Die Dritte
Generation
by Christine Frieben
Teil 5
Seit dem sie sich kannten, war es eines der wenigen Male gewesen, wo er bei ihrem Erscheinen keinen halben Herzinfarkt bekommen hatte. Er fragte sich, ob sie etwas von dem Gespräch mitbekommen hatte, hören konnte sie ja extrem gut.
Ihr Benehmen ließ nicht darauf schließen, doch
bei Crow konnte man nie auf irgend etwas schließen.
"So, nun hört mir alle mal zu." Crow ließ ihren Blick kreisen, sie
hatte die volle Aufmerksamkeit von allen. "Luther, der Assistent von Sevall,
ist so was ähnliches wie ich." "Captain, was sind Sie?"
Paul konnte sich diese Frage nicht mehr verkneifen. Sie wandte sich dem jungen
Asiaten zu. "Wie Hawkes schon erwähnte, das willst Du gar nicht
wissen."
Sie hatte also das Gespräch mitbekommen. Irgendwie war das gruselig.
"Lassen wir das nun. Es gibt wichtigeres. Ihr müsst euch vor Luther in
Acht nehmen. Bei den Einsätzen habt ihr mitbekommen, wie ich arbeite, er kann
dies größtenteils auch.
Seine Reaktionen sind schneller und sein Instinkt
ist besser ausgeprägt. Man kann ihn am besten durch grelles Licht irritieren
und dann mit einem gezielten Schuss zwischen die Augen zur Strecke bringen. Wenn
Luther Euch angreift, müsst ihr ihn töten, denn wenn er verwundet wird, dann
wird er noch gefährlicher.
Bei einer Verwundung werden Unmengen von Adrenalin produziert, was die Kraft
nochmals steigert. Die Schmerzempfindlichkeit wird dadurch fast vollkommen
ausgelöscht." Vanessa musste heftig schlucken, als sie dies hörte.
"Das hört sich fast so an, als ob Luther kein Mensch sei." Crow
blickte sie scharf an. "Hat das irgend jemand behauptet, Vanessa, das
Luther oder ich welche sind? Glaubst Du wirklich, das ein ‚Mensch' zu den
Dingen die wir tun in der Lage wäre?"
"Aero Tech." Nathan stöhnte auf. "Volltreffer West, aber das ist nicht von Belang. Die Saratoga und die Crew sind in Gefahr. Besonders gefährdet seit Ihr und Colonel McQueen."
Es war kaum zu glauben, was sie da hörten, doch sie glaubten es alle. Aero Tech hatte ihnen zu oft bewiesen, zu was sie in der Lage waren. Vansen durchzuckte ein Gedanke. "Deshalb sind sie mit zu dem Einsatz gekommen, weil Sie ahnten, das Sevall uns bei dem Patrollienflug in eine Falle laufen lassen wollte, Captain." "Richtig. Ich weiß noch nicht genau, was er vorhat. Aber ich werde es schon bald wissen. Nun wieder zu Luther. Ihr habt es mit keinem normalen Gegner zu tun. Ihr müsst Luther zwischen die Augen treffen oder ca. 7 cm unter dem regulären Platz des Herzens.
Feuert mehrmals und geht nicht zu nah an ihn ran, bevor ihr Euch nicht zu 200 Prozent sicher sein könnt, das er nicht mehr am Leben ist." Shane schüttelte den Kopf. "Wir müssen zu Ross und McQueen. Die holen sich dann Sevall und diesen Luther."
"Und was machen sie dann mit ihnen, Vansen? Nichts. Weil sie nicht können, es fehlen die Beweise. Diese müssen wir besorgen. Besser gesagt ich muss sie holen, denn ich weiß ganz genau, wo ich sie finden kann. Außerdem, wenn wir jetzt Sevall schnappen, dann ist Luther weg und wir sehen ihn erst dann wieder, wenn McQueen nicht mehr am Leben ist." Beim Namen ihre Colonels zuckten die Wildcards zusammen.
Cooper schloss für Sekunden die Augen und drehte sich zu Crow. "In Vitros?" Crow nickte. "Mir war klar, das Luther entweder hinter Dir oder McQueen oder auch euch beiden her ist. Tja, der Colonel hat gewonnen. Ich werde mich um ihn kümmern, so gut es geht. Ich habe eine Bonus gegen Luther." "Was sollen wir tun, Crow?" "Lenkt Sevall und wenn es möglich ist auch Luther ab. Sevall ahnt noch nichts davon, das ich ihm in den Rücken falle und das sollte solange wie möglich aufrecht erhalten werden." Plötzlich blickte sich Wang genau um. "Was machen wir mit Perkins?
Der kann auch Probleme bringen." "Nicht
mehr, der ist gut verstaut. In ein paar Stunden wird der erst wieder
interessant." Crow stand auf und verließ den Raum. Cooper erhob sich
ebenfalls. Shane packte ihn am Arm. "Wohin willst Du Coop?"
"Ins Quartier, meine Waffe holen, Shane. Und nein, ich kann Euch nicht
erzählen, was ich weiß. Es geht einfach nicht. Jedenfalls kann ich eines
sagen, wenn wir wollen das Colonel McQueen eine Chance hat, dann müssen wir
Crow helfen." West zog Shanes Hand von Cooper Arm. "Er hat recht. Ich
bin dabei." "Falsch, West, wir alle sind dabei."
Sevall saß vor dem Terminal in seinem Quartier
und beobachtete die vor ihm durchlaufenden Daten. Mit seinen Gedanken war er
weit weg. Bei seinen Schöpfungen, seinen Kindern, wie er sie ab und zu nannte.
Luther, gehorsam wie ein scharfer Hund, nur wesentlich gefährlicher. Der würde
ihm diesen In Vitro endgültig vom Hals schaffen. Und auch Hawkes, den Befehl
würde er später geben.
Diese In Vítros waren ihm ein Dorn im Auge, er konnte sie nicht ausstehen,
genau so wenig wie die ganzen Wildcards. Dann gab es noch Crow. Das war sein
persönliches Meisterwerk. Die dritte Generation hatte auch als erste neben
menschlichen und tierische manipulierten Genen, außerirdisches Material
eingepflanzt bekommen. Sie war sozusagen der Prototyp. Die Nr. 1, die das Ganze
überlebt hatte und funktionstüchtig war. Und sie funktionierte hervorragend.
Noch Colonel Perkins als Partner und danach würde sie alleine operieren können. Er fragte sich, ob sie die Sprache der Chigs verstand. Leider konnten sie das nicht ausführlich testen, da die Chigs im Labor alle eingegangen waren. Irgendwann würde sich schon mal die Gelegenheit ergeben. Und der Erfolg mit Crow beruhte nur auf einen dummen Zufall. Eigentlich sollte nicht ihr altes Ego Elia Raven umgewandelt werden, sondern John Smith. Einzelgänger, Vollwaise, keine lebenden Verwandte mehr.
Nachdem er die Test zur Aufnahme bei den Angry
Angels verbocken würde, wäre er versetzt worden und niemand hätte ihn je
vermisst. Und das er die Test nicht schaffen würde, dafür wurde gesorgt. Er
wurde als perfekt eingestuft und dann kam nicht er, sondern Raven dazwischen.
Das war Fügung, auch wenn der fingierte Unfalltod zusätzliche Arbeit war. Das
Smith ein Fehlgriff gewesen wäre, zeigte sich bald.
Den als man ihn holte, starb er noch vor der OP. Ein schlafender Defekt kam zum
Vorschein und solche waren nicht geeignet. Also wurde er entsorgt. In nicht all
zu ferner Zukunft, würde er endlich eine kleine Armee von perfekten,
unbesiegbaren Killermaschinen besitzen. Das würde ihm noch mehr Macht bringen.
Das manche von ihnen Kannibalen waren, fand er
nicht so schlimm. Sie bevorzugten In Vitro Fleisch, das konnte man ja noch
verkraften. Alles hatte seine Vor- und Nachteile. Ein abstoßenden Lächeln
überzog sein Gesicht, weder Ross noch McQueen haben ihm seine Geschichte
abgenommen, dabei war sie sogar wahr, er hatte nur ein paar wichtige Fakten
unter den Tisch fallen lassen. Die Opfer.
Doch was sollte es, es war sein Spiel und das spielte er auf seine Art. Luther
tauchte neben ihm auf und setzte sich in eine Ecke des Raumes auf den Boden.
Sevall betrachtete ihn einige Zeit. Er war einer der besten der zweiten
Generation, aber das tierische in ihm konnte nicht geleugnet werden. Aber für
seine Zwecke war er perfekt, man konnte ja nicht alles auf einmal haben.
Zufrieden wandte sich Sevall den Daten zu.
McQueen spürte eine Hand auf seinen Mund
gepresst. Er wollte sich befreien, doch sein Gegner hielt ihn wie einen
Schaubstock fest, drückte seinen Oberkörper zusammen, das ihm die Luft knapp
wurde und eine lähmende Schwere seinen Körper umfing. Nun zog ihn die
unbekannte Person in eine freie Lagerhalle. Erst dort lockerte sich der Griff
und er konnte wieder frei Atmen. Benommen ging er in die Knie, versuchte dennoch
sofort auf die Beine zu kommen, ohne Erfolg.
"Mühen Sie sich nicht ab, McQueen, das dauert noch ein paar Minuten, dann
ist es wieder vorbei."
"Verdammt, Captain Crow, sind Sie wahnsinnig. Sie haben einen höheren
Offizier angegriffen und fast umgebracht."
Crow ging vor ihm in die Hocke. "McQueen, wenn ich Sie töten wollte,
wären Sie es bereits, garantiert."
"Was steckt dahinter?" "Sevall." "Hat er Ihnen
befohlen, mich umzubringen?" McQueen betrachtete sie dabei genau.
"Ja, aber das ist Luthers Job, nicht meiner. Deshalb ist er überhaupt
hier. Er will Sie und die Wildcards entgültig loswerden." Mühsam rappelte
sich der Ältere auf die Beine, Crow stellte sich nun auch wieder hin. McQueen
fühlte sich noch zittrig, aber es ebbte langsam ab.
"Dieser Luther ist wie Sie, Crow."
"Grundidee ist die gleiche, nur gehört Luther zur zweiten und ich zur
dritten Generation von Sevalls Lieblingsforschungsprojekt."
"Ich verstehe nicht ganz..." "Das ist auch nicht wichtig. Wichtig
ist nur, das Luther Sie nicht erwischt." Sie zog die Spritze aus ihrer
Brusttasche und hält sie McQueen hin. "Wenn er kommt und Sie angreift
haben Sie keine Chance, außer Sie jagen ihm dieses Zeug in die Adern. Das
tötet ihn in wenigen Sekunden."
"Warum können Sie mir das nicht anders mitteilen, Crow?"
"Weil ich noch keine Beweise habe und Sevall auf keinen Fall merken darf, das ich ihn hintergehe. Er muss an meine absolute Treue glauben. Sonst schlängelt er sich wieder aus der Sache raus und es geht weiter. Doch es muss beendet werden. Nichts anderes ist wichtiger, als das. Colonel, Sie müssen mir vertrauen, das ich Ihnen helfen will."
McQueen fixierte die gelbe Flüssigkeit. Crow zog eine Waffe aus ihrem Overall und reiche sie dem Mann. "Eine andere Möglichkeit ist eine Kugel zwischen die Augen oder mehrere hierher." Sie deutete auf eine Stelle auf der linken Hälfte ihres Brustkorbes. "Ich weiß nicht, ob Ihnen wirklich trauen kann, Crow."
"Die Wildcards jedenfalls tun es und ich
glaube ihr hätten Sie getraut." Aus einer Tasche holte sie ein Foto hervor
und warf es auf den Boden. Erstaunt stellte der Colonel fest, das es sein Foto
von den letzten vier Angry Angel Anwärtern war. Eine Person war mit Rot
umkreist. Das konnte doch nicht wahr sein. Er wollte gerade etwas zu ihr sagen,
da bemerkte er, das er alleine war.
Er hob das Bild auf. Sein Gedächtnis hatte ihn also nicht getrogen, als er
dachte, das er sie ihn an jemanden erinnerte. Lt. Elia Raven und Captain Crow
waren so unglaublich es klang, ein und dieselbe Person. Sevall, dieser
Dreckskerl, was hatte er ihr nur angetan. Er steckte die Spritze weg und die
Waffe ein. Jeglicher Zweifel war aus dem Weg geräumt.
"So ein Mist. Sevall haben wir gefunden,
aber Luther haben wir verloren. Keine Ahnung wohin dieser Kerl abgehauen ist.
Verdammt schnell."
Wütend sah sich Nathan um. Ihm und seine Kameraden war klar, das sie keine
Chance hatten, diesen Luther zu finden. Vielleicht war er gerade auf dem Weg zu
McQueen, um ihn zu töten. Betrückendes Schweigen machte sich breit. Jeder
hoffte, das Crow dies verhindern konnte.
Sie war wohl die einzige hier, die einen direkten Kampf mit Luther überstehen konnte oder vielleicht auch nicht. Sie waren beide anders und möglicherweise, war er ihr überlegen. "Luther ist weg, das können wir nicht ändern, also lasst uns überlegen, wie wir Sevall da raus bekommen." Vanessa grinste vergnügt. "Ich kann die Zimmertemperatur senken, nur für seinen Raum und auch so, das es nicht auf der Brücke angezeigt wird." "Hört sich gut an, Vanessa. Die Kommunikation muss auch unterbrochen werden. Wenn er dann raus kommt, fällt uns schon was ein, wie wir ihn beschäftigen können." Paul nickte aufgeregt. Ihm schien schon etwas eingefallen zu sein. Flüsternd erklärte er seinen Plan. Zustimmendes Nicken und schon begaben sich die Wildcards an die Umsetzung.
Erschrocken fuhr McQueen zusammen. Keine zwei Meter vor ihm war Luther aufgetaucht. Er konnte nicht sagen woher er gekommen war, nur das er plötzlich da war. Die Brille hatte er nicht auf und seine kalten Augen ließen den In Vitro erschaudern, sie lähmten ihn direkt. Blitzschnell sprang Luther auf sein Opfer zu und wollte in gerade packen, als ihn unerwartet etwas stoppte und zu Boden riss.
Schnell rappelte er sich wieder auf und sah sich scharf um. Auch die Decke ließ er nicht aus, doch nirgends war sein Gegner auszumachen. McQueen hatte sich in der Zwischenzeit gefangen und die Spritze hervorgezogen. Das vor ihm war ganz deutlich kein Mensch mehr, eher ein wildes Tier, das seine Beute reißen wollte. Hier ging es nur noch darum, wer von beiden schneller war.
Derjenige würde überleben. Luther drehte sich
zu McQueen und seine Augen bohrten sich in den Blick vom Colonel und wieder
umgab ihn diese tödliche Lähmung. Sein Gegner knurrte leise und hob die rechte
Hand, ging einige Schritte auf ihn zu, nur noch wenige Zentimeter trennten die
beiden und dann wurde McQueens Arms nach vorne gestoßen. Die kurze Nadel der
Spritze dran in Luthers Oberkörper, in der gleichen Sekunde leerte sich diese
mit Überdruck.
McQueen starre löste sich und er folgte dem Schauspiel, das sich im bot mit
grauem. Luther taumelte einige Schritte zurück. Was auch immer diese
Flüssigkeit war, verteilte sich rasend schnell. Seine Adern drahten über
deutlich hervor, sie nahmen eine gelbliche Farbe an. Die Anderen am Kopf
pulsierten immer schneller.
Er japste nach Luft, seine Augen schienen fast
aus den Höhlen zu quellen. Das tiefschwarze seiner Pupillen änderte sich zu
einem trüben grau. Der ganze Körper wurde schwammig, die gebräunte Haut wurde
fahl. Nur wenige Augenblicke später kippte er nach hinten und blieb regungslos
liegen.
"Ein Jäger weniger." Crow tauchte hinter McQueen auf. Sie hatte zuvor
Luther gestoppt und dann den Arm vom Colonel geführt. Sie ging an dem Mann
vorbei und kniete sich neben Luther. Der noch vor wenigen Minuten so starke und
überlegene Jäger war nur noch ein toter Klumpen Fleisch.
"Sie waren immer in der Nähe, nicht wahr, Crow?" Sie stand auf und
drehte sich zum Colonel.
"In Hörweite. Luther hätte Sie nie angegriffen, wenn er meine Anwesenheit
bemerkt hätte."
"Warum nicht?" "Ein genetischer Defekt. Viele der zweiten Generation waren Kannibalen, speziell In Vitro Fleisch hat es ihnen angetan. Sie würden es sicherlich Futterneid nennen, er hatte Angst, das er dann was von seiner Beute abgeben müsste." Das Ganze wurde immer unglaublicher und unheimlicher. "McQueen, ich muss weg, zu Sevall. Nicht das er noch die Informationen löschen kann."
Dieser nickte nur. Er war ein erfahrener und
abgeklärter Marine und immer der Meinung gewesen, das ihn nicht so leicht aus
der Ruhe bringen konnte, doch das hier, war einfach unglaublich. Sie wandte sich
ihm noch einmal kurz zu. "Colonel sagen Sie dem Commodore nicht, wer ich
wirklich war.
Es hätte auch keinen Sinn, Elia gibt es nicht mehr. Sie ist beerdigt worden und
kann nie mehr zurückkehren."
"Ihre Eltern..." "Sie haben ihre Tochter verloren. Crow ist
nichts mehr von ihnen und sie sollen es nie erfahren. Warum auch. Die können
mit mir nichts mehr anfangen und ich nicht mit ihnen."
Sie verschwand. McQueen konzentrierte sich auf
die Leiche vor sich. Dann rief er über das Kommunikationssysteme ein
Ärzteteam, das sich um die Überreste dieses Luthers kümmern sollte.
Vorerst sollte dieser nur sicher verstaut werden, bis man davon ausgehen konnte,
das seine Leiche keinerlei Gefahr für die Saratoga in sich barg. Nachdem diese
Sache erledigt war, machte er sich auf den Weg zum Commodore.
Zur gleichen Zeit im Quartier von Sevall. Fröstelnd zog er die Schultern hoch und sah sich um. Hier wurde es ungemütlich kalt. Er aktivierte die Kommunikation, doch sie gab nur ein Knacken von sich, danach nur noch stille. Leise fluchend verließ er den Raum, als gerade Hawkes und West an der Tür vorbei gingen.
Sie schienen in ihr Gespräch vertieft zu sein, ohne die Anwesenheit von Sevall dabei zu bemerken. Dies war ihm aus zwei Gründen ganz recht. Erstens waren die Wildcards nicht sonderlich gut auf ihn zu sprechen und zweitens, der Inhalt des Gespräches, das er gerade aufschnappte. Geschockt folgte er ihm. West nickte gerade zustimmen.
"Ja, sie soll anscheinend genetisch
manipuliert sein." "Sogar Chig-Gene soll sie haben. Habe ich
jedenfalls gehört. Kein Wunder das sie dann so gut kämpfen kann."
"Der große Nachteil ist aber..." Verdammt, sie waren zu weit weg, das
Sevall noch etwas verstehen konnte. Über wen sie sprachen war leicht zu
erraten, Crow. Sie wussten auch ziemlich viel und was war das, ein Nachteil?
Ein Defekt über den er, Sevall, nicht Bescheid wusste? Crow konnte, durfte auf
keinen Fall einen Fehler haben, sonst würde das gesamte Projekt eingestellt.
Das hatte man ihm unmissverständlich klar gemacht.
Sein großer Traum würde dann wie eine Seifenblase platzen. Die ganze Arbeit
wäre umsonst gewesen. Seine ganzen Bemühungen. Das musste er verhindern.
Vorsichtig schlich er hinter den beiden jungen Männern her, ohne zu merken, das
ihm wiederum Vansen und Wang folgten.
Währenddessen machte Damphousse die Manipulationen an der Raumtemperatur und
Kommunikation rückgängig. Nachdem sie dies alles erledigt hatte, ging sie zur
Brücke, um Commodore Ross Meldung zu erstatten.
Sevall hatte noch nicht mal die Tür ganz hinter sich geschlossen, als Crow schon aus dem Lüftungsschacht in sein Zimmer gelangte. Lautlos erreichte sie den Boden. Sie hatte noch aufgeschnappt, was West und Hawkes sagten. Kluge Idee, ihn auf diese Art zu beschäftigen. Sie wusste nur zu gut, wieviel ihm dieses Programm bedeutete, egal auf wessen Kosten er es durchzog.
Und die niedrige Raumtemperatur ging sicherlich auch auf das Konto der Wildcards. Kein Wunder, das sie zu den Besten bei den Corps gehörten. Crow durchsuchte den Raum nicht, den das was sie brauchte, hatte sie bereits in seinem Quartier entdeckt. Gut getarnt, aber diese ungewöhnlichen Informationsdateien kannte sie seit dem sie Crow war, bestens. Damit wurde im ganzen Projekt gearbeitet, Labors, Krankenstationen, Trainingslagern usw. Das knacken war ebenfalls ein Klacks. Informationen in sich aufzunehmen war eine ihrer besonderen Fähigkeiten und die hatte sie genutzt.
Und nun schaffte es Sevall tatsächlich sie zu erstaunen. Das erste hatte sie selbst schon vermutet. Deshalb wollte er nicht, das sie bei dem Patrolienflug mit den Wildcards dabei war. Er hatte ganz genau gewusst, das bei diesen Koordinaten mit Feindkontakt zu rechnen war. Mit äußerst starkem. Auch eine Möglichkeit, unauffällig jemanden los zu werden oder eine gesamte Staffel auszulöschen.
Hätte vielleicht sogar geklappt, wenn sie sich nicht eingemischt hätte. Zumindest hätte sie Verluste davon getragen. Sein offizieller Auftrag war es, die Arbeit von Colonel Perkins und ihr zu beobachten. Sie sollten einen hoch gestellten Chig umbringen. So weit so gut, doch sein Hauptanliegen bestand darin, Colonel McQueen und die Wildcards zu eliminieren. Notfalls würde er die gesamte Saratoga für den Plan opfern. Das hätte Crow echt nicht erwartet. Dieser ganze Mist ging auch alleine auf sein Konto. Seine Chefs hatten keine Ahnung von seinem Plan, den nicht mal die würden das beste Kampfschiff der Flotte vernichten lassen.
Mal wieder eine Arbeit hinter deren Rücken. Und was stand da, er hatte noch eine zusätzliche Sicherheit dabei. Meinte er damit Luther? Aber das passte nicht so ganz. Luther sollte sich um McQueen und nun auch um die Wildcards kümmern, aber was ist eine zusätzliche Sicherheit? Sicherheit, das ging ihr nicht aus dem Kopf. Er hatte also wieder mal einen Trumpf in der Hinterhand. Doch welchen? Wie könnte man ein Schiff wie die Saratoga vernichten? Dem Feind ausliefern... oder eine Bombe. Bombe, das passte schon viel besser zu Sevall.
Solange er an Bord war, war diese ungefährlich, doch wenn er verschwand... Crow steckte die Disc ein. Sie war sauer, schon wieder hatte er es geschafft, sie zu überlisten, auch wenn er dies nicht bewusst getan hatte. Tja, das bedeutete, das sie ihn suchen musste und ‚überreden', damit er ihr sagte, wo die Bombe sich befand. Ihr vielen auf Anhieb sieben verschiedene Möglichkeiten ein, wie diese Unterhaltung vonstatten gehen konnte.
Auf ein persönliches Gespräch mit Sevall war sie sowieso schon lange scharf und wenn die Gefahr für die Saratoga beseitigt war, dann würde noch ein kurzes Abschiedsgespräch kommen. Crow wollte das letzte sein, was er in seinem Leben zu sehen bekam.
Fassungslos vernahm Commodore Ross, was ihm McQueen mitteilte. Und dann kam noch Damphousse dazu und berichtete was sie wusste und was die Wildcards versuchten. Das er der letzte war, der davon erfuhr begeisterte ihn nicht gerade, aber es musste schnell gehandelt werden, so das sie ihn gar nicht hätten vorher informieren können, ohne das dabei großer Schaden entstanden wäre. "Wache, suchen Sie nach Mr. Sevall von Aero Tech und bringen Sie ihn in den Konferenzraum. Lassen Sie ihn keine Minute aus den Augen, davor untersuchen Sie ihn genauestens auf Waffen."
Er drehte sich zu Vanessa. "Lt. Damphousse,
ich will die Wildcards dabei haben, ebenfalls Captain Crow. Und Sie Colonel
McQueen zeigen mir diesen Luther." Mit großen Schritten verließen Ross
und McQueen die Brücke.
Die Leiche befand sich auf der Krankenstation, in einem Quarantänebereich. Dr.
Myles kam hinzu. "Commodore Ross, dieser Mann ist äußerst ungewöhnlich.
Aufgrund der Weisungen von Colonel McQueen konnten wir ihn nur aus sicherer
Entfernung, äußerlich begutachten, aber er zeigt keine der normalen
körperlichen Reaktionen, die man bei einem Verstorbenen erwarten kann.
Es sieht fast so aus, als ob ihn ihm alles in sich zusammengefallen wäre und
sich in seine Bestandteile aufgelöst hätte. Nur noch seine Haut sorgt dafür,
das er nicht auseinanderfließt. Dies habe ich noch nie gesehen."
Ross sah den Arzt durchdringend an. "War er ein Mensch?" "Das kann ich erst nach eingehenden Untersuchungen sagen, aber ich denke ja. Jedenfalls ein Teil von ihm. Mehr kann ich aber beim besten Willen noch nicht sagen." "Doktor, ich geben Ihnen Bescheid, wann Sie mit den Untersuchungen anfangen können."
"Ja, Sir." Der Arzt zog sich zurück. "Was haben Aero Tech da nur wieder ausgebrütet?" McQueen seufzte leise. "Sie haben Gott gespielt, ohne über die Konsequenzen nachzudenken." "Gehen wir. Ich bin gespannt wie Sevall das erklären will. Auch die Geschichte von Crow wird sicherlich sehr ungewöhnlich sein."
Der Colonel nickte nur stumm. Er hatte die Bitte von Crow akzeptiert und Ross über ihre wahre Identität nicht aufgeklärt. Das war nicht nötig. Es würde auch keinerlei Sinn machen. Manchmal war es besser, die Toten ruhen zu lassen, auch wenn sie auf andere Weise noch lebten. McQueen hatte immer gedacht, das er nur zu genau wüsste, was die Hölle auf Erden wäre, doch nun war er sich da gar nicht mehr sicher. Crow schien noch viel schlimmeres widerfahren zu sein. Unbeschreibliches. Und man konnte es nicht mehr rückgängig machen. Genetisch manipuliert. An seinen Genen wurde auch hantiert, aber was wurde alles bei Crow und Luther gemacht? Ihm fiel auf, das er in seinem Gedanken nie Raven zu ihr sagte, obwohl noch etwas an diese Person erinnerte, war sie auch für ihn Crow.
Er würde wohl nie genau erfahren, was man mit ihr angestellt hatte und er gestand sich ein, das er es eigentlich auch nicht wissen wollte. Alles in ihm sträubte sich dagegen, mehr als nötig darüber zu erfahren. Denn wenn er es wüsste, könnte er Crow noch als Mensch akzeptieren? Ross und McQueen hatten den Konferenzraum erreicht. Dort erwartete sie bereits ein laut fluchender Sevall, bewacht von zwei Sicherheitsoffizieren und den Wildcards. Als er Ross entdeckte wollte er gleich auf ihn zu stürmen, sofort wurde er von den Wachen unsanft zurückgehalten.
"Commodore, was soll dieses Theater hier? Sind Sie verrückt geworden, Ross? Das wird für Sie noch ein Nachspiel haben, das verspreche ich Ihnen."
"Ich denke nicht, das es für mich ein Nachspiel haben wird, eher für Sie. Ihr Assistent Luther... aber gehen wir doch erst mal hinein. Die Wache bleibt vor der Türe, wenn Captain Crow kommt, rein lassen. Wildcards, Sie kommen alle mit hinein." Ross wandte sich zu Vanessa. Ihre Haltung strafte sich. "Wo ist Captain Crow?"
"Sie kommt gleich, Sir. Captain Crow muss
noch etwas erledigen. Hat etwas mit der Sache hier zu tun, Sir."
"Gut." Ross drängte alle in den Konferenzraum. Bis auf Shane war von
den Wildcards noch keiner in diesem Raum gewesen. Kein Fenster in den Weltraum,
speziell abgeschirmt gegen Sprengsätze und Abhörtechnik. Ein ovaler Tisch mit
sieben Stühlen war das Herzstück des Raumes. An einer langen Seite war ein
großer Bildschirm. McQueen drückte Sevall in einen der Stühle, je daneben
nahmen Ross und er Platz. McQueen hatte zuvor seinem Schwadron angedeutet,
Position ein zunehmen.
West und Hawkes bewachten die Tür, Wang stand vor dem Bildschirm, Damphousse und Vansen stellte sich mit etwas Abstand hinter die beiden vorgesetzten Offiziere. Alle Blicke waren auf Sevall gerichtet, das einzige was ihm half, Fassung und Ruhe zu bewahren, war die Tatsache, das er mit Luther und Crow hier war und seine Rückversicherung. Ross blickte ihn hart an. "Mr. Sevall, Ihr Assistent Luther hat versucht Colonel McQueen zu ermorden. Er hat es nicht geschafft und nun liegt er Tod auf der Krankenstation."
Tod? Das konnte nicht wahr sein. Seine Wesen
konnte nicht so einfach draufgehen. Unsterblich waren sie zwar nicht, aber
trotzdem schwer umzubringen. Und das dieser McQueen Luther gewachsen gewesen
sein könnte, konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen.
Aber wäre von diesen Typen hier in der Lage gewesen? Die Tür öffnete sich.
Erleichterung durchströmte seinen Körper, als er Crow erkannte, die gerade
eintrat. Ross stand auf und ging zu ihr. "Wo waren Sie, Captain Crow?"
"Entschuldigen Sie, Sir, aber ich musste mich erst um Colonel Perkins
kümmern, ich habe jemanden..." Sie sah kurz zu Hawkes.
"...versprochen ihn nicht zu töten. Er ist jetzt auf der Krankenstation.
Morgen ist er wieder Einsatzfähig, Sir." "Warum haben Sie ihn außer
Gefecht gesetzt? Hat er was mit der ganzen Sache hier zu tun?"
"Nein, nicht direkt. Er wollte mich töten, ohne dies jedoch zu ahnen. Sevall hat ihm eine Lösung gegeben, dabei aber vergessen zu erwähnen, was es für eine fatale Wirkung auf mich haben würde." Ruckartig fuhr Sevall von seinem Stuhl hoch, war diesen dabei um. "Er wollte es gegen Dich einsetzten, Crow, dieser Idiot. Ich habe ihm doch gesagt, das es nur für Luther bestimmt ist, im Notfall." Sie trat einige Schritte näher und stützte sich mit den Händen auf die Tischplatte. "Keine Angst Sevall, es hat noch sein Ziel erreicht." So war also Luther gestorben. Doch wie war McQueen daran gekommen? Perkins hatte das Mittel, dann hat ihn Crow außer Gefecht gesetzt, das Zeug an sich genommen, bis dahin war Sevall alles klar, aber wie kam es zu McQueen und dann zu Luther?
Oder hatte Crow Luther getötet? Die beiden hatten sich noch nie vertragen. Ihre Art kam schon so schlecht mit einander aus, aber das zwischen den beiden war wesentlich schlimmer. Luther hätte es sicherlich getan, wenn er die Chance dazu bekommen hätte, also würde es Crow auch tun. Nur woher wusste sie dann, das Luther auf McQueen angesetzt worden war?
"Setzten Sie sich, Sevall, sofort!" Der
scharfe Ton von Ross löste bei den Aero Tech Mann ein leichtes Zittern aus.
Hastig hob er den Stuhl auf und setzte sich wie befohlen. Crow zog eine Diskette
hervor und schob sie Ross zu. Dieser nahm sie und betrachtete sie eingehend.
Dieser Art kannte er nicht. Sevall er kannte sie dafür sofort. Und dann begann
er zu grübeln, welchen Plan Crow nur ausheckte, das sein Geschöpf sich jemals
gegen ihn wenden könnte, kam ihm nicht in den Sinn.
"Sie gehört Sevall, darauf sind seine konkreten Pläne mit der Saratoga
dokumentiert. Inklusive den Mordaufträgen an McQueen und den Wildcards. Luther
ist nur deshalb hier gewesen. Die Ansichten von Sevall zur Saratoga sind auch
äußerst aufschlussreich. Er würde die Vernichtung ohne weiteres in Kauf
nehmen. Ach ja, falls Luther versagen sollte, hat er noch eine Rückversicherung
dabei, eine Bombe." Bei diesen Worten zog sie ihre Brille runter und
fixierte mit ihrem Blick Sevall.
Doch noch immer glaubte dieser an einen ausgeklügelten Plan von Crow, das war eine ihrer Spezialitäten, sie dachte an alles. Er zweifelte nicht im geringsten an ihren bedingungslosen Gehorsam. Das unheilvolle Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. Die Stimme wurde bedrohlich. "Hey Sevall, denke nach: Hardy, Morris, Ryder, Beck, Spacey, Ruiz, Roman, Donen, Ramis, Lasset, Hunt, Kelly, Hanks, Mitchell, Baker, Hall, James, O'Connor, Harris, Ramsey, Maar und zu guter letzt Morris." Sevall nickte stumm, das waren alles Menschen, die zum Projekt gehörten und alle waren... "Hatten alle lauter dumme Unfälle oder sind auf nimmer Wiedersehen verschollen."
Das bedingungslose Vertrauen in seine Macht über seine Kreatur fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Blitzschnell sprang Crow auf den Tisch, packte Sevall am Kragen. Sie stellte sich gerade hin und hielt ihn dabei mühelos in der Luft. "Du weißt was ich alles kann nur zu genau, es war Deine Idee, vor allem die Entfernung des Gewissen oder das Gefühl Mitleid war Dir unglaublich wichtig. Also, wo ist die Bombe?" Die restlichen Anwesenden beobachteten das Geschehen mit aufgerissenen Augen.
Obwohl die Wildcards sie bereits kämpfen gesehen hatten, waren sie überrascht von dieser Kraft. Nur Cooper wusste, das sie noch viel mehr in sich hatte, das lieber nicht raus gelassen werden sollte. Hoffentlich war sich dem auch Sevall klar, obwohl dies eigentlich egal war. Eines wusste der junge In Vitro ganz genau, das Sevall die Saratoga nicht lebend verlassen würde. "Crow..." Seine Stimme kam ziemlich kläglich hervor. "...Lass mich sofort runter." Für alle unerwartet gehorchte sie dem Befehl ihres Schöpfers, nur nicht so ganz, wie er sich das vorgestellt hatte. Mit ungemeiner Wucht schleuderte sie ihn gegen die Wand.
Fortsetzung folgt
Autor: Christine
Copyright © 2002 Alle Rechte beim Autor. Nachdruck, aus Auszugsweise, Veröffentlichung oder Vervielfältigung jeglicher Natur ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors erlaubt.
Die Charaktere
und Situationen der Serie "Space: Above & Beyond" wurden von Glen
Morgan und James Wong, Fox Broadcasting und Hard Eight Productions kreiert und
basieren auf ihren Ideen. Alle Handlungen in dieser Geschichte sind frei
erfunden und nur die Charaktere stimmen mit "Space: Above & Beyond"
von Glen Morgan und James Wong überein.
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James Wong autorisiert. Copyright Verletzung ist in keinster Weise
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