn‘s ihm Spaß macht und er dabei entspannen kann, warum nicht.“

„Hoffentlich übertreibt er das nicht.“ Shane wandte sich Vanessa zu, die beiden hatten ein interessantes Gespräch kurz unterbrochen. Nur Nathan hatte ein komisches Gefühl. Mit Cooper stimmte was nicht und er wollte wissen, was los war. Also folgte er seinem Freund unauffällig. 

Genervt schaltete Hawkes seinen Discman aus. Das half nichts, er wurde diese Bilder nicht los. Er hatte noch nicht mal bei den Chigs eine solche Brutalität erlebt, wie bei diesen...wie nannte Crow sie...Jäger, genau, wie bei diesen Jägern. Er hatte am Anfang den anderen In Vitros nicht glauben können, dachte das sie einfach nur übertrieben, doch dann hatte er es mit eigenen Augen gesehen. 
Und trotz dieser Tatsache fiel es ihm schwer, es sich bewusst zu machen, das es kein Alptraum war. Es gab diese Jäger tatsächlich. Alles was sie erzählt hatten, entsprach der Wahrheit. Plötzlich erschien neben ihm ein Schatten, seine Muskeln spannten sich an, doch als er erkannte wer sich neben ihn setzte, wurde er gleich wieder ruhig. 

„Hey Nathan, was willst Du hier?“ 

„Ich mache mir Sorgen um Dich, Cooper. Du scheinst ein riesiges Problem zu haben und ich will Dir helfen.“
Hilfe, was für ein schönes Wort, genau das konnte er gebrauchen, doch was würde passieren, wenn er Nathan Crows Geschichte erzählte. Die Sammlung von Erkennungsmarken erwähnte? Nathan müsste es melden, wie es eigentlich bereits er hätte tun müssen. Nein, er durfte...konnte sie nicht verraten. Nicht nur das er selber in Teufelsküche kommen würde, wenn er nicht gerade schon das Gefühl hätte direkt im Höllenfeuer zu sitzen. 

„Du kannst mir nicht helfen. Das muss ich alleine regeln.“ 

„Hat es war mit Crow zu tun?“ Das war von Nathan ein Schuss ins Blaue und nach dem erschrockenem Gesicht seines Freundes zu urteilen, ein Volltreffer. In der ersten Schrecksekunde dachte Cooper, Nathan alles wusste, aber dies konnte nicht sein. Sein leichtes Nicken war ihm dabei gar nicht bewusst geworden. Nathan spürte, das dies auch schon alles war, was er von ihm erfahren würde. Jedenfalls vorerst würde Cooper nicht mehr dazu sagen. 

Aber es gab noch eine andere Möglichkeit, mehr zu erfahren. Voller Tatendrang stand West auf, legte seinem Freund die Hand auf die Schulter. 

„Egal wann, wenn Du reden willst, Cooper, ich bin für Dich da.“ 

„Danke Nathan.“ Komisch, der Mann der ihm am meisten gehasst hatte, als sie ausgebildet wurden, war nun sein Freund, ein wahrer Freund. Sein bester und trotzdem bekam er kein Wort über seine Lippen. 

Nathan zog sich zurück und lenkte seine Schritte zu Captain Crows Unterkunft. Bald stand er vor der Tür und überlegte, wie er das Ganze am besten Anfangen konnte, holte tief Luft und klopfte. Ein deutliches Herein war zu vernehmen. Schnell öffnete er die Tür und verschloss sie gleich darauf hinter sich wieder. Verwundert blickte er sich in dem kleinen Raum um, von Crow war keine Spur auszumachen. Und die Schränke waren zu schmal, als das sich darin ein Mensch hätte verstecken können, warum auch. Aber er hatte doch eine Stimme von hier gehört.

„Was ist West?“ Erschrocken zuckte Nathan zusammen. Sein Blick fuhr nach oben und da hing sie, an zwei Magnethaftern. Sie hielt sich nur mit diesen fest, ihr Körper schmiegte sich fest an die Decke. Woher hatte sie dafür die Kraft? 

„Wie können Sie das, Captain?“ Sie ließ los und landete leichtfüßig auf dem Boden. „Vielleicht habe ich Fledermausgene im Körper.“ 

Unsicher überlegte Nathan, ob dies ein Scherz gewesen war. Scherze, so was hatte Crow hier noch nie gemacht oder mal gelacht oder überhaupt eine Emotionen gezeigt. Ein Blick in ihr Gesicht genügte, um zu merken, das es keiner war. Sie trug ihre Brille nicht und diese Augen lähmten für Augenblicke seinen Verstand. Er schüttelte sich leicht, um die Benommenheit loszuwerden. „Ich...ich bin wegen Cooper Hawkes hier, Captain.“ Keinerlei Reaktion. Diese Frau hatte die perfekte Körperbeherrschung...oder konnte sie vielleicht gar nicht anders? 

Verdammt, dauernd schweiften seine Gedanken ab. Es fiel ihm unglaublich schwer, sich auf den Zweck seines hierseins zu konzentrieren. Er räusperte sich. „Cooper hat Probleme...und sie...sie hängen mit Ihnen zusammen.“ Noch immer keinerlei Reaktion. Sie bewegte sich nicht im geringsten, es wirkte fast so, als ob sie nicht mal atmete. Verdammt noch mal, das machte Nathan rasend. Es ging hier um seinen Freund und sie kümmerte sich einen Dreck darum, obwohl sie daran Schuld war. Unbeherrscht fuhr er sie an. „Was haben Sie mit Cooper nur gemacht?“ 

Die erste Reaktion, sie ob eine Augenbraue, diese Bewegung wirkte gelangweilt und unbeteiligt. Fassungslos blickte er sie an. Mit dieser winzigen Bewegung hatte sie ihn vollkommen aus dem Konzept gebracht. Wortlos drehte Nathan sich um und wollte fluchtartig den Raum verlassen. Er stand schon im offenen Türrahmen, die Klinke zum schließen in der Hand, da sagte sie endlich etwas. 

„Nehmt Euch vor Sevall in acht. Richte Cooper aus, er soll es ihm auf keinen Fall zeigen, das er es weiß.“ Obwohl dies nicht die Worte waren, die er erwartet hatte, war er erleichtert. Nun schloss er die Tür und kehrte ins Quartier zurück. Shane, Vanessa, Paul und Cooper, seine Leute, seine Familie. Er freute sich sie alle zusammen zu sehen. Die Begegnungen mit Crow waren einfach zu unheimlich. 
„Hört mir mal zu, ich habe gerade mit Crow geredet, sie warnt uns vor Sevall.“ Paul erhob sich von seinem Bett. 
„Das man dem Mistkerl nicht trauen kann, weiß jeder von uns bereits. Weiß sie was genaueres?“ „Denke schon mal, aber sie hat mir nur die Warnung mitgegeben. Anscheinend kommt da was größeres auf uns zu.“ 
„Wie beruhigend.“ Vanessa verzog ihr Gesicht zu einer ablehnenden Grimasse. Nathan nahm Cooper zur Seite. „Crow hat mir eine Spezielle Warnung für Dich mitgegeben. Du sollst Sevall nicht zeigen, das Du es weißt.“ 
„Danke Nathan. Ich würde Dir gerne alle erzählen, aber...“ Nathan hob beschwichtigend die Hände. „Wenn es soweit ist, dann bin ich für Dich da, Cooper.“ Nathan legte sich in sein Bett. Die nächste Zeit würde er verstärkt auf seinen Freund aufpassen. 

Sevall würde weder Cooper noch sonst jemandem von den Wildcards etwas tun, auch nicht Crow. Man, jetzt machte er sich schon sorgen, um diese seltsame Frau. Der Krieg hatte seltsame Auswirkungen auf sein Gefühlsleben. 

Ross betrachtete die junge Frau vor sich genau. Crow war heute gleich in der Früh vor ihm gestanden und fragte nach, ob sie die Wildcards bei dem Erkundungsflug begleiten konnte. Sie fühlte sich Nutzlos und wollte etwas tun. Der Commodore wusste so gut wie nichts über den Captain. Sie gehörte einer Spezialeinheit an, gehörte da zu den besten, aber das war es dann auch schon. Höchste Geheimstufe. 

„Einverstanden, doch Sie unterstehen dem Kommando von Captain Vansen.“ 
„Ja, Sir.“ 
„In 15 Minuten, Deck 14. Ein Fliegerausrüstung...“
„...habe ich dabei, Commodore Ross. Ich bin immer auf alles vorbereitet.“ 
„Gut, Sie können wegtreten, Captain.“ 

Beim verlassen der Brücke kam ihr McQueen entgegen, sie grüßte ihn Ordnungsgemäß und verschwand. McQueen blieb kurz stehen. Wie meistens hatte sie die Brille auf. Das gefiel ihm nicht, er wollte seinem Gegenüber immer gerne in die Augen sehen. Dann riss er sich von seinen Gedanken los und machte sich auf den Weg zum Commodore. 
„Guten Morgen, Ty.“ 
Verwundert registrierte er, das Ross anscheinend bester Laune war. Dies war neu, den seitdem die Nachricht von Sevalls Erscheinen bei ihm gelandet war, stand es mit seiner Laune nicht zum besten. 
„McQueen, Captain Crow fliegt bei den Wildcards mit.“
Der ältere In Vitro hatte zu Anfang das Gefühl, sich verhört zu haben, doch das schien nicht der Fall zu sein. 
„Aber Sevall hatte doch ausdrücklich angeordnet, das Captain Crow bei keinem Einsatz eingesetzt werden dürfte, bis er mit den neuen Befehlen auf der Saratoga eintrifft und das ist erst Morgen, Sir.“ „Ich weiß.“ 
Ein breites Grinsen machte sich auf dem Gesicht des Farbigen breit. Nun musste McQueen auch grinsen. Sevall würde ausrasten und genau das bezweckte der Commodore. 

Mit gemischten Gefühlen vernahmen die Wildcards, das Crow bei ihnen mit flog. Shane wusste nicht, wie sie das Kommando der Wildcards führen würde. Crow war ein Profi, aber eher ein Einzelkämpfer, wie kam sie mit einem Team klar? Doch diese nahm Shanes Grübeleien gleich den Wind aus den Segeln, als sie bekannt gab, das nicht sie sondern ganz normal Shane das Kommando behielt. 

Das erleichterte die Wildcards, den diese Frau blieb ihnen einfach zu unheimlich. McQueen betrat das Flugdeck. „Wildcards, Crow, Ihr Auftrag ist es, die Region zu überprüfen. Es wird nach den letzten Informationen nicht mit Feindkontakt gerechnet, passen Sie trotzdem auf. Und nun ab, erledigen sie Ihren Job, Marines.“
Die Wildcards eilen zu ihren Cockpits und schlüpfen hinein. Crow setzte sich ohne große Hektik in den Jäger und war trotz alledem als erste startbereit. Dies beobachtete der Colonel mit wohlwollen. 
Sein Schwadron gehörte zu den besten und seine Leute waren Profis, doch das was Crow alleine damit gezeigt hatte, wäre einem Angry Angel würdig gewesen. Professionelle Schnelligkeit. Dann ertönte das Zeichen, zum räumen des Flugdecks. Mit großen Schritten verließ McQueen das Flugdeck und machte sich auf den Weg zur Brücke. 

Seit zwei Stunden befanden sie sich nun auf Patrouille. Und in der ganzen Zeit, war rein gar nichts zu entdecken. Keinerlei Feindkontakt, nicht mal ein Hauch. Shane erinnerte sich an die letzten Worte von McQueen...‘Es wird nicht mit Feindkontakt gerechnet, passen Sie trotzdem auf‘. 
Den letzten Teil hatte er besonders betont. Anscheinend vertraute er den Informationen nicht so ganz. Und der Captain der Wildcards konnte sich auf das Gespür ihres Schwadronsführers verlassen. Wenn McQueen sie so warnte, erwartete er Feindkontakt. „Vansen.“ Shane schrak leicht zusammen, als sich Crows Stimme zwischen ihre Gedanken schob. „Ja.“ „Feindkontakt.“ 

Hastig sah sie auf ihren Bildschirm, doch er zeigte das gleiche wie die ganze Zeit an, nämlich nichts. „Crow, da sind keinerlei Anzeichen zu erkennen.“ Crow antwortete nicht, sondern ihr Jäger verließ die Formation und schoss an Shane vorbei. Teamwork war noch nie ihr Ding gewesen. 
„Hey, Vansen, was ist los?“ „Gute Frage, West. Ich habe keine Ahnung. Crow hat was von Feindkontakt gesagt.“ Das einzige was ihr Bildschirm anzeigte, war der sich entfernende Jäger und ein kleiner Meteorit.

In diesem Sektor des Alls keine Besonderheit, die kamen hier regelmäßig vor. Cooper meldete sich gleichzeitig mit Vanessa bei Shane. 
„Ich habe nichts verstanden Phousse, Coop, einer nach dem anderen. Vanessa...“ „Was sollen wir jetzt tun? Crow folgen oder abwarten? Sie ist weiter in die Sektion vorgedrungen, als unser Befehl ist.“
„Ich folge Crow.“ „Halt Hawkes, keine Solotour, mir reicht einer, der aus der Reihe tanzt, wir alle folgen Crow. 

Seit auf der Hut, wir haben bald mit Schwierigkeiten zu rechnen.“ „Du glaubst ihr, Shane?“ „Das kannst Du glauben West, sie ist mir unheimlich und ich will nicht alleine mit ihr sein, aber ich weiß ganz genau, da sie weiß, was sie tut.“ Ihr Blick fiel auf den Bildschirm und dann musste sie bereits heftig schlucken. „Hat jemand von Euch Crow noch auf dem Schirm?“ Viermal erreichte sie eine negative Antwort. Wo war sie nur hin verschwunden?

„Feindkontakt auf elf Uhr.“ Hawkes Warnung riss die Wildcards aus dieser Frage und sofort konzentrierte sich jeder nur noch auf die Gegner. Davon gab es genug, 20 Chig-Jäger. Diese nahmen sie sofort unter Beschuss. 
Die Wildcards scherten aus, verließen die Formation und erwiderten das Feuer. Nathan erwischte gleich zwei Feindjäger, doch dann schossen sich drei auf ihn ein. Durch seine ungünstige Position konnte er nicht erfolgreich das Feuer erwidern, also blieb ihm erst einmal nur die Flucht. 
Schweiß sammelte sich auf seiner Stirn, das waren verdammt gute Piloten. Die ließen sich nicht abschütteln. Eine Erschütterung warf ihn in seinem Sitz hin und her und dann erloschen alle Anzeigen seiner Waffen. Er hatte einen Treffer abbekommen und dadurch wurde sein Waffensystem ausgeschaltet. „Ich brauche Hilfe, habe einen Treffer im Waffensystem, kann mich nicht verteidigen.“ 

Seine Fingerknöchel traten weiß hervor, so fest umschloss er das Steuer. Jeder seiner Muskeln spannte sich noch mehr an. Das sah nicht gut aus. Die restlichen Wildcards waren in schwere Gefechte verwickelt und konnte ihm nicht beistehen. Also half nur eines, schneller sein und vor allem geschickter. Nathan leerte sein Gehirn und reagierte ab da nur noch, ohne groß Nachzudenken. Seine Verfolger kamen trotzdem immer näher und näher. Ihre Schüsse waren äußerst präzise und genau, es war nur noch eine Frage von Sekunden, bis sie ihn voll erwischt hätten. 

Plötzlich drei unmittelbar auf einander folgende Explosionen, nicht weit hinter ihm. Deutlich bekam er die Druckwelle zu spüren. Die Chig-Jäger waren fort, weg, vernichtet. Erleichtert atmete Nathan auf. „Hey, Coop, das nächste mal, lass Dir nicht so viel Zeit. War ganz schön knapp.“ „Ich werde es ihm ausrichten, West.“ „Crow?!“ 

Neben ihm tauchte für einen kurzen Augenblick ihre Maschine auf und drehte dann sofort ab. Wo war die den nun wieder hergekommen? Aus dem Nichts? Er verfolgte ihre Rute. Sie mischte die restlichen Gegner auf und das mit einer unglaublichen Trefferquote. Das was Hawkes an Treffern hinlegte war schon beeindruckend, doch gar nichts zu dem gerade hier gesehenen. Es dauerte nicht lange und das einzige was von den Chigs noch übrig war, waren Trümmer. 

Shane wollte gerade etwas sagen, als in ihrem Sensorbereich ein weiteres Trümmerfeld auftauchte. Der Computer identifizierte es als weitere Chig-Jäger. „Vasen, wir sind hier fertig. Kehren wir zurück zur Saratoga.“ Instinktiv nickte Shane, bis ihr bewusst wurde, das dies keiner sehen konnte. „Crow hat recht, wir kehren um. Nathan, bei Dir alles soweit in Ordnung?“ „Ja, nur meine Waffensysteme sind hinüber.“ 

„Wir nehmen Dich in die Mitte.“ Kaum hatte sie ihre Positionen eingenommen, machte sie sich auf den Weg zurück zur Saratoga. Vasen kontaktierte das Schiff. „Hier sind die Wildcards. Feindkontakt bei den Koordinaten 478.938.Feind besiegt, keinerlei Verluste. Befinden uns auf dem Rückweg.“ 
„Verstanden Wildcards, Saratoga Ende.“ 

Der Rückflug ging still vonstatten, jeder der Wildcards dachte darüber nach, wie Crow das Wissen konnte, das der Feind da war, sie erwartete. 

McQueen erwartete sein Schwadron bereits am Flugdeck. Hatte er also Recht gehabt, das die Informationen nicht stimmten. Das wichtigste war, das sein Leute heil zurück kamen. Sie hatten sich gut geschlagen. Sein Blick fiel auf Nathans Cockpit. Ein deutlicher Treffer war auszumachen. Die Wildcards sammelten sich nachdem sie aus ihren Jägern raus geklettert waren um Crow und bestürmten sie mit Fragen. 

Keiner hatte bis dahin die Anwesenheit des Colonel registriert. Dieser trat näher und hörte noch die Frage von Nathan. „Crow, Sie haben mir das Leben gerettet, schon das zweite mal. Woher wussten Sie von dem Hinterhalt? Bei dem Luftkampf den sie geliefert haben, könnte man meinen, Sie haben ganz genau im voraus gewusst, was passieren würde. Haben Sie vielleicht ein paar Chig-Gene in den Adern?“ Die letzte Frage war nicht ernst gemeint, doch sie ließ Cooper zusammenfahren, daran hatte er noch gar nicht gedacht. Ihre Antwort hinterließ bei ihm einen schalen Geschmack. 

Es war nur ein Wort. „Möglicherweise.“ Paul entdeckte McQueen und schon stand er stramm, die anderen folgten unverzüglich seinem Beispiel. Colonel McQueen wandte sich an Shane. 
„Gute Arbeit, Captain Vansen. Gute Arbeit von Ihnen allen.“ 
„Das war nicht unser Verdienst, Sir. Captain Crow hat den Kontakt entdeckt, lange bevor einer von uns ihn ausmachte. Die erste Staffel wurde komplett von ihr vernichtet und bei der zweiten stand sie ausschlaggebend uns zur Seite.“ 

McQueen trat zu Crow. „Wie haben Sie die Chigs entdeckt, Captain?“ „Ich hätte es nicht anders gemacht, reiner Instinkt. Außerdem hatte ich mal auf diesem Gebiet einen sehr guten Lehrer.“ 

„Wer war dieser Lehrer, bei dem möchte ich mich persönlich bedanken, den sie haben mein Schwadron gerettet.“ 
„Tut mir leid, Sir, aber das ist mir nicht erlaubt.“ 
Bei diesen Worten sah McQueen sie erstaunt an, hackte aber nicht nach. Er nahm sich vor, ganz genau die Daten des Luftkampfes zu studieren. Vielleicht erfuhr er dann mehr. „Sie können wegtreten.“

„Wie bitte? Ich habe mich wohl gerade verhört. Die Daten sind was?“ McQueen stand mit den Armen in die Hüften gestemmt vor einem Techniker und sah ihn mit hartem Blick an.

„Ich weiß auch nicht, wie sie das hingekriegt hat, aber alle Luftkampfdaten von Captain Crow sind gelöscht. Und ich kann sie nicht wieder herstellen, Sir.“

„Das kann doch nicht wahr sein. Wie sieht es mit den Daten der Wildcards aus?“ Der Techniker heftete seinen Blick auf den Boden hielt seine Mütze verkrampft in den Händen. McQueen zog scharf die Luft ein. „Wollen Sie mir damit andeuten, das auch diese Daten nicht mehr zur Verfügung stehen?“ 

Der arme Kerl schluckte heftig und wandte sich vor McQueen. „Die meisten, Sir. Einige Grunddaten und Bruchteile der Kampfdaten sind noch existent, Sir.“ 

„Überspielen Sie mir diese Daten unverzüglich und bringen Sie in mein Quartier.“ „Ja, Sir, sofort, Sir.“ Schnell eilte der Mann zu seinem Platz, um die gewünschten Daten runter zu laden. Er wollte nur so schnell wie möglich weg, von dem vorgesetzten Offizier. So schlechter Laune erwischte man McQueen nicht oft. 
Und es war nie ein Vergnügen, wenn man doch das Pech hatte. Dieser dampfte wütend zur Brücke. Ross bemerkte sofort, das was nicht in Ordnung war. 
„Ihr Gesichtsausdruck verheißt nichts gutes, McQueen. Was ist los?“ 

„Commodore Ross...“ Er rang immer noch um Fassung. „...Captain Crow hat bei sich alle Kampfdaten gelöscht und anscheinend auch den größten Teil der Daten von den Wildcards.“ Der Farbige nickte wissend. 
„Damit habe ich bereits gerechnet und McQueen, wir beide müssen das einfach wortlos schlucken. Dagegen können wir nichts unternehmen. Diese Marines beseitigen alle ihre Spuren und sie haben sogar das Recht dazu, alle ihnen gegebenen Mittel zu nutzen. Weder Sie noch ich haben die Macht, sie groß zu verhören und wenn sie nicht reden will, können wir Crow nicht mal in die Arrestzelle stecken. Sie ist hier ihr eigener Herr, sozusagen. Das kommt von den höchsten Stellen.“ 

„Diese Geheimnistuerei geht mir manchmal schon gehörig auf die Nerven.“ 

„Mir auch, Ty, doch das werden wir nicht ändern können.“ Mit dieser Tatsache hatte sich der Commodore der Saratoga insgeheim bereits abgefunden, meistens jedenfalls. 

McQueen rieb sich die Augen. Seit Stunden ging er die vorhandenen Daten durch und kam zu keinem schlüssigen Ergebnis. Da fehlten zu viele Informationen. Der Commodore hatte Recht behalten, mit seiner Vermutung, das die übrigen Daten den Colonel nicht weiterbringen würden. Perfekte Arbeit, Crow. 

Entnervt stand er auf, das half alles nichts, so kam er nicht weiter. Er musste die einzigen Quellen anzapfen, die ihm zur Verfügung standen, die Wildcards. Vansen und West, er würde mit beiden intensive Gespräche führen. Das müsste reichen. Möglicherweise könnte er dann, wenn es nötig wäre, noch auf Damphousse und Wang zurückgreifen. Nur Hawkes würde er auslassen, obwohl er eine hervorragende Beobachtungsgabe besaß, aber er hatte ihm nicht schlüssige Verbindung mit Crow. Und Crow sollte auf keinen Fall merken, das er versuchte sie zu überprüfen. Jedenfalls wollte er es so unauffällig wie möglich vonstatten gehen lassen. 

Er wollte Hawkes nichts unterstellen, doch sagte ihm sein Instinkt, das es so besser wäre. McQueen machte sich auf den Weg zum Quartier der Wildcards. Er musste nicht weit gehen, da lief ihm schon West über den Weg. 
„West, ich muss mit Ihnen reden. Sofort.“ Nathan folgte seinem Vorgesetzten verwundert in dessen Quartier. Dieser bot ihm einen Sitzplatz an und setzte sich dann ebenfalls. „Als erstes, dieses Gespräch hier bleibt unter uns, Lt. Sie werden mit niemanden darüber sprechen, haben Sie mich verstanden, West?“ „Ja, Sir.“ „Gut. Und nun erzählen Sie mir alles von dem Kampf. 
Ich will jedes einzelne Detail wissen, besonders im Bezug auf Captain Crow. Und es ist mir egal, wie unbedeutend es Ihnen vielleicht vorkommen mag.“ 

Nathan rutsche auf seinem Stuhl hin und her. „Colonel McQueen, ich verstehe nicht ganz, die Flugdaten...“ „...sind unbrauchbar. Das meiste gelöscht. Um zu verstehen wie Crow kämpft bleiben mir nur die Beobachtungen von Ihnen.“ „Colonel, glauben Sie, Aero Tech hat da seine Finger im Spiel?“ „West, ich glaube noch gar nichts. Ich will erst einmal mehr erfahren.“ „Ja, Sir.“ Nathan räusperte sich ausgiebig und konzentrierte sich auf den vergangenen Einsatz. Dann begann er mit der Beschreibung des Kampfes aus seiner Sicht. Der erste Feindkontakt, den keiner außer Crow ausgemacht hatte, ihr Verschwinden aus ihrem Bereich, die Probleme mit der Feindstaffel, seine Rettung, die Geschicklichkeit von Crow beim manövrieren. 

„Colonel, ich hatte das Gefühl, als ob Captain Crow in der Sekunde genau wüsste, wie die Chigs reagieren würden. Selbst mit unserer Erfahrungen, kann dies keiner der Wildcards so präzise Voraussehen. Manchmal flog sie in meinen Augen auch nicht wie eine Mensch, sondern wie ein Chig. Solche perfekte Piloten bräuchten wir mehr und der Krieg wäre bald vorbei.“ McQueen nickte leicht. Äußerlich vollkommen gelassen, aber innerlich bis aufs äußerste angespannt, entließ er Nathan. „Vergessen Sie nicht, West, dieses Gespräch hat nie stattgefunden. 

Schicken Sie mir Vansen her.“ „Ja, Sir.“ Nathan ging den Gang hinunter und grübelte über das eben geführte Gespräch. Warum hatte McQueen nur so ein großes Interesse an dem Luftkampf? Dahinter steckte viel mehr, ohne Hintergedanken würde der Colonel dies nicht tun. Seit dem Crow auf der Saratoga war, war nichts mehr wie früher. Das mochte Nathan überhaupt nicht. Für ihn bedeutete die Saratoga im Krieg der sichere Hafen und die Wildcards, McQueen, Ross waren seine Familie. 

Und nun schien dieses in schweren Zeiten geschaffene Zuhause in Gefahr zu sein. Er musste es schützen, doch wie und vor allem, vor wem. Den die eigentliche Gefahr, davon war er tief in sich überzeugt, stellte nicht Crow da. Diese Frau hatte ihm zweimal das Leben gerettet. Seine Vermutung ging mehr in Richtung Aero Tech, speziell Sevall. Dann hatte er das Quartier erreicht und das Glück war ihm hold, den nur Shane befand sich darin. „Hey West, wo warst Du den? Paul hat Dich schon überall gesucht. Ihr wolltet euch doch zusammen die Aufzeichnung de Spiels ansehen. 

Jetzt ist er zusammen mit Phousse und Cooper rüber gegangen. Komm gleich mit, ich bin schon fast auf dem Weg dorthin.“ Nathan ging nicht auf ihre Frage ein. „McQueen möchte Dich sofort in seinem Quartier sprechen, Shane.“ „McQueen? Was will er den?“ „Das sagt er Dir selbst.“

Shane musterte ihren Kameraden aufmerksam. „Warst Du die ganze Zeit bei ihm?“ „Frag nicht Shane, geh, er wartet bereits.“ Schnell machte sich Vansen auf den Weg. Das seltsame Verhalten ihres Freundes beruhigte sie und auch die Tatsache das McQueen sie so dringend sprechen wollte. 

Da braute sich etwas zusammen. Gerade wollte sie an McQueens Tür klopfen, als diese bereits von innen aufgerissen wurde. „Kommen Sie rein, Captain und setzen Sie sich.“ Schon schloss der Mann hinter ihr die Tür, setzte sich hinter seinen Schreibtisch. „West und Sie sind vorerst die einzigen die ich befrage und für Sie beide gilt, kein Wort über diese Gespräche zu verlieren. 

Niemand darf davon erfahren, auch nicht die restlichen Wildcards.“ „Ja, Sir.“ „Das gleiche habe ich bereits von West verlangt, erzählen Sie mir alles über den Luftkampf. Besonders die Einzelheiten über die Technik von Crow. Um gleich Ihrer Frage vorweg zu kommen, es gibt keine brauchbaren Daten darüber, Thema beendet.“ Vansen nickte nur. Nun war ihre Verwirrung komplett. „Fangen Sie an, Vansen.“ 
Shane konzentrierte sich und begann zu berichten. Detailliert, aber nicht ausschweifend. McQueen hörte das gleiche, wie schon zuvor West erzählt hatte. „Es kam mir vor, als ob Captain Crow die einzelnen Manöver der Chigs bereits im voraus wusste. Manchmal kam mir ihr Stil so vor, als ob ein Chig in der Maschine säße und nicht ein Mensch, Sir.“ 

„Danke, Captain. Sie können gehen.“ „Ja, Sir.“ An der Tür hielt sie McQueen nochmals auf. „Vertrauen Sie Captain Crow, Vansen?“ Was für eine ungewöhnliche Frage. Doch Shane hatte sich diese Frage ebenfalls bereits selbst gestellt. „Ich denke mal ja, sie hat West zweimal das Leben gerettet und auch bei dem letzten Einsatz, wären wir ohne sie dran gewesen, Sir. Aber..., sie ist mir unheimlich. Ihre Augen, sie machen mir Angst.“ 

„Danke für Ihre Ehrliche Antwort, Vansen. Gehen Sie jetzt.“ Er schob sie aus seinem Raum. Eigentlich wollte ihn Shane noch die gleiche Frage stellen, doch McQueen ahnte dies und wollte sich auf eine Antwort nicht einlassen. Noch nicht. 
Schwer ließ er sich auf seinen Sessel fallen und schloss seine Augen. Er konzentrierte sich auf die eben erhaltenen Informationen. Vor seinem inneren Auge formten sich Bilder und bald konnte er sich ein ziemlich genaues Bild von Crows Fähigkeiten machen. 

Sie schien Manöver der Chigs außerordentlich gut zu kennen und zu beherrschen. Ihr waren auch Flugtricks bekannt, die man eigentlich erst nach langer Zeit durch Erfahrung erlernte oder ...bei den Angry Angels. Captain...Crow. 
Verdammt, er wusste rein gar nichts über sie. Keinen Vornamen, kein Alter, keine Einzelheiten über ihre Ausbildung. Und bei diesem Können deutete einiges darauf hin, das sie einen Teil der Ausbildung bei den Angry Angels bekommen hatte oder zumindest bei den Aufnahme Prüfungen dabei gewesen wäre. 
Nur wenn dies der Fall gewesen wäre, dann müsste er sie kennen. Doch sie war ihm nie begegnet oder vielleicht doch? Hatte er nicht ab und zu gedacht, sie irgendwoher zu kennen? 
Das konnte unmöglich bei den Angry Angels gewesen sein, den jeden einzelnen hatte er persönlich gesehen und würde er sicherlich auch nach Jahren erkennen. Vor allem jemanden mit so einem ungewöhnlichen Äußeren und dieser seltsamen Augen. Oder hatte diese Crow nicht immer? Er hatte sich von der Befragung erhofft, klarer zu sehen, aber es haben sich noch mehr Fragen aufgehäuft. 

Vanessa, Paul und Cooper saßen zusammen im Aufenthaltsraum und sahen sich die Aufzeichnung des Spieles an. Jedenfalls Damphousse und Wang, Hawkes schlief schon kurz nach dem Anpfiff ein. 
Der Schlafmangel der letzten Zeit machte sich bemerkbar. West kam hinzu, murmelte was von dem, das er aufgehalten wurde, gesellte sich dann zu seinen Freunden. Er brauchte Ablenkung, diese Grübelei machte ihn ganz hibbelig. Als letzte tauchte Shane auf. Sie wechselte kurz einen bedeutenden Blick mit Nathan aus und machte es sich bei ihren Freunden bequem. Die Konzentration war auf das Spiel gerichtet. Niemand hatte bemerkt, das Crow in der Ecke stand und sie eingehend beobachtete.
Die Wildcards waren ein Schwadron und eine Familie. 

So etwas hatte sie auch einmal. Sie horchte in sich und wartete auf ein Gefühl, was ganz winziges, doch da war nichts und kam nicht. Nichts. Was konnte sie schon anderes erwarten. Es war nicht anders, als sie ihre Eltern wiedersah. Diese standen eng zusammen vor einem Grab. 
Crow hatte sie sofort wiedererkannt, doch es berührte sie nicht, sie zu sehen. Ihre Mutter weinte leise und ihr Vater versuchte sie zu trösten. Als sie den Friedhof verließen, ging sie zum Grab. Liebevoll gepflegt. Auf dem Stein stand:

NUN IST SIE DEM HIMMEL SO NAH, 
WIE SIE ES IMMER SEIN WOLLTE 
ELIA PATRICIA RAVEN 
17.04.2039 bis 28.06.2063

Selbst ihr eigenes Grab löste keine Regung bei ihr aus. Sie verließ den Friedhof und plötzlich huschte ein böses Grinsen über Crows Gesicht. Diese Idioten hatten tatsächlich gedacht, das sie ihr folgen konnten, ohne das sie es bemerkten würde. Dadurch blieb ihr gar nichts anderes übrig, als Ryder und Beck zu entsorgen. 
Sie waren eine Gefahr für sie selbst und ihre Eltern. Diese wollte sie unbedingt aus der Sache raushalten. Die hatten schon genug gelitten. Bei dem Fahrstil von Ryder war es ja auch kein Wunder, das er mal einen Unfall hatte und Beck hatte als Beifahrer nur Pech. Bevor jemand den ausgebrannten Wagen unten an den Klippen fand, holte sich Crow noch ihre Erkennungsmarken. Es war wie ein Ritual, gehörte bei ihr zum töten dieser Typen dazu. Crow löste ihre Gedanken von der Vergangenheit und betrachtete die Gegenwart. 

Morgen kam Sevall. Der würde sicherlich zu Beginn einen Anfall bekommen, weil sie bei dem Einsatz dabei war, so seinen Plan versaut hatte, den da war sie sich sicher, das er sich auf diese Art und Weise erhofft hatte, die Wildcards loszuwerden.
Und dann würde er eine neue miese Sache von ihr verlangen, doch diesmal würde sie nicht so handeln wie er es wollte. Sie würde ihn verraten und ihm danach zeigen, was es für ein Fehler war, sie auszusuchen. 

Zum guten Schluss würde sie ihm noch Bye Bye sagen und zwar für immer. So nahe am Ziel. An dem großen Ziel ihres neues Lebens, dem Ziel von Jacob und ihr. Danach war alles vorbei, vielleicht sogar ihre Existenz, aber das störte sie nicht im geringsten. 
Sie ging in ihrem Kopf die einzelnen Tötungsmethoden durch, die sie kannte und das waren eine ganze Menge. Dies gehörte zu den Dingen die Crow gerne machte. Jedesmal wenn ihr langweilig war, verfiel sie in dieses Spiel und manchmal blieb es nicht nur Theorie. 

Ross, McQueen und Crow befanden sich auf der Landezone 15. Der Transporter mit den Aerotech Leuten und dem neuen Partner von Captain Crow war gerade gelandet. Das Andockmanöver war beendet und die Türen öffneten sich zischend. Als erster verließ mit seinem typisch arrogantem Blick Sevall den Transporter, ihm folgte sogleich ein durchtrainierter Mann in Uniform. 

Ross trat einen Schritt vor, auf die Gäste zu. „Willkommen auf der USS Saratoga, Mr. Sevall, Lt. Colonel...“ Der Commodore warf einen kurzen Blick auf das Namensetikett. „...Perkins. Wo ist ihr Begleiter, Mr. Sevall? Es wurden uns zwei Aero Tech Mitarbeiter angekündigt.“ „Er kommt gleich.“ 
Ross drehte sich leicht weg und deutete auf die Personen neben sich. „Das sind Lt. Colonel McQueen und Captain Crow.“ Lt. Colonel Perkins ging zu der stramm stehenden Frau, betrachtete sie abschätzend. Wieder so ein komischer Brillenträger, warum wurde um die nur so ein Zirkus veranstaltet? 
„Sevall, dieses Püppchen soll mit mir Spezialaufträge bewältigen?“ Noch bevor Sevall reagieren konnte, reagierte Crow. Blitzschnell zog sie Perkins Waffe und hielt sie ihm an die Stirn. „Crow, hören Sie sofort damit auf. Ich glaube, der Colonel hat verstanden, da Sie kein Anfänger sind.“ 
Hart hallte die Stimme von dem Aero Tech Mann durch den Raum. Mit einem herablassenden Lächeln entspannte sie sich und gab dem geschockten Mann vor sich seine Waffe wieder. Wer war wohl hier der Anfänger? Dann fiel ihr Blick auf die offene Transportertür. Da stand er, bewegungslos, starrte sie scharf an. Die Augen, hinter dem gleichen Typ Brille verborgen, wie ihre eigenen. 

Staatliche Figur, braungebrannt, pechschwarzes kurzes Haar, markante Gesichtszüge. „Luther.“ Crow kam der Name lautlos über die Lippen. Verdammt, ausgerechnet einen Jäger brachte Sevall mit, dazu noch einen der schlimmsten. Sie musste an die Geschichte von Hawkes denken. 
Es würde sie nicht im geringsten wundern, wenn Luther dabei gewesen wäre, obwohl, das ging nicht. Sie lagen nicht so weit auseinander. Er wurde als letzter der zweiten Generation geschaffen, also ca. 1 Jahr vor Crow. Er gehörte auch zu den wenigen der zweiten, die noch lebten. Von der Dritten Generation gab es erst 5 Stück und außer Crow, war noch keiner einsetzbar gewesen. Sevall schien nun auch die Anwesenheit von Luther zu bemerken und drehte sich um. 

„Der Mann der gerade aussteigt ist Luther, mein Assistent.“ Assistent, so ein Blödsinn. Luther hatte hier den Job, jemand zu töten, doch wen? Vielleicht sie selbst, doch Crow schob diesen Gedanken zur Seite. Ihre Fehlerhaftigkeit konnte sie perfekt verbergen, die waren ihr nicht auf die Schliche gekommen. Sevall war einfach zu überzeugt davon, das sein Meisterwerk gelungen war. 
Doch wer auf der Saratoga hatte nach Sevalls Meinung den Tod verdient? Welcher Mord würde ihm am meisten Nutzen bringen? Nur nach dem Prinzip dachte der Schleimer. McQueen und Hawkes waren In Vitros und Jäger sahen in ihnen nur das Übungsobjekt und manchmal kam es sogar vor, das sie von den Getöteten etwas fraßen. 
Das hatte sie Cooper lieber verschwiegen. Noch mehr beunruhigen brauchte sie ihn wirklich nicht. Er hatte schon genug mit seinem Wissen zu kämpfen. Sie musste so schnell wie möglich, dahinter kommen, was hier geplant war. Sonst würde jemand sterben, der nicht sterben sollte, jedenfalls nicht nach ihrem Plan. 

Sevall zog sich mit Commodore Ross und Lt. Colonel McQueen in den Konferenzraum zur Besprechung zurück. Luther war spurlos verschwunden, doch Crow wusste ganz genau, was er gerade tat. Erkundung der Wirkungsstätte, die Pläne der Saratoga hatte er bereits in seinem Kopf gespeichert, genau wie sie. 
Die Vorbereitungen für seinen Job kamen in die heiße Phase. Er nahm gerade die Spur seines Opfers auf. Seine Anwesenheit zwang die junge Frau dazu, auch ihn auf ihre Abschussliste zu setzen. Das würde ein harter Brocken werden, aber nicht unmöglich. Das war eine richtige Herausforderung. Captain Crow wollte gerade das Deck verlassen, als sie jemand am Arm packte. 

Lt. Colonel Perkins. Schitt, den hatte sie ja total vergessen. Was sollte sie den mit dem am besten anstellen? 
„Wohin wollen Sie, Captain Crow?“ 
„Ich habe was zu erledigen, Sir.“ 
„Vergessen Sie nicht Captain, wer hier den höheren Rang hat.“ Nichts an seiner Haltung deutete auf seine kürzliche Schmach hin.

„Wir haben noch keinen Auftrag, Sir, also hau ich ab.“ „Falsch. Wir beide bleiben zusammen, egal wohin Sie wollen, Crow.“ „Egal wohin?“ Das ‚begeisterte‘ sie ungemein. „Gut, wenn Sie das wollen, aber zuvor nehmen Sie die Hand da weg.“ Perkins zog seine Hand mit einem triumphierendem Grinsen zurück. Sie drehte sich ganz zu ihm. „Noch etwas, Lt. Colonel Perkins. Fassen Sie mich noch einmal an, bringe ich Sie um, Sir.“ 

Auf ihrem Gesicht erschien der gleiche Triumphierende Ausdruck. Perkins trat unwillkürlich ein paar Schritte zurück. Er war wirklich kein Feigling, so schnell brachte ihn nichts aus dem Gleichgewicht, doch seit dem er Luther begegnet war, fühlte er sich unglaublich verwundbar. Und nun war sein neuer Partner auch so ein unheimlicher Typ. Er musste sich zusammenreißen und immer auf der Hut sein. Crow wandte sich ab und verließ das Deck mit schnellen Schritten. Perkins beeilte sich zu ihr aufzuschließen. 

Er hatte kein Interesse daran, hinter ihr herzulaufen. Crows erstes Ziel war das Quartier der Wildcards, sie musste mit Cooper sprechen und ihn warnen. Doch da war niemand zu finden, ebenso wenig wie im Aufenthaltsraum oder Kantine. Sie fragte einige Marines die sie traf, einer gab ihr den Tip, das sie bei ihren Cockpits wären. Schnell eilte Crow auf Deck 16. Immer Perkins im Schlepptau, der in einer Tour fragte, was sie nun eigentlich wollte. Der musste sich auch total bescheuert vorkommen, doch ihm gehörte nun nicht ihre Aufmerksamkeit, sondern Luther. 

Manchmal spürte sie seine Nähe, nahm seine Witterung wahr, dann wieder nicht. Sie konnte ihre Gegner gut einschätzen, Mensch oder Chig, aber Luther war wie sie, keines von beiden mehr. Dann endlich sah sie Nathan. Jedenfalls einer von den Wildcards. „West.“ Dieser sah von seiner Arbeit am Cockpit hoch, als er seine Namen hörte. Und stand sofort stramm, als er den fremden Colonel entdeckte. Perkins wollte gerade etwas sagen, da schob Crow ihn unwirsch zur Seite, schnappe sich Nathan und zog ihn weg. Sie sprach sehr leise, kaum das er noch etwas verstand. „Wo sind die Anderen, speziell Cooper?“ 

Nathan kämpfte mit seinem erlernten Dienstbewusstsein, wenn ein höherer Rang da war, dann wandte er sich unsicher Crow zu. „Vansen, Wang und Damphousse sind schon in der Taverne, Cooper wollte noch etwas ins Quartier bringen und dann nachkommen.“ „OK, in 10 Minuten treffen wir uns dort. Ich muss mit Euch reden. Dringend. Cooper hole ich selbst.“ Ohne auf den aufkeimenden Protest von Perkins zu achten, stürmte sie schon los. Mit einem Wutverzerrtem Gesicht folgte der Ältere ihr, doch sie war bereits weg. 

Keine Hinweise darauf, wohin sie gegangen war. Er kehrte zurück zum Flugdeck, wollte mit West sprechen, da dieser sicherlich wusste, wohin sie unterwegs war, aber von dem war auch nichts mehr zu sehen. West beobachte den Colonel, wie er ihn suchte. Wenn er ihn fand, musste er Meldung machen, aber wenn er ihn nicht entdeckte, dann ging es nicht. Geschickt verließ er unbemerkt das Deck. 

„Cooper, wir müssen hier weg.“ Hawkes fuhr bei den Worten erschrocken zusammen. Diese ewige Anschleicherei machte ihn noch wahnsinnig. „Verdammt Crow. Musst Du mir jedesmal einen mittleren Herzinfarkt einhandeln?“ In der Sekunde in der er das ausstieß, wurde ihm bewusst, wen er gerade lautstark angeschnauzt hatte. 

Seine Reaktion verwunderte Crow, aber sie fand sie gut, amüsant. So etwas passierte nicht oft, eigentlich nie. Die meisten hatten dazu viel zu viel Angst vor ihr. Sie hob beschwichtigend die Arme. „Sorry, Cooper, ich werde mich bemühen, dies zu ändern. Aber jetzt komm, die Anderen warten schon.“ „Welche Anderen?“ 

„Deine Leute, die Wildcards natürlich.“ Sie packte ihn am Arm und zog ihn mit sich. „Was ist den los?“ „Das wichtigste erstmal. Es ist noch einer an Bord.“ Der In Vitro verstand sofort was sie meinte. „Noch einer, na Klasse.“ „Ein Jäger.“ Abrupt blieb Hawkes stehen, doch Crow zog ihn mit sich. „Captain Crow! Bleiben Sie sofort stehen!“ 

Perkins vor Wut schrill gewordene Stimme, ließ beide zusammenzucken. Crow schnaubte verächtlich, dieser Typ nervte absolut. Sie wandte sich zu Cooper. „Geh in die Taverne, ich muss noch was erledigen.“ „Hawkes blickte sie beunruhigt an. „OK, Cooper, ich lass ihn am Leben. 

Obwohl ich denke, er wäre kein großer Verlust. Ich stelle ihn nur geraume Zeit kalt. Einverstanden?“ Dieser nickte und verschwand dann. Crow atmete tief ein und richtete ihre Aufmerksamkeit in Richtung Perkins. Das erstemal seit dem er die Saratoga betreten hatte, besaß er ihre volle Aufmerksamkeit. Sofort bemerkte sie eine Veränderung an seiner Uniform. In einer kleinen Spezialhalterung am Gürtel, befand sich eine kleine Hochdruckspritze mit einer gelben Substanz gefüllt. 

Aha, er wollte sie also aus dem Verkehr ziehen, sicherlich hatte er null Ahnung, was dieses Zeug bei solchen wie sie bewirkte, doch Sevall hatte ihm sicherlich erzählt, das er es nutzen konnte, wenn er es für nötig hielt.
Das war eine ideale Fügung. Das Zeug würde ihr gute Dienste bei der Entsorgung von Luther leisten. Und Sevall hatte sicherlich noch mehr davon dabei. Perkins hatte sie erreicht, wollte losbrüllen, da schlug ihm Crow hart gegen den Hals, sofort verlor der Mann das Bewusstsein. 
Sie fing ihn auf und wuchtete ihn auf ihrer Schulter. Sie verschwand in einem der Gänge. Die ganze Aktion dauerte nur wenige Sekunden und war vollkommen unbemerkt abgelaufen. 

„Sie haben was Commodore? Captain Crow war am gestrigen Einsatz dabei? Sie haben gegen den ausdrücklichen Befehl gehandelt, das Captain Crow nicht einfach von Ihnen wann Sie wollen eingesetzt werden darf.“ Ross und McQueen beobachteten den aufgeregt hin und her tigernden Sevall von ihren Plätzen aus. Sein Kopf hatte eine unnatürliche Rötung angenommen. 

Die Stimme überschlug sich hektisch. Der Commodore genoss es im stillen, diesen überheblichen, verlogenen Mistkerl mal richtig aus der Fassung gebracht zu haben. Seine Antwort war deshalb auch besonders ruhig und gelassen. 
„Captain Crow hat sich selbst angeboten und das war in keiner Weise erwähnt worden, das dies nicht angenommen werden dürfte, Mr. Sevall. Mich würde aber viel mehr interessieren, warum Sie und dieser Luther hier sind?“ 

Sevall blieb stehen und sah den farbigen Mann wütend an. „Das geht Sie nichts an, Commodore Ross. Sie und Ihre Crew sind nur dazu verpflichtet, uns jegliche Unterstützung zukommen zu lassen.“
Langsam erhob sich Ross von seinem Stuhl und baute sich vor den kleineren Mann auf, die Hände in die Hüften gestemmt. 
„Wenn es mein Schiff und meine Crew betrifft, geht es mich sehr wohl etwas an. Sevall, Sie haben in der Vergangenheit oft genug Schwierigkeiten verursacht und meine Leute gefährdet, das wird diesmal nicht der Fall sein.“ 

Sevall mühte sich ab, seine arrogante Haltung aufrecht zu erhalten, aber so recht wollte ihm das nicht gelingen. Er wusste nur zu gut, was Ross und McQueen von ihm hielten. Keiner hier auf der Saratoga war auf ihn gut zu sprechen. Jeder verabscheute ihn. Damit konnte er Leben, das machte ihm rein gar nichts aus. 
Doch erst mal musste er mit ihnen kooperieren, aber bald würden sich die Probleme in Luft auflösen, so oder so. „Nun, in Ordnung Commodore.“ Die Männer setzten sich an den Tisch. „Ich bereite mit Luther einen geheimen Auftrag für Colonel Perkins und Captain Crow vor. Wir werten vor Ort wichtige Daten aus, die uns zu einem Stützpunkt des Feindes führen sollen. Dort wird vermutet, das sich einige hohe Offiziere der Chigs befinden.

Perkins und Crow sollen diese eliminieren. Das Ganze ist streng geheim und keine Informationen dürfen nach draußen dringen. Mordkommandos werden von der Öffentlichkeit nicht sonderlich positiv aufgenommen und die Moral auf der Erde ist nicht gerade zum besten bestellt. Unser Problem, weshalb wir hier sind, ist, das der genaue Aufenthaltsort noch nicht bekannt ist.“ 
„Mr. Sevall, Sie werden mich unverzüglich, über jeden Fortschritt Ihrer Arbeit informieren. Ich behalte sie scharf im Auge, also versuchen Sie nicht mich zu hintergehen.“ 
„Ja, Commodore Ross. Ich habe verstanden.“ „Gut, dann sind wir hier fertig.“ 

Sevall verließ den Raum. McQueen schloss die Tür und setzte sich wieder zum Commodore. „Ich glaube ihm nicht ein Wort, Glen.“ 
„Ich auch nicht Ty. Das bedeutet für uns, wie müssen auf der Hut sein und ihn ganz genau auf die Finger schauen, damit er uns nicht wieder in die Pfanne haut.“ 

Triumphierend steckte Crow die Spritze in ihre Hemdtasche. Perkins hatte sie in einem abgelegenen Lagerplatz verstaut. Der Griff setzte ihn noch gut 10 Stunden außer Gefecht. Da war normalerweise nicht ihre Arbeitsweise, doch sie machte diesmal eine Ausnahme. Nun konnte sie auch endlich zur Taverne. 
Die Zeit war schon weit fortgeschritten, da baute sich ein neues Hindernis vor ihr auf. Luther tauchte wie aus dem Nichts auf. Crow dachte daran, die gelbe Lösung einzusetzen, entschied sich aber dagegen. Sie musste erst den Grund seiner Anwesenheit erfahren. Er starrte sie nur wortlos an. 

Die Brille baumelte an einem Gummi um seinen Hals. „Sevalls Privater Jäger, lange nicht mehr gesehen, Luther.“ Ein leises knurren war die Antwort. „Und wie ich sehe, immer noch so kommunikativ wie eh und je, Luther.“ 
„Du redest zu viel, Crow.“ Seine dunkle Stimme wurde von einem leisen knurrendem Unterton begleitet. „Jedenfalls kann ich reden. Bei Dir scheint das nicht so ganz der Fall.“ „Unnötig.“ „Was willst Du, Luther?“ 
„Nichts.“ 
„Wegen Smalltalk hältst Du mich sicherlich nicht auf, oder?“ Luther trat zur Seite. Crow ging an ihm vorbei, auf alles gefasst, bei ihrer Art musste man das sein. Es war nie gut, wenn mehrere von ihnen aufeinander trafen. Alle hatten ein ausgeprägtes Revierverhalten. 
Sie blieb stehen und wandte sich um. „Auf wen hat Dich Sevall angesetzt?“ Keine Antwort. „Etwa AUCH auf McQueen und Hawkes?“ Das war ein Versuchsballon. 

Doch das Schnauben von Luther war eine Antwort. „Seltsam, zwei von uns werden auf das gleiche Ziel angesetzt. Sevall scheint nicht viel Vertrauen ins unsere Fähigkeiten zu haben.“ „McQueen.“ Luther verzog sich ebenso lautlos, wie er erschienen war. Na ja, jedenfalls wusste sie jetzt schon mal mehr. McQueen. Das Luther etwas von diesem Gespräch an Sevall weitergeben würde, musste sie nicht befürchten. 

Luther war ein Instinkt Wesen und nicht sehr schlau, wenn es um Zusammenhänge ging und doch, als Gegner nicht zu unterschätzen. Endlich konnte sie ohne weitere Störung zur Taverne gehen. 

„Wo bleibt Crow nur? Sie hat es sehr wichtig gemacht und nun ist sie bereits 15 Minuten über der Zeit.“ West unterstrich seine Worte noch damit, das er auf seine Uhr tippte. „Sie hat noch etwas zu erledigen, Nathan, sie wird kommen.“ 
Das wusste Cooper ganz genau, das sie die Wildcards nicht umsonst hier zusammengerufen hatte. Paul beugte sich leicht vor. „Coop, Du weißt mehr als wir über Crow. Was ist mit dieser Frau los?“ Erwartungsvoll wandten sich alle Blicke auf den In Vitro. „Du kannst mir eines glauben, Paul, ich wäre froh, ich wüsste rein gar nichts über sie.“ Sein Blick wanderte zur Tür, in der Crow stand. Ihre Blicke trafen sich, jedenfalls soweit das mit der Brille ging. Sie ging zu den Wildcards, setzte sich neben Cooper. „Na zufrieden, Lt. Hawkes?“ Dieser konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, während die Anderen nur Bahnhof verstanden. 

Fortsetzung folgt
Autor: Christine

Copyright © 2002 Alle Rechte beim Autor. Nachdruck, aus Auszugsweise, Veröffentlichung oder Vervielfältigung jeglicher Natur  ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors erlaubt.  

Die Charaktere und Situationen der Serie "Space: Above & Beyond" wurden von Glen Morgan und James Wong, Fox Broadcasting und Hard Eight Productions kreiert und basieren auf ihren Ideen. Alle Handlungen in dieser Geschichte sind frei erfunden und nur die Charaktere stimmen mit "Space: Above & Beyond" von Glen Morgan und James Wong überein.

Erklärung: Diese Seite ist nicht von FOX Television Broadcasting Corporation, Hard Eight Productions, Glen Morgan oder James Wong autorisiert. Copyright Verletzung ist in keinster Weise beabsichtigt !