Die Dritte
Generation
by Christine Frieben
Teil 6
Ein lautes Knacken ertönte und ließ Sevall aufbrüllen. Er lag mit schmerzverzehrtem Gesicht an der Wand und sein linkes Bein war unnatürlich gebogen. Ein glatter Knochenbruch. Crow sprang leichtfüßig vom Tisch und beobachtete Sevall genau, doch sie rührte sich nicht. Wie eine Raubkatze, die mit ihrer sicheren Beute spielte. Ross sah kurz auf Crow und stellte sich neben Sevall.
Er verstand so gut wie gar nichts, doch auf eine Erklärung musste er noch warten, den nun war die Bombe wichtiger. „Wo ist sie, Sevall? Sie haben die Wahl, entweder Sie reden mit mir oder ich lasse Sie mit Crow alleine.“
Angst durchzuckte den am Boden liegenden bei Crows Namen. Deutlich erkannte er in den Augen des Commodores, das dies keine lehre Drohung war, sondern ernst gemeint wurde. Nein, das wollte er auf keinen Fall, nicht mit ihr alleine sein, nicht eine Sekunde, er war ja schon jetzt nicht sicher vor ihr. „Im Transporter, Deckenverkleidung, Mittelteil.“ stieß er mühsam hervor.
„Wang, Damphousse, Sie kümmern sich um den Transport von Sevall in die Krankenstation. Sie bewachen ihn persönlich, auch in der Krankenstation. Sie weichen nicht von seiner Seite, außer er ist betäubt oder lebt nicht mehr. Der Rest kommt mit mir.“
Schon eilen sie zur Landezone, wo sich der Transporter von Aero Tech befand. Gefolgt von Vansen, West und Hawkes verschwand Crow darin. Nach 10 Minuten hatten sie die Bombe geborgen und den Zünder untauglich gemacht.
Es war eine mit einem außerirdischen Sprengsatz. Diese hätte bei Zündung nichts von der Saratoga übrig gelassen. Vansen erstattete bei Ross und McQueen Bericht. „Die Bombe ist nicht scharf, wir haben sie vom Zünder getrennt, Sir. Sie wird gerade in einen sicheren Behälter verstaut, Sir.“
„Gut, holen sie die Anderen. Unsere Experten werden sich dann um unser Präsent kümmern. Und dann möchte ich endlich wissen, was hier eigentlich genau los ist. Ich habe lange genug gewartet und Geduld bewiesen.“
Shane nickte und verschwand im Transporter. „Sevall ist wohl das größte Aas, das jemals geboren wurde, McQueen. Ich kann es einfach nicht fassen, das er wirklich daran gedacht hatte, die Saratoga zu zerstören.“
Der Colonel wirkte leicht verwundert, wo seine Leute und Crow blieben. Langsam betrat er den Transporter und musste erstmal schlucken. Die vier lagen alle bewusstlos auf dem Boden, jedenfalls hoffte er, das sie bewusstlos waren. Schnell tastete er nach den einzelnen Pulsen, sie waren zu fühlen, wirkten verlangsamt auf ihn, außer bei Crow und Hawkes. Am schnellsten und normalsten wirkte der bei Crow.
„Commodore, rufen Sie das Medi Team, alle vier sind Bewusstlos. Warum kann ich nicht erkennen.“ „Kommen Sie raus McQueen, wenn es mit der Bombe zusammenhängt, ist es vielleicht eine Schutzvorrichtung.“ „Commodore, wenn dies der Fall ist, dann ist es schon zu spät.“
Wütend schnaubte Ross auf. Er musste sich zwingen, nicht in den Transporter zu stürmen und nach seinem Freund und seinen Leuten zu schauen. Sevall, für diesen ganzen Mist hier würde er zahlen, dafür würde Ross höchst persönlich sorgen. Diesmal könnte er sich nicht raus winden, wie die vielen anderen Male.
Der Commodore stand zusammen mit Damphousse und Wang in der Krankenstation. Hinter der einen Tür lagen die vier Marines und hinter der anderen bewachten Tür, lag dieser verlogene Kerl von Aero Tech. Leider war er zur Zeit nicht ansprechbar, aber bald würde ihn sich Ross zur Brust nehmen und das würde für diesen Schleimer kein Vergnügen werden. Das würde die letzte Schweinerei sein, diesmal würde er zur Rechenschaft gezogen werden. McQueen kam gefolgt vom Arzt durch eine der Schwingtüren.
Ross trat auf ihn zu. „Was ist mit meinen Leuten los, Doktor? Ist es ernst.“ Dieser schüttelte den Kopf. „Ein Betäubungsmittel, harmlos. Es setzt Ihre Leute für ungefähr 12 Stunden außer Gefecht. Sie schlafen tief und fest.“ Erleichterung machte sich bei den Marines breit. Der Doktor kratzte sich am Kinn. „Auffällig an dem Zeug ist nur die Reinheit. So was muss aus einem hochentwickeltem Forschungslabor kommen.“ „Wie wurden sie damit infiziert?“ „Sie haben es eingeatmet, ein kurzer Zug reicht vollkommen aus und man verabschiedet sich auf der Stelle. Es verfliegt sehr schnell, deshalb hatte es auf Colonel McQueen keinerlei Auswirkungen.“ Der Commodore atmete beruhigter durch. „Woher stammt das Zeug, war es an der Bombe?“
„Nein, Sir. Das wissen wir als einziges genau, das es nicht an der Bombe war. Wir haben ein paar feine Glassplitter auf dem Boden entdeckt, an denen noch Rückstände des Mittels waren. Mehr haben wir noch nicht, Sir. Wir behalten den Captain und die Lt.‘s zur Überwachung hier, aus Sicherheitsgründen, doch es dürfte zu keinerlei Komplikationen kommen. Commodore Ross, ich wollte Sie noch bitten, mir den Zugriff auf die Krankenakte von Captain Crow zu geben.“ „Ist nicht möglich, Doktor. Die sind Top-Secret. Warum brauchen Sie diese? Gibt es bei ihr Probleme?“
„Nein, Sir. Nur ihre Blutwerte sind äußerst ungewöhnlich. Solche habe ich noch nie gesehen. Vielleicht wäre in den Unterlagen dafür ein Grund zu finden.“ „Doktor, untersuchen Sie das weiter, aber reden Sie nur mit mir über die Ergebnisse, verstanden?“ „Ja, Sir.“ Ross wandte sich an die restlichen Anwesenden. „Sie können alle wegtreten. Die Befragung zu den ganzen Geschehnissen beginnt erst, wenn alle wieder auf den Beinen sind.“ Schon verließ der Commodore als erster die Krankenstation. Paul und Vanessa blickten unsicher zu der Tür, hinter der ihre Freunde lagen.
McQueen legte den Beiden eine Hand auf die Schulter und schob sie in Richtung Ausgang. „Ihnen geht es gut. Gehen Sie beide auch schlafen. Den haben Sie sich redlich verdient. Morgen ist alles wieder mit ihnen in Ordnung.“ Zusammen verließen sie nun die Krankenstation.
Alles war ruhig in der Krankenstation. Die Nachtschwester saß hinter ihrem Schreibtisch und ergänzte Krankenakten. Die beiden Wachen vor Sevalls Krankenzimmer waren gerade vor fünf Minuten Abgelöst worden und tranken Kaffee. Leise unterhielten sich die Männer dabei. Im Zimmer mit den bewusstlosen Marines waren nur die gleichmäßigen Atemzüge auszumachen.
Es wirkte ruhig und normal, doch es wirkte nur so. Eines der Betten war leer. Der Insasse hatte sich bereits lautlos angezogen. Nun stand Crow still in der Mitte des Raumes und konzentrierte sich auf die ihre nächsten Schritte. Beseitigen aller Spuren. Niemand durfte Wissen, was sie wirklich war. Die Ausnahme war Cooper, doch der würde sie nie verraten. Außerdem kannte er nur eine Geschichte und hatte keinerlei Beweise um diese zu untermauern. Und so sollte es auch bleiben. Ihr erster Weg führte in das Labor. Bald hatte sie ihre Blutproben gefunden und in den Ausguss geschüttet.
Das Röhrchen spülte sie fein säuberlich aus und stellte es zu den Röhrchen, die zum desinfizieren bereit standen. Bald würden sie in die Automatische Vorrichtung kommen und dann war nichts mehr zu finden. Ihr Blick fiel auf die Uhr. 3.17 Uhr, um diese Zeit machte die Krankenschwester eine kleine Kaffeepause.
Dafür ging sie zum Automaten, setzte sich an den kleinen Bistrotisch und lass in den Zeitungen die dort lagen. Das dauerte ca. 10 Minuten. Diese Zeit reichte Crow vollkommen aus. Sie setzte sich hinter den Terminal im Labor und rief die bisherigen Testergebnisse ihres Blutes ab und alle anderen gespeicherten Daten über sich. Das löschte sie dann und zwar so, das eine Wiederherstellung dieser nicht mehr möglich war. Erledigt. Sie nahm einige Flaschen aus dem Labor mit und schlich sich zur Pathologie. Dort befand sich ein säuregehärtetes Becken zum Luftdicht verschließen.
Darin konnte man gut und leicht einen kompletten Chig mit Kampfausrüstung hineinlegen und den Deckel zumachen. Das machte sie nun mit Luthers Überresten. Kaum lagen sie darin, übergoss sie diese mit dem Inhalt der Flaschen und schloss schnell den Deckel. 15 Minuten, dann wäre von Luther nichts mehr übrig. Die Säure wäre kurze Zeit darauf ungefährlich, davor ließ sich der Behälter sowieso nicht öffnen. Diese Kombination war einfach eine ideale Lösung jemanden komplett aufzulösen. Und das hatte sie schon ein paarmal gemacht. In der Zwischenzeit könnte sie sich um ihren ‚Liebling‘ Sevall kümmern.
Die Krankenschwester warf einen kurzen Blick um die Ecke. Die Wachen saßen noch da und schienen in eine leises Gespräch vertieft zu sein. Dann setzte sie sich wieder hinter ihren Schreibtisch und machte ihre Arbeit weiter. Alles war in bester Ordnung. Doch da täuschte sie sich gewaltig, den die Wachen waren bereits seit ein paar Minuten bewusstlos. Crow hatte sie so hin drapiert, das man es beim flüchtigen Blick nicht bemerkte. Sie selbst befand sich bereits im Zimmer von Sevall.
Dieser hatte ein eingegipstes Bein und schlief tief und fest. Dieser Mistkerl hatte noch nicht mal einen schlechten Schlaf. Er schien sich gar nicht im klaren darüber zu sein, was er so vielen natürlich Geborenen und In Vitros angetan hatte, damit sie seinen Traum erfüllen konnten. Sie wollte gerade zuschlagen, besann sich aber anders. Nein, so einfach wollte sie es ihm nicht machen.
Das wäre zu schön, er würde nichts merken, doch er sollte es merken und es wissen. Sie stieß ihn grob an. Es dauerte einige Minuten bis er wach war. Sich die Augen reibend und gähnend blickte er sich um und erstarrte. „Crow.“ Seine Stimme war leise und brüchig. „Sevall, schön das Du wach bist.“ Ihre Stimme ließ ihn frösteln. „Denk nicht mal daran, zu schreien, Sevall, Du weißt, ich bin um einiges schneller.“
„Was willst Du, Crow?“
„Das Ende des Projektes und natürlich auch Dein Ende. Und wenn Du weg bist, ist das Projekt auch erledigt.“ „Was hilft es Dir, Crow? Du brauchst uns. Du brauchst Menschen, die mit Menschen wie Dir umgehen können.“ Bei den Worten ‚Menschen wie Dir‘ verzog sie nur verächtlich das Gesicht.
„Mensch. Ich bin kein Mensch mehr. Weder genetisch, noch anders. Jegliche menschliche Regung und Emotion wurde gelöscht. Ich kann sie nicht mal mehr nachvollziehen, vielleicht noch eingeschränkt imitieren. Ich gehe mal davon aus, das gerade mal 60 % meiner Gene vom Menschen stammen, der Rest ist tierisch und ein kleiner Prozentsatz ist Außerirdisch, nicht wahr Sevall?“ „7 Prozent.“ „Du hast einfach entschieden, das Elia Raven stirbt und Crow entsteht.“ Sevall schluckte mehrmals. Ihre Erinnerungen waren da, sie kannte ihr altes Ich noch.
Er wusste zwar, das sich ein paar an Bruchstücke ihres Lebens erinnern konnten, doch hier schien es sich um viel mehr als nur Bruchstücke zu handeln. „Ja, Sevall, es stimmt. Ich erinnere mich an alles, wirklich alles.“ „Crow, ich habe Dir das Leben geschenkt. Ich habe Dir ein neues Leben geschenkt. Ohne mich würde es Dich gar nicht geben.“ Sie trat ganz nah an ihn heran, nur wenige Zentimeter trennten ihre Gesichter von einander. In dem halbdunklen Raum konnte Sevall die Wandlung der Augen erkennen. Hellgraue Augen tauchten auf. "Ich habe nie um dieses Geschenk, dieses Leben gebeten.“ „Du wärst wie die anderen Angry Angels umgekommen, durch mich lebst Du noch.“ „Leben? Das ist kein Leben, das ist gar nichts mehr. Und das ich kein Gewissen mehr habe, wird Dir nun zum Verhängnis. Darauf hättest Du nicht so bestehen sollen. Hier kommt mein und Jacobs Geschenk.“
Dann schlug sie ihm kurz und schnell auf den Hals. Sofort begann Sevall zu röcheln und zu keuchen. Crow zog eine Mullbinde aus ihrem Anzug und fesselte Sevalls Hände seitlich ans Bett. Sie wirkte dabei beschwingt. Er konnte nicht mehr sprechen, rang verzweifelt nach Luft. Crow strich ihm einige Strähnen aus dem Gesicht. „Es dauert noch ein paar Minuten, aber dann hast Du es überstanden, Sevall.
Ich würde Dir lieber einen längeren Tod schenken, aber leider ist das hier nicht der Ideale Ort. Ich kann auch nicht bis zum Schluss bleiben, ich habe einen Zeitplan. Du weißt ja, es ist wichtig, den einzuhalten.“ Das letzte was Sevall noch in den letzten Minuten seines Lebens sah, war seine Schöpfung, wie sie mit seelenlosen pechschwarzen Augen ihn bösartig grinsend betrachtete und dann war sie verschwunden.
Langsam kam Cooper zu sich. Er brauchte einige Zeit um sich zu orientieren und zu erinnern, was passiert war. Er entdeckte Shane und Nathan in den anderen Betten ruhig schlafen. Das letzte war leer, aber darin hatte jemand gelegen. Es war zwar gemacht, aber nicht so ordentlich. Crow.
Das war Crow gewesen. Im Transporter hatte sie unerwartet etwas aus der Tasche gezogen, Nathan und ihm unter die Nase gehalten und schon waren sie weg vom Fenster. Anscheinend hatte sie auch Shane erwischt und zur Tarnung sich selbst auch. Doch ihr Körper verarbeitete das Zeug schneller. Und wie es aussah, auch sein In Vitro Körper. Er fühlte sich noch etwas wackelig auf den Beinen, aber das legte sich bald. Leise holte er seine Klamotten aus dem Schrank und zog sich an. Ein Dummes Gefühl in Richtung Crow breitete sich in ihm aus.
Sevall befand sich auch auf der Krankenstation und genau das war das Problem. Obwohl es eigentlich auch egal war, wo er sich auf dem Schiff aufhielt, sie würde ihn sich holen, so oder so. Hoffentlich tat sie den Wachen nichts an. Es gehörte nicht zu ihrer normalen Vorgehensweise, Menschen am Leben zu lasse, wenn sie im Weg standen. Perkins war eine Ausnahme und auch nur, weil Cooper sie darum gebeten hatte.
Sie hatte auf ihn gehört, warum auch immer. Normalerweise müsste er jetzt sofort Ross und McQueen informieren, doch er wollte erst mit Crow sprechen. Zwischen ihnen war eine nicht zu erklärende Verbindung. Vorsichtig schlich Hawkes auf den Gang und schlug den Weg zu Sevalls Zimmer ein.
Die Nachtschwester räumte gerade mit dem Rücken zu ihm etwas in den Schrank und bemerkte ihn daher nicht, wie er vorbei huschte. Er stand nun vor den Wachen. Aus der Nähe erkannte er sofort, das sie nicht wach waren, erleichtert bemerkte er dann, das sie atmeten. Sein Blick blieb an einem Zettel hängen, der an die Mütze des einen gesteckt war.
„ZUFRIEDEN COOPER?“
Sie hatte mit ihm gerechnet und konnte ihn verdammt gut einschätzen. Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, als er den Zettel einsteckte. Dann wurde er wieder ernst und betrat das Krankenzimmer von Sevall. Sofort erkannt er, das Crow hier nicht so nett war. Sevall hing mit dem Kopf aus dem Bett, das Gesicht bläulich verfärbt, die Augen weit aufgerissen. Aus dem Mund war ein weißer Schaum ausgetreten. Auf dem Bett lag eine weitere Mitteilung.
„BYE BYE COOPER.“
Auch diesen schnappte er sich und verließ den Raum. Und wieder hatte er Glück, die Nachtschwester hatte ihren Platz verlassen und er konnte die Krankenstation unbemerkt verlassen. Sein Weg führte ihn im Laufschritt zum Flugdeck, in dem sich unter anderem die Jäger der Wildcards befanden. Es war für ihn einfach klar, da sie sich genau dort befinden musste.
Kaum war er bei dem Deck 16, als er schon drei Techniker bewusstlos auf den Boden entdeckte. Eilig ging es weiter und er traf auf weitere Bewusstlose. Dann sah er sie. Crow stand in Fliegerausrüstung da, den Helm unter den Arm geklemmt. Unter dem anderen Arm hielt sie einen Blechkasten. Hawkes erkannte ihn gleich wieder. Darin bewahrte sie ihre Erkennungsmarkensammlung auf. „Crow.“ Sie drehte sich zu Cooper um. Ihre Augen leuchteten hellgrau aus dem Gesicht.
Bevor sie auf Cooper zuging, legte sie den Helm zur Seite. „Warum willst Du gehen, Crow und vor allem, wohin?“ „Mit Sevall ist das Projekt gestorben. Die Unterlagen kommen unter Verschluss.
Alle Spuren werden beseitigt. Wenn die Regierung von mir erfährt, dann wollen sie genau wissen, was ich nun bin. Das bedeutet für mich neue Untersuchungen, doch ich will nicht mehr. Das Menschsein wurde mir genommen, niemand wird mich je wie einen Menschen behandeln, geschweige denn in einen zurück wandeln können. Kreaturen wie ich, sollte nicht frei herumlaufen, sollten überhaupt nicht leben. Aber eingesperrt bin ich nicht lebensfähig und mein Lebenswille ist noch immer da.“ „Ross...“ „Ross könnte es nicht verhindern, Cooper. Also habe ich alle Spuren beseitigt und verschwinde jetzt. Es wird bald so sein, als ob ich nie hier gewesen wäre.
Alles nur noch wie ein böser Alptraum, der langsam abebbt und seine Kraft verliert.“ „So hattest Du es von Anfang an geplant, nicht wahr?“ „Ja, Cooper. Das war mein Plan und meine Aufgabe, dieses Projekt zerstören und dann verschwinden. Du siehst in mir etwas anderes als ich wirklich bin. Ich muss jeden Tag gegen diese gewissen Triebe ankämpfen. Wenn diese überhand nehmen, dann verliere ich die Kontrolle und könnte sogar Dir etwas antun.
Das weißt Du schon seit dem wir uns begegnet sind, Du wolltest es nur nicht wahrhaben. Hast daran geglaubt, das ich mein Versprechen halte und Dir nichts tun würde. Jemanden wie mir, kann man nicht vertrauen, Cooper Hawkes.“
„Vielleicht könnte man...“
„Nein. Luther hat diesem Trieb immer nachgegeben. Ich nie, noch nicht jedenfalls. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, das ich es tun werde, das weiß ich ganz genau.“ Die Erkenntnis, das sie recht hatte, traf den jungen Mann hart.
„Luther war ein Kannibale.“ Crow nickte. „Das ist uns allen gemeinsam. Bei der zweiten Generation war es nur am stärksten ausgeprägt. Und obwohl ich es noch nicht getan habe, gilt es auch für mich.“ Mit beiden Händen fuhr sich Cooper durch seine Haare. „Und ich fand es schon die Hölle, als In Vitro geboren zu werden.“
„In Vitros waren bei dem Projekt die allererste Stufe.“ „Was?“
Entsetzen erschien auf seinem Gesicht. Crow antwortete nicht, sondern drückte ihm die Kassette in die Hand. Den Schlüssel legte sie darauf. „Das brauche ich nicht mehr, mach damit, was Du willst.“ Er steckte den Schlüssel weg und stellte die Kiste ab. „Pass auf Dich auf, Crow.“ „Das gleiche gilt für Dich und Deine Freunde, Cooper Hawkes.“ Crow hielt ihm ihre Hand hin. Cooper drückte diese, es war der erste Hautkontakt zwischen beiden. Dann spürte er einen metallenen Gegenstand in seiner Hand. Verwundert entdeckte er eine Erkennungsmarke in seiner Hand.
„Sorry, Cooper.“ Ein harter Schlag beförderte ihn von den Beinen. Crow blickte ihn noch ein letztes mal mit den hellgraue Augen an und dann kam der Wechsel ins Seelenlose. Das würde das letzte mal gewesen sein, das diese Veränderung vonstatten gehen würde, ab sofort, war auch der letzte Rest von Elia Raven Vergangenheit.
Eine neue Rasse suchte sich nun ihren Platz in der Galaxis. Bevor sie sich abwandte richtete sie noch ein paar Worte an den In Vitro. „Sag Nathan, er hatte recht. 7 % von mir sind Chig.“ Dann schnappte sie ihren Helm und setzte ihn auf. Geschickt und flink machte sie die Maschine startbereit.
Die Schotten schlossen sich. Mühsam rappelte sich Cooper auf die Beine. Er verfolgte alles ganz genau. Bald war sie soweit. Das Cockpit senkte sich und verschwand aus seinem Blickfeld. Nun betrachtete er das erstemal richtig die Erkennungsmarke in seiner Hand. Identifikationsnr. 49873 9486 First Lt. Elia Patricia Raven. Kraftlos sankt er auf den Boden zurück.
Auf der Brücke war in der Zwischenzeit die Hölle los. Crow konnte ihren Start lange verborgen halten, was darauf schließen ließ, das sie die ganze Geschichte von langer Hand vorbereitet hatte.
Als es endlich bemerkt wurde, war es bereits zu spät und konnte nicht mehr aufgehalten werden. „Commodore, sollen wir Jäger hinterher schicken, Sir?“ Ross schüttelte den Kopf. Ihm war klar, wer sich in diesem Jäger befand und dazu waren seine besten Piloten auf der Krankenstation. Den würde niemand mehr aufhalten können. Und abschießen, nein, das wollte er auf keinen Fall. McQueen sah dem Jäger solange nach, bis er auf dem Radar nicht mehr auszumachen war. „McQueen gehen Sie zusammen mit ein paar Männern zum Flugdeck und sehen Sie sich um. Ich übernehme die Krankenstation.“
Wären die Bewusstlosen nicht dagewesen, könnte man meinen, das gar nichts passiert war. „Colonel McQueen, alle sind in Ordnung, keine ernsten Verletzungen.“ McQueen sah sich weiter um und entdeckte Hawkes, der noch immer auf den Boden saß.
Beunruhigt ging er neben ihm in die Hocke. Er wäre der letzte gewesen, wo er gedacht hätte, das Crow ihm was tun würde. Cooper bemerkte den Älteren neben sich und sah hoch. Etwas Blut lief ihm am Mund herunter, er hatte eine geplatzte Lippe, aber sonst war alles in Ordnung.
„Hawkes, was machen Sie hier?“ „Ich wollte sie hier halten, doch sie hatte Recht, das war das Beste für alle.“ „Mit den Informationen die wir haben und der Leiche von diesem Luther können wir ihr vielleicht helfen.“
Hawkes schüttelte den Kopf. „Wir haben rein gar nichts, Colonel. Dafür hat Crow gesorgt. Sie war nie da, nur ein böser Traum, der nun langsam verblasst.“ Sie wissen sehr viel über Crow, Hawkes.“ „Ich? Ja, fast alles, doch ich werde es weder Ihnen noch dem Commodore mitteilen. Ohne Beweise glaubt mir sowieso keiner.“ Da war sich Colonel McQueen sicher, das sein junger Schützling recht hatte.
7 Tage später. Auf der Saratoga war wieder so etwas wie der normale Alltag eingekehrt. Nichts schloss mehr auf die letzten Geschehnisse hin. Nathan und Cooper befanden sich im Aufenthaltsraum. Außer ihnen war niemand da. Nathan hatte vor sich die Kassette und sah sich die einzelnen Marken an. Bei einer stutzte er.
„Morris, das ist die von Colonel Morris.“ Cooper nickte. „Ja, Crow hat sie ihm abgenommen, nachdem sie ihm das Genick gebrochen hatte.“ Nathan erstaunte das nicht sonderlich zu hören. „Ich habe mir schon ähnliches gedacht, aber ich verstehen nicht, warum Du es nicht gemeldet hast. Oder zumindest Uns erzählt hast. Du hast sie gedeckt.“ Sein Blick heftet sich an seinen Freund, der am Fenster gelehnt stand und hinaus zu den Sternen sah. „All die Menschen hatte etwas mit ihrer Entstehung zu tun.“
Er machte eine kleine Pause. „Nathan, ich soll Dir von Crow ausrichten, das Du recht hattest. 7 % von ihr sind Chig.“ Nun war Nathan fassungslos. „Was? Aber wie ist das möglich?“ Cooper nahm eine Erkennungsmarke von seinem Hals und warf sie Nathan zu. Dieser lass laut vor.
„First Lt. Elia Patricia Raven. Wer ist diese Frau?“ „Das, Nathan, war einmal Crow.“ Cooper kam zu Nathan und nahm ihm die Marke aus der Hand. Sein Blick fixierte den Namen. „Sie war auf dem Weg nach Hause, gerade hatte sie erfahren, das sie die Aufnahmeprüfung bei den Angry Angels bestanden hatte...“ Dann erzählte Cooper Nathan alles. Das Grauen, was sie erleben musste, was Crow erschaffen hatte. Auch seine erste Begegnung mit diesen Kreaturen.
Keine Einzelheit ließ er aus. Und er sprach auch von der Faszination und seiner Furcht vor Crow. Er schüttete sein Herz aus, bis nichts mehr zu sagen war. Erschöpft ließ er sich auf einen Stuhl nieder und starte noch immer auf die Marke. Nathan brauchte einige Zeit um das Gehörte zu verarbeiten, richtig zu begreifen.
„Emotionslose, perfekte Killer. Sevall schreckte wirklich vor nichts zurück.“ „Und alles war nur ein schrecklicher Irrtum.“ Erschrocken sahen Nathan und Cooper in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. McQueen trat aus dem Schatten und setzte sich zu ihnen. Er nahm Cooper die Marke aus der Hand. „Elia Raven, ich habe sie getroffen, nicht oft, aber sie hat bei mir einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Ich war dabei, als man ihren Eltern mitteilte, das sie gestorben sei. Das Bild, diese Trauer bin ich nicht so schnell losgeworden. Ich war auch bei der Beerdigung von ihr.“ Er legte ein Bild auf den Tisch, deutete auf eine junge Frau in Fliegeruniform. „Jesus, das kann doch nicht möglich sein, Colonel?“ Fassungslos starte Nathan ihn an. Cooper jedoch war nicht erstaunt.
Diese Augen kannte er. „Colonel, was haben Sie zuvor damit gemeint, es war ein ‚Schrecklicher Irrtum‘?“
„Der Commodore hat mir den Auftrag gegeben, die Disk von Sevall durch zugehen. Dort wurde der gesamte Plan von ihm offenbart, was er wirklich mit der Saratoga vorhatte. In meinem Quartier war eine Nachricht hinterlassen worden, von Crow.“ McQueen zog aus seiner Brusttasche ein Stück Papier und legte es den Jüngeren hin.
Darauf standen fünf Zahlen. „Ein Zugangscode.“ Kam es gleichzeitig von Nathan und Cooper. Der Ältere nickte. „Ich habe ihn bei Sevalls Datei benutzt und dort stand es dann. Eigentlich sollte Lt. John Smith...“ Er zeigte auf einen jungen Mann neben Elia. „...genommen werden. Lt. Raven war nur zum falschen Zeitpunkt, am falschen Platz. Auf Sevalls Anweisung ließ man sie aber nicht frei, sondern machte mit ihr die Experimente.“
„Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.“ Nathan stöhnte leise auf. McQueen gab Cooper die Marke zurück. „Die hatte sie vom Grab genommen. Ihre Eltern hatten es angezeigt, das sie vom Stein entfernt worden war.
Außer uns dreien kennt niemand die ganze Geschichte und das soll auch so bleiben. Die Datei habe ich gelöscht. Crow will auf keinen Fall, das ihre wahre Identität bekannt wird und durch uns wird dies auch nicht geschehen. Sie will sich und auch ihre verlorene Familie schützen.“
„Ja, Sir.“ Nathan untermalte seine Antwort mit heftigem nicken. „Crows Geschichte wird bei uns in Sicherheit sein.“ Stumm blickten die Männer aus dem Fenster und dachte alle an ein ungewöhnliches Wesen, deren Zukunft man ihr einfach nahm und auch das Mensch sein.
„Was ist den hier los gewesen, das sieht ja so aus, als ob hier eine Bombe eingeschlagen wäre.“ Langsam und vorsichtig näherten sich die Wildcards dem Stützpunkt des Feindes. Besser gesagt, dem was noch von ihm übrig war. „Eine sehr treffende Feststellung, Vanessa.“ Cooper blickte sie kurz an und dann schweifte sein Blick über das was sie ihm da offenbarte. Es musste vor nicht allzu langer Zeit eine gewaltige Explosion gegeben haben. Da stand nichts mehr dort wo es sein sollte.
Alles zerstört, teilweise sogar pulverisiert. Der Brandgeruch lag noch deutlich über den Trümmern. Qualm stieg aus den Überresten. Vereinzelt lagen Chigleichen und Teile herum. Doch nicht lebendiges war zu entdecken, außer ihnen. Vasen gab den Befehl sich zu verteilen und umzusehen, aber es dauerte nicht lange und sie trafen sich in der Mitte. Wang schüttelte verwundert den Kopf. „Da lebt keiner mehr.“ Vanessa hob etwas metallisches hoch.
„Das hier war kein Unfall, sondern geplant. Das Teil ist ein Fernzünder des Feindes.“ Vansen griff danach und betrachtete den Gegenstand eingehend. Sie blickte zu Vanessa. „Willst Du damit sagen, das die Chigs ihre eigenen Leute in die Luft gejagt haben, Phousse?“ Darauf hatte die Afroamerikanerin keine Antwort, also zuckte sie nur mit den Schultern. Cooper sah sich eingehend um. „Egal wer es war, gute Arbeit hat derjenige hingelegt. Da ist nichts mehr ganz oder noch irgendwie zu verwenden.“ „Und uns die Arbeit erspart.“ Nathan bemerkte etwas unweit von sich, etwas was ihm bekannt vorkam. Er ging zu einer nahen Chigleiche. Ein erstaunter Laut kam über seine Lippen.
Die Anderen beobachteten interessiert die Szene. Der junge Marine bückte sich und entfernte etwas von der Chigleiche. Bald war er wieder bei ihnen. „Was hast Du da, Nathan?“ Shane sah ihn neugierig an. Dieser hob ein weißes Blatt Papier mit einem Loch in der Mitte und einen kleinen Ast hoch. „Damit war der Zettel an dem Chig befestigt.“ Er dreht das Blatt um und alle reagierten verblüfft. Deutlich konnte man eine Schrift erkennen, einen menschlichen Namen entziffern. COOPER HAWKES. Nathan gab Cooper den Zettel. Jeder beobachtete den verwunderten In Vitro, als er ihn auseinanderfaltete und zum lesen begann. Unerwartet für alle, fing er an zu lachen.
Er gab ihn weiter an Nathan. Dieser lass und musste ebenfalls lachen. Das wurde nun den Anderen zu bunt. „Hey Jungs, sagt endlich was da drin steht.“ „Lies Du vor Coop, er ist ja an Dich persönlich adressiert.“ Cooper nahm ihn zurück und las vor.
EIN KLEINES GESCHENK FÜR DICH, COOPER.
GRÜSSE DIE WILDCARDS VON MIR.
BIS IRGENDWANN.
CROW
„Aber das kann doch nicht wahr sein, sie lebt noch.“ Shane konnte es einfach nicht fassen. Cooper legte ihr die Hand auf die Schulter. „Crow kann das, sie ist vollkommen anders als wir, Shane. Wie ich sehe, ist hier für uns nichts mehr zu tun, also können wir auch auf die Saratoga zurückkehren.“ „Hawkes hat recht.“ Die Wildcards wollten gerade aufbrechen, als Cooper inne hielt. „Halt wartet. Gebt mir euren Proviant und das Wasser, wir brauchen es nicht mehr.“
Die restlichen Wildcards sahen ihn verwundert an. „Wieso, Cooper?“ „Vanessa, jemand anderer kann damit viel mehr anfangen als wir.“ Paul kratze sich am Kopf. „Seit wann redest Du so in rätseln, Hawkes?“ Doch dieser antwortete nicht, sondern legte alles fein säuberlich auf einen Haufen. Dann endlich zogen sie sich zurück. Nathan bildete zusammen mit Cooper die Nachhut. Er wandte sich an seinen In Vitro Freund. „Sie ist noch da?“ Dieser nickte. West blickte sich genau um, aber nichts war zu entdecken, auch nicht mehr der zurückgelassene Proviant. Crow war in der Nähe, Cooper hatte vollkommen recht gehabt. Innerlich wünschte er ihr alles Glück der Welt, das sie hier das richtige Leben fand, das sie suchte, nachdem man ihr wahres vernichtet hatte, dann erhöhte er sein Tempo. Cooper blieb stehen und sah zur Seite.
Kein zwei Meter von ihm entfernt stand sie. Ihr Optik hatte sich verändert, wilder, aber nicht verwildert. Dies hier schien eher ihre Welt zu sein, als enge Schiffe. Cooper nickte ihr lächelnd zu.
Ein lautloses Danke formte er mit seinen Lippen. Ein Zuruf von West ließ Hawkes für Sekunden nach vorne blicken, als er zurücksah, war sie nicht mehr zu entdecken. Doch er fühlte ganz genau, das sie noch ganz nah war. Mit festen Schritten schloss er wieder auf. Es war schön sie noch ein letztes mal gesehen zu haben und zu spüren, das ihre Flucht richtig gewesen war. So seltsam es auch klang und obwohl sie zu keinen Gefühlen mehr in der Lage war, waren beide Freunde fürs Leben geworden.
Ende
Autor: Christine
Copyright © 2002 Alle Rechte beim Autor. Nachdruck, aus Auszugsweise, Veröffentlichung oder Vervielfältigung jeglicher Natur ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors erlaubt.
Die Charaktere
und Situationen der Serie "Space: Above & Beyond" wurden von Glen
Morgan und James Wong, Fox Broadcasting und Hard Eight Productions kreiert und
basieren auf ihren Ideen. Alle Handlungen in dieser Geschichte sind frei
erfunden und nur die Charaktere stimmen mit "Space: Above & Beyond"
von Glen Morgan und James Wong überein.
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